Mit 71 bei der EM: Diese Bremerhavenerin ist Tischtennis-Weltspitze

Seit 57 Jahren spielt Karin Flemke aus Bremerhaven Tischtennis und bringt es auf 16 WM-Teilnahmen. Nun spielt sie bei der Senioren-EM in Ungarn – immer noch mit ihrem ersten Schläger.

Die Tischtennis Spielerin Karin Flemke beim Spiel gegen ihren Gegner.

Karin Flemke ist ein Phänomen. Mit 14 Jahren begann sie Tischtennis zu spielen und schwingt im Alter von 71 noch immer den Schläger. Genau den Schläger, mit dem sie damals ihre beachtliche Karriere startete. In der Zwischenzeit nahm sie an zahlreichen internationalen Turnieren teil und feierte 1999 mit dem EM-Titel im Doppel 50+ ihren größten Erfolg. Stets selbst qualifiziert, in einem Nationalteam war sie nie.

Besagter Schläger und ihr besonderes Talent brachten sie zu 16 WM- und zwölf EM-Teilnahmen. Ab dem 1. Juli steht sie bei der Senioren-Europameisterschaft in Budapest wieder an der Platte. "Ich kann mit keinem anderen Schläger spielen", sagt Karin Flemke. "Die anderen sind so leicht, da kann man auch ein Küchenbrett nehmen." Mit ihrem lockeren Mundwerk eckt die 71-Jährigen in ihrem Verein, dem ESC Geestemünde, auch mal an, sagen Mitspieler. Im Spiel sei sie bissig und ehrgeizig. "Wenn jemand sein Trikot nicht in der Hose hat, da schimpft sie schon mal", sagt Vereinskamerad Oskar Berlinke. Aber eigentlich sei sie ganz erträglich, meint Flemke selbst und schmunzelt.

Im Verein allein unter Männern, daheim 50 Pokale im Keller

Viele Silber-Pokale stehen aufgereiht in einer Vitrine
Ihre Pokale sammelt Karin Flemke in einer Vitrine im Keller.

Im Verein spielt die 71-Jährige nur mit Männern, bei der 3. Herrenmannschaft in der 2. Kreisklasse. Dass sie nicht nur an der Tischtennisplatte akkurat ist, zeigt sich zuhause in Bremerhaven-Wulsdorf. Dort hat sie in einer Vitrine im Keller ihre 50 Pokale drapiert – selbstverständlich gründlich geputzt.

Der größte Erfolg ihrer Laufbahn ist der Europameistertitel im Doppel 50+ in Göteborg mit Partnerin Christine Lübbe. "Im fünften Satz habe ich gesagt, es kann nicht angehen, dass wir jetzt noch verlieren, wir haben doch geführt", erinnert sich Flemke. "Tini, wir wollen Europameister werden", habe sie immer wieder gesagt, um den Willen aufrecht zu halten. Am Ende stand schließlich der Titel.

Durch all die Welt- und Europameisterschaften hat sie fast den ganzen Globus bereist. Meistens auf eigene Kosten. Nicht selbstverständlich für eine Mutter von zwei Kindern und Oma von drei Enkeln. Möglich machte das ihr bereits verstorbener Mann Albert, der den Haushalt schmiss. Nach dem Achtelfinal-Aus bei der Senioren-WM in Las Vegas letztes Jahr, tritt sie nun bei der EM in Ungarn an. Scheinbar unaufhaltsam. Nur ein gebrochener Schläger könnte ihr in die Quere kommen. Denn davon hat sie nur den einen, seit all den Jahren.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 23. Juni 2019, 19:30 Uhr