Darum verzichtet Werders Vizeweltmeister auf die German Open in Bremen

Am Montagabend kämpfte Tischtennisstar Mattias Falck noch mit Werder gegen Ochsenhausen an der Platte. Doch auf die German Open in dieser Woche verzichtet der Schwede.

Zu sehen sind mehrere Tischtennis Spieler, die gerade am Tischtennisspielen sind in einer Halle.

Als der Vorhandball weit hinter die Platte segelte, da war Mattias Falck endlich erlöst. Der fast 1,90 Meter große Schwede ließ kurz den Kopf sinken und trottete dann zum Shake-hands. Er hatte nie eine Chance gehabt. Dabei war es das Spiel, auf das die 300 Bremer Tischtennisfans am Montagabend gehofft und hingefiebert hatten. Werders Topstar und Vizeweltmeister Falck gegen Ochsenhausens Brasilianer Hugo Calderano, den besten nicht-asiatischen Spieler der Welt. Die Nummer sechs gegen die Nummer neun der Welt – viel mehr geht in der deutschen Tischtennis-Bundesliga kaum.

Doch statt des Leckerbissens wurde es eine völlig einseitige Partie. 0:3 und in keinem Satz hatte Falck auch nur einmal geführt. "Hugo hat alles kontrolliert, er war heute zu stark und viel besser als ich", musste Falck im Gespräch mit butenunbinnen.de eingestehen. Dass Calderano mit der 2:1-Führung seines Teams im Rücken ganz befreit aufspielen konnte, war ein entscheidender Faktor an diesem Abend. Falck dagegen spürte den immensen Druck, unbedingt gewinnen zu müssen. Am Ende hieß es somit 3:1 für Ochsenhausen in diesem Nachholduell des 6. Spieltages. Und Falck hinterließ im Spitzenspiel den Eindruck, als könnte er eine kleine Verschnaufpause vertragen.

"Alle sind dabei - außer mir"

Werders Tischtennisspieler Kirill Gerassimenko konzentriert beim Rückhandschlag.
Kämpfte verbissen, aber am Ende vergeblich: Werder-Profi Kirill Gerassimenko. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Der 28 Jahre alte Schwede wird sie sich nehmen, er verzichtet auf die German Open, die in dieser Woche in der Bremer Stadthalle stattfinden. Das Who-is-who der Tischtennisszene tritt bei diesem Turnier an. "Ja, alle sind dabei – außer mir", meinte Falck: "Aber es ist so das Beste für mich. Ich brauche die zwei Wochen Zeit, um zu trainieren und zu regenerieren."

Es war viel auf den Schweden eingeprasselt, seit er im Frühjahr etwas überraschend Vizeweltmeister geworden war. Seine Heimat ist seinetwegen wieder im Tischtennisfieber, und in Deutschland soll er die Bundesliga rocken. Das musste der 28-Jährige erst einmal verdauen, mit dem hohen Erwartungsdruck umgehen. "Ich habe in den letzten Wochen ganz gut gespielt", meinte Falck: "Ich bin jetzt etwas entspannter und nicht mehr so gestresst. Die Nervosität hat sich auch etwas gelegt."

Der hektische Turnierkalender fordert seinen Tribut

Doch der Turnierkalender ist nach wie vor extrem hektisch, eine Veranstaltung jagt die nächste. In der Vorwoche waren es die Swedish Open, diese Woche sind es die German Open, dazwischen ist Bundesliga. Und es ist das Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio, der Wettkampf um die Qualifikationspunkte ist längst im Gange.

Im November stehen drei Reisen nach Asien in einem Monat für mich auf dem Programm. Man muss aufpassen, dass man sich nicht verletzt und ausfällt. Es ist sehr schwer, den Turnierplan richtig zu dosieren.

Werder-Profi Mattias Falck bei butenunbinnen.de

So bedauerlich die Absage des Vizeweltmeisters bei den German Open ist, sein Werder-Coach Cristian Tamas freut sich im Grunde darüber: "Für uns ist es gut. Mattias spielt noch mehr als alle anderen und die Belastung ist im Olympia-Jahr enorm, die Verletzungsgefahr groß. Es ist gut, dass er überlegt, was er spielt."

Gerassimenko war das Zünglein an der Waage

Am Montagabend hatte Falck in Calderano seinen Meister gefunden. Der Brasilianer vermieste zuvor schon Werders Marcelo Aguirre das Bundesliga-Debüt. Die kleine Verschnaufpause daheim im schwedischen Halmstad dürfte Falck sicherlich helfen, den Akku neu aufzuladen. Diese Zeit bleibt seinen Werder-Teamkollegen allerdings nicht, sie müssen bereits am Dienstag und Mittwoch in der Qualifikation der German Open ran. Dabei hätte gerade Kirill Gerassimenko etwas Abstand gebrauchen können, um die hauchdünn verpasste Chance im dritten Spiel gegen Simon Gauzy wegzustecken. Der Kasache hatte eine furiose Aufholjagd hingelegt und im fünften Satz sogar mit 5:2 geführt. Gereicht hatte es nicht.

Das war das entscheidende Spiel heute. Gewinnen wir das, hätten wir noch zwei weitere Chancen gehabt. Nichtsdestotrotz war es eine gute Leistung von uns heute.

Werder-Coach Cristian Tamas bei butenunbinnen.de

Die Ergebnisse:

SV Werder Bremen TT – TTF Liebherr Ochsenhausen 1:3

Mattias Falck – Stefan Fegerl 3:1 (7:11, 11:2, 11:7, 11:7)
Marcelo Aguirre – Hugo Calderano 0:3 (8:11, 10:12, 9:11)
Kirill Gerassimenko – Simon Gauzy 2:3 (2:11, 5:11, 11:9, 11:8, 6:11)
Mattias Falck – Hugo Calderano 0:3 (6:11, 5:11, 6:11)

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Oktober 2019, 18:06 Uhr