Tischtennis-Krimi: Das Doppel ist Werders Rettungsanker

Wunderwaffe Falck allein reicht nicht: Werders Tischtennis-Profis haben es gegen Fulda spannend gemacht. Doch der 3:2-Sieg beschert den Bremern Rang drei in der Tabelle.

Tischtennisspieler Mattias Falck bejubelt einen Sieg.
Wieder Werders Garant für zwei Punkte: Vizeweltmeister Mattias Falck. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und dann geriet Fan Bo Mang auch noch leicht ins Stolpern. Der 1,91 Meter große Schlacks platschte flach mit dem Oberkörper, die Arme ausgestreckt, auf die Tischtennisplatte. Und so hing der 19-Jährige da für einen Moment wie ein dünner, gestrandeter Wal und pustete durch. In diesem entscheidenden Doppel wollte am Montagabend so gar nichts mehr für ihn und seinen Teamkollegen Ruwen Filus aus Fulda laufen. Und das lag an ihren Gegnern von Werder Bremen, Marcelo Aguirre und Hunor Szöcs.

Besonders Aguirre drehte so richtig auf, gewann die Partie fast im Alleingang. Vor einer Woche hatte der Paraguayer im Einzel Patrick Franziska von Tabellenführer Saarbrücken besiegt, das gab dem Selbstvertrauen von Werders Nummer vier offensichtlich einen großen Schubs. 11:7, 11:7 und 11:7 hieß es am Ende souverän, doch die Bremer mussten um diesen 3:2-Sieg über den Tabellenzehnten aus Fulda ziemlich zittern.

Es fühlt sich gut an, dass wir jetzt ein verlässliches Doppel haben. Marcelo und Hunor haben sich jetzt gefunden, zum zweiten Mal in Folge gewonnen. Das Doppel wird noch oft für uns der Schlüssel sein.

Werder-Tischtennisprofi Mattias Falck bei butenunbinnen.de

Falcks Überraschungsgegner ist 46 Jahre alt

Fuldas Spielertrainer Qing Yu Meng während einer Auszeit im Gespräch mit seinem Spieler Ruwen Filus.
Trainer und mit 46 Jahren auch noch aktiv an der Platte: Qing Yu Meng (links) mit Ruwen Filus. Bild: Imago | Jan Huebner

Denn im Alleingang kann der Vizeweltmeister und Werders Nummer eins eben nicht für die Siege sorgen, den dritten Punkt müssen andere beisteuern. Aber Falck hatte sein Soll am 10. Spieltag zumindest wieder voll erfüllt und mit seiner Leistung untermauert, dass er in der Bundesliga inzwischen endgültig angekommen ist. Doch bei seiner Auftaktpartie musste der Schwede dann doch kurz stutzen, denn eigentlich hatte er mit Fan Bo Meng als Gegner gerechnet. Stattdessen stand ihm sein Vater gegenüber: Qing Yu Meng, Fuldas Spielertrainer, 46 Jahre alt.

"Ich habe ihn noch nie spielen sehen", gestand Falck ein, "er hat in seinem Alter immer noch ein paar Tricks drauf. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen, aber dann ging's." Den ersten Satz gab Falck mit 9:11 ab, holte sich aber ungefährdet mit 11:4, 11:5 und 11:7 die nächsten drei. Auch Fuldas Nummer eins, Tomislav Pucar, war kein echtes Problem für Falck. Der Weltranglistenneunte gab nur den vierten Satz aufgrund von leichten Unkonzentriertheiten ab, gewann aber mit 11:9, 11:5, 8:11 und 11:9 letztlich problemlos. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung heute", freute sich Falck. Seine Teamkollegen hatten jedoch weniger zu lachen. Besonders Kirill Gerassimenko nicht, der vergab im zweiten Einzel sogar zwei Matchbälle.

Gerassimenko vergibt zwei Matchbälle

Tischtennis-Profi Kirill Gerassimenko beim Rückhandschlag an der Platte.
Gut gekämpft, doch in fünf Sätzen noch unterlegen: Werders Nummer zwei Kirill Gerassimenko. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dabei sah lange alles so gut aus. Die rund 200 Zuschauer in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle johlten und applaudierten frenetisch, als Gerassimenko zum 6:5 im vierten Satz der Punkt nach einem spektakulären Ballwechsel gelang. Der schmächtige Kasache legte danach eine furiose Serie hin, scheiterte beim Stand von 10:8 aber an seinen Matchbällen und am Ende an seinen Nerven. Mit 9:11 verlor Gerassimenko den fünften Satz und ließ sich rücklings auf den Hallenboden fallen. Ausgestreckt blieb er dort eine kleine Weile liegen. Er konnte es nicht fassen.

Szöcs erwischte im 3. Einzel dann einen schlechten Tag. Nichts gelang dem Ungarn gegen Filus, einem der letzten Defensivspieler im Tischtennis. Weit hinter der Platte agierte Filus, spielte bis zum Gehtnichtmehr Slice-Bälle und wechselte immer wieder plötzlich zur Attacke über. Szöcs wirkte frustriert und überfordert, verlor mit 10:12, 5:11 und 7:11.

Falck ist längst im Olympia-Stress

Tischtennis-Profi Mattias Falck konzentriert beim Vorhandschlag.
Bis Januar im Nonstop-Einsatz: Mattias Falck will sich in den Top acht für Olympia qualifizieren. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dem furiosen Doppel sei Dank ist Werder Bremen jedoch nun wieder Tabellendritter durch das bessere Spielverhältnis (25:18) gegenüber Ochsenhausen (23:17). Werder liegt damit auf Kurs. "Es war heute ein sehr wichtiger Sieg, um uns in den Top vier zu behaupten", betonte Falck, "die Liga ist so eng, aber wir sind auf einem guten Weg." Auf den Weg macht sich der Schwede am Dienstagmorgen auch buchstäblich. Er fährt allerdings nicht zurück nach Halmstad, sondern setzt sich in den Flieger nach Singapur fürs nächste Turnier. "Dann komme ich am Wochenende wieder für die Bundesliga und fliege am Montag danach nach China. Ich bin jetzt drei Wochen am Stück weg von Zuhause", erzählte Falck.

Dabei wäre er momentan natürlich lieber bei seiner Frau und seiner neugeborenen Tochter. "Zum Glück gibt es Facetime, na ja", fügte er mit Bedauern hinzu: "Aber so ist es eben vor Olympia." Bei den Spielen in Tokio im Sommer 2020 will Falck zu den Top acht der Setzliste gehören, dafür muss er Turnier für Turnier spielen und Punkte sammeln. Bis Januar ist der Terminkalender randvoll gepackt. Zumindest ein Gutes hat es wohl. "Im Flieger bekomme ich sicher etwas mehr Schlaf als Zuhause."

Tischtennis: Werders Nummer 2 macht es richtig spannend

Werder Bremens Tischtennis Mannschaft beim Doppel.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. November 2019, 18:06 Uhr