Boll kassiert Klatsche – wirft Werder aber trotzdem aus dem Pokal

Am Ende wurde es ein Krimi, doch ohne Happyend für Werders Tischtennisherren. Und Vizeweltmeister Mattias Falck wurde bei der knappen 2:3-Niederlage zum tragischen Helden.

Timo Boll stützt nachdenklich sein Kinn auf den Tischtennisschläger in seinen Händen.
So hatte sich Timo Boll das Spiel gegen Mattias Falck nicht vorgestellt: Mit 5:11, 9:11 und 7:11 unterlag er Werders Nummer eins. Bild: Imago | Panoramic

So ganz konnte sich Mattias Falck das Lächeln am Sonntagabend doch nicht aus dem Gesicht wischen. Da stand er also, der tragische Held dieses Pokalkrimis zwischen Werder Bremen und Borussia Düsseldorf und wusste nicht so recht, wo er sein Gefühlschaos lassen sollte. "Timo ist eine Legende", sagte Falck und seine Augen leuchteten. Zum ersten Mal in seiner Karriere war ihm der große Coup gelungen: Er hatte Timo Boll geschlagen, den besten deutschen Tischtennisspieler aller Zeiten.

"Mir bedeutet dieser Sieg so viel", sagte Falck. Vizeweltmeister ist der 28 Jahre alte Schwede, Europas Nummer zwei – nun hatte er also das Prestigeduell gegen den besten Europäer gewonnen. Falcks Glück wäre an diesem Abend eigentlich vollkommen, ja wäre da nicht dieses vermaledeite Pokalaus gewesen.

Falck knickt nach Führung wieder ein

Nahaufnahme von Tischtennisspieler Mattias Falck bei der Angabe.
Volle Konzentration: Vizeweltmeister Mattias Falck gelang sein erster Sieg gegen Timo Boll. Bild: Imago | Eibner

"Das Team ist das Wichtigste und daher bin ich natürlich enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind", sagte Falck. Das tönte politisch sehr korrekt, aber man glaubte es dem 1,88 Meter großen Hünen mit dem hellblonden Schopf trotzdem. Es klang ehrlich. Und wenn man erlebte, wie das knappe 2:3-Aus von Werder Bremen zustande gekommen war, dann konnte man gut verstehen, dass sich Falck ein wenig schuldig fühlte.

Auf Falck lastete am Sonntag die große Verantwortung, das Team mit einem Sieg im ersten Einzel in Führung zu bringen. Doch der Vizeweltmeister knickte ein, wie es ihm in letzter Zeit immer wieder passiert war. Er führte gegen seinen Landsmann Anton Källberg mit 2:0 nach Sätzen, aber dann entglitt ihm das Spiel noch. "Vielleicht bin ich nervös geworden, wir kennen uns ja sehr gut", sagte Falck, "es war mental sehr schwer für mich, dieses Match zu verlieren." Der Schwede verzog sich in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle in die Umkleide und sah nicht mit an, wie sein Teamkollege Kirill Gerassimenko mit 0:3 klar von Boll abgefertigt wurde.

Boll: "Keiner meiner Tricks hat funktioniert"

Timo Boll und Mattias Falck stehen sich im Pokalspiel an der Tischtennisplatte gegenüber.
Boll (links) gegen Falck: Die 300 Zuschauer kamen dabei voll auf ihre Kosten.

Die Pokalpartie schien für Werder Bremen gelaufen, auch die 300 Zuschauer hatten nur noch wenig Hoffnung auf die Wende – doch sie gelang. Hunor Szöcs bot nach verlorenem ersten Satz auf einmal eine starke Leistung gegen den Ex-Werderaner Omar Asser. Mit 3:2 entschied Szöcs das dritte Einzel für sich und gab den Fans, worauf sie gehofft hatte: das Duell zwischen Falck und Boll.

Und was für eine Partie es wurde. "Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt mal so abgefertigt wurde", wunderte sich Boll nach der Klatsche von 5:11, 9:11 und 7:11: "Keiner meiner Tricks hat funktioniert. Und wenn Mattias so trifft, wächst kein Gras mehr. Dann ist er zu recht Vizeweltmeister." Falck ließ sich von den Zuschauern feiern, die Erleichterung war dem Schweden deutlich anzumerken. Dass er derzeit in einer kleinen Formkrise steckt, war auch Boll nicht entgangen. Doch "dieses Mal hat er wohl einfach gedacht, er hat nichts zu verlieren und spielte befreit auf".

Kein Happyend im entscheidenden Doppel

Falck hatte seine Taktik tatsächlich etwas abgeändert: "Wir haben so oft gegeneinander gespielt und jetzt wusste ich, was ich tun muss: Ich bin sofort aggressiv auf seinen Aufschlag draufgegangen." Doch das besonders druckvolle Spiel hatte noch einen anderen Grund: "Ich wollte die Niederlage aus dem ersten Einzel unbedingt wieder gutmachen."

Das schaffte Falck zwar, das Happyend für die Mannschaft blieb dennoch aus. Im entscheidenden Doppel hatte das Duo aus Szöcs/Gerassimenko keine Chance gegen  Källberg/Asser und verlor ganz glatt mit 0:3. So blieb für Falck also nur die Rolle des tragischen Helden, der ein Spiel verlor, das er hätte gewinnen müssen und dafür eins gewann, das man nicht von ihm erwartet hatte. Das Aus schmerzte mehr, als dass es der Triumph über Boll hätte lindern können. Doch der hatte zumindest ein paar tröstende Worte parat: "Werder hat viel Qualität und ist gefährlich, vor denen müssen wir in dieser Saison gewarnt sein."

Werder verliert gegen Düsseldorf – aber Falck schlägt Boll

Mattias Falck macht eine Angabe im Duell mit Timo Boll.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 22. September 2019, 19:30 Uhr