Gerassimenko ist Werders Mental-Monster

Nach drei Niederlagen in Folge haben sich die Bremer Tischtennis-Profis gegen den Post SV überzeugend zurückgemeldet. Matchwinner beim 3:0 war Kirill Gerassimenko.

Tischtennis-Spieler Kirill Gerassimenko schaut nach dem Sieg nach oben und ballt die Hand zur Faust.
Geschafft: Werder-Profi Kirill Gerassimenko gewinnt nach vier Niederlagen in Folge in der Bundesliga das wichtige dritte Spiel gegen Post SV Mühlhausen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Da saß Kirill Gerassimenko also, ganz allein für sich auf seinem Stuhl und atmete tief durch. Der so schmächtig wirkende Kasache pustete immer wieder lange die Luft heraus und senkte den Kopf. Alle Energie schien aus seinem 175 Zentimeter schmalen Körper entwichen. Der 22 Jahre junge Tischtennis-Profi von Werder Bremen sah aus, als hätte er gerade einen Zwölf-Runden-Kampf im Boxring hinter sich.

Um ihn herum in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle wurde am Sonntagnachmittag bereits umtriebig abgebaut, aber das merkte Gerassimenko gar nicht. Er hockte da, fast ein bisschen wie in Trance. Und er musste erst einmal selbst begreifen, was er da gerade geschafft hatte. Vier Bundesligaspiele in Folge hatte der junge Kasache zuletzt verloren, und nun war er es, der Werder den wichtigen 3:0-Sieg gegen Post SV Mühlhausen bescherte. Zuvor gewannen Mattias Falck und Hunor Szöcs ihre Partien mit 3:0 und 3:1.

Ich brauchte einen Moment für mich, um wieder zu Atem zu kommen. Ich musste mir erstmal sagen, dass ich den Punkt fürs Team geholt habe - das tat gut. Aber es war ein richtig schweres Match.

Werder-Profi Kirill Gerassimenko im Gespräch mit butenunbinnen.de

Knackpunkt im dritten Satz – Gerassimenko beißt

Tischtennis-Profi Kirill Gerassimenko beim Rückhandschlag an der Platte.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Schwerstarbeit war es, die zu einem packenden Krimi wurde. Die gut 300 Fans in der Halle kamen voll auf ihre Kosten. Gerassimenko legte gut los gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu, die Nummer 56 der Welt. Der Kasache steht auf Rang 72, doch im Tischtennis spielt die Position der Weltrangliste keine unbedingte Rolle. "Die Bundesliga ist so stark, alle Partien sind so eng – der Druck ist immer da", sagte Gerassimenko.

Den ersten Satz holte er sich mit 11:5, doch Ionescu gewann den zweiten mit 11:7. Der dritte Durchgang schien der Knackpunkt zu werden. Der Werder-Profi hing bereits mit 4:8 zurück, als ihm die spektakuläre Aufholjagd gelang. "Ich habe einfach dran geglaubt und es probiert", meinte der Kasache. 9:9 stand es nur noch - doch mit zwei leichten Fehlern war der Satz plötzlich weg. Bitter für Gerassimenko und fatal für die Psyche.

Vaterfreuden bei Vizeweltmeister Falck

Die meisten in der Halle dachten wohl, nun sei die Partie gelaufen. Von so einem mentalen Schlag erholen sich viele Spieler kaum. Und Mattias Falck, Werders Vizeweltmeister aus Schweden, verließ schon mal vorsorglich seinen Platz, um sich warmzumachen. Doch Falck musste dann doch nicht erneut ran, denn Gerassimenko kämpfte wie ein Terrier. Wieder glich er im vierten Durchgang einen Rückstand zum 9:9 und 10:10 aus - und dieses Mal packte er zu: Mit einem furiosen Vorhandwinner holte er sich den Satzball, Ionescu machte danach den Fehler. 12:10, die Halle stand Kopf.

Tischtennis-Profi Mattias Falck reibt sich während einer Auszeit im Gespräch mit Trainer Cristian Tamas mit einem Handtuch ab.
Werders Bester: Mattias Falck (rechts) im Gespräch mit Trainer Cristian Tamas. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Im fünften Satz habe ich nur noch daran gedacht, dass ich der Aktive sein und alles reinwerfen muss", meinte Gerassimenko. Er ging schnell mit 5:2 in Führung und knickte nicht mehr ein – sein Gegner dagegen wurde Spielzug um Spielzug frustrierter. Mit 11:6 hatte es Gerassimenko schließlich geschafft. "Letztes Mal habe ich 10:7 gegen ihn geführt und noch verloren – aber daraus habe ich gelernt. Wir liegen alle so eng zusammen, manchmal entscheidet nicht mal ein Punkt, sondern nur die mentale Stärke."

An diesem Nachmittag war Gerassimenko Werders Mental-Monster. Doch auch Falck hatte eine tadellose Leistung im ersten Match gegen Lubomir Jancarik hingelegt und deutlich mit 3:0 gewonnen. Der Schwede wirkte nach seiner kurzen Pause wieder frischer und das, obwohl er gerade Vater einer Tochter geworden ist und der Schlafmangel nun Alltag ist. "Es ist eine wunderbare neue Welt für mich und manchmal auch noch etwas chaotisch", sagte Falck und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ich bin ganz froh, dass ich diese Nacht in Bremen mal ein bisschen Schlaf bekomme."

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 27. Oktober 2019, 19:30 Uhr