Falck gegen die deutsche Tischtennis-Armada – wer holt den EM-Titel?

Tischtennis-Profi Mattias Falck mit ausgebreiteten Armen bei der Ausholbewegung des Aufschlags mit konzentriertem Blick auf den Ball.
Bild: Imago | Xinhua
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Europas Tischtennis-Elite kämpft in dieser Woche im Warschau um die Krone. Topgesetzt ist Werder-Profi Mattias Falck. Doch Boll, Ovtcharov und Co. sitzen ihm im Nacken.

Den offiziellen Titel hat die Tischtennis-EM behalten, 2020 ITTF European Individual Championships, denn eigentlich sollte das Event schon vor einem Jahr in Warschau stattfinden. Corona machte es unmöglich. Nun treffen in dieser Woche die 104 besten Spielerinnen und 114 besten Spieler des Kontinents in der polnischen Hauptstadt aufeinander – und Werder-Profi Mattias Falck ist bei den Herren der Gejagte.

Der 29 Jahre alte Schwede ist die Nummer acht der Welt und der bestplatzierte Europäer der Rangliste. Innerhalb der Top Ten ist mit dem Brasilianer Hugo Calderano nur einer besser als Falck, der nicht aus Asien stammt. Dicht gefolgt auf Platz neun sitzt ihm der Deutsche Dimitri Ovtcharov im Nacken, auch in Warschau.

Knieverletzung ist auskuriert

Tischtennis-Profi Mattias Falck schreit den Jubel raus und reckt die Faust.
Mattias Falck ist bei Werder die klare Nummer eins, tat sich in der vergangenen Saison durch die coronabedingt fehlende Matchpraxis zunächst etwas schwer. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Ich bin einfach froh, dass wir wieder einen großen Wettbewerb haben und das noch vor den Spielen in Tokio", sagt Falck erleichtert. Denn die Vorbereitung war in den vergangenen Monaten nicht einfach. Seit dem WTT-Contender in Katar gab es coronabedingt kein Top-Turnier mehr auf internationaler Bühne – und das war im März.

"Wir waren mit dem schwedischen Team zuletzt in Paris und haben uns mit den Franzosen auf die EM und Olympia vorbereitet", erklärt Falck. Not macht erfinderisch. Er selbst musste zuletzt aber einige Wochen pausieren aufgrund einer Entzündung im Knie. Erst zehn Tage vor dem Abflug nach Warschau begann er wieder mit dem Training. "Ich fühle mich okay", betont Falck, "das Wichtigste ist, wieder ohne Schmerzen spielen zu können."

"Outdoor-Bubble" vor dem Spielerhotel

Seit vergangenen Samstag ist die Tischtennis-Welt nun bereits in Warschau zusammengekommen, wieder bedeutet das leben in einer Turnier-Blase unter strikten Auflagen. Testen, testen, testen und sich nur im Spielerhotel und der Veranstaltungshalle aufhalten. Viel Vorlauf, viel Warterei. Aber keiner beschwert sich.

Die Qualifikation läuft seit Dienstag, Falck hat noch bis Donnerstagabend Zeit und die Vorbereitung nutzt er. Der Parkplatz vor dem Spielerhotel wurde notdürftig zu einem Fitnessparcours umfunktioniert, der "Outdoor-Bubble" mit einem 120-Meter-Kurs als Laufstrecke.

Boll, Ovtcharov und Co. sitzen Falck im Nacken

Tischennis-Profi Mattias Falck spielt gegen Dimitri Ovtcharov.
Beim WTT-Turnier in Katar im März unterlag Mattias Falck (oben) Dimitri Ovtcharov im Viertelfinale. Bild: Imago | Xinhua

Und den Atem der Konkurrenten spürt Falck längst im Nacken, allein die deutsche Armada aus Timo Boll, Ovtcharov und Patrick Franziska will weitere Medaillen hamstern. Und im eigenen Team hat Falck mit Kristian Karlsson und Anton Källberg ebenfalls starke Konkurrenz – sie sind allesamt Schwergewichte der Bundesliga.

Nach Monaten ohne Wettkampf ist die EM ein willkommener Gradmesser für die Olympischen Spiele in einem Monat in Tokio. Doch gerade Falck möchte in Warschau unbedingt auch auf europäischer Bühne zeigen, dass seine Silbermedaille bei der WM 2019 kein Zufall war. Der Schwede ist ein Spätstarter, aber ein harter Arbeiter, der in den vergangenen zwei Jahren bewiesen hat, dass er mit der Weltelite im Tischtennis mithalten kann. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, es den Jägern zu zeigen.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 24. Juni 2021, 16 Uhr