Werders Tischtennis-Team kann auch ohne Topstar Falck gewinnen

Es war kein Nachmittag für schwache Nerven, aber der Bremer Bundesligist lieferte ein packendes Duell gegen Neu-Ulm. Besonders Gerassimenko machte es wieder spannend.

Video vom 29. November 2020
Werders Tischtennis-Profi Kirill Gerassimenko spielt gegen den Neu-Ulmer Tiago Apolonia.
Bild: Radio Bremen

Und dann war es geschafft. Kirill Gerassimenko machte seiner Freude Luft und ließ sich erleichtert von seinem Team umjubeln. Zwei wichtige Siege hatte Werders Kasache an diesem Sonntagnachmittag zum noch wichtigeren 3:1-Erfolg über Neu-Ulm beigesteuert. Es war ein Nachmittag, der Werders Tischtennis-Seele gut tat und den sie gebraucht hatte.

Die Last der Verantwortung lag dieses Mal auf Gerassimenkos schmalen Schultern, denn Werders eigentliche Nummer eins, Vizeweltmeister Mattias Falck, hatte es nicht rechtzeitig vom Turnier aus Macau zurück nach Bremen geschafft. Doch der 29 Jahre alte Schwede hatte das Duell seiner Mannschaft im Livestream verfolgt, obwohl es in Asien bereits spät in der Nacht war, und schickte sofort eine Glückwunsch-Nachricht: "Großartig! Tolle Leistung, Jungs!"

"Er ist ruhig geblieben, das war das Schlüssel"

Und obwohl das Bremer Team so gut harmoniert, war es für das verbliebene Werder-Trio aus Gerassimenko, Marcelo Aguirre und Hunor Szöcs irgendwie auch mal wichtig, dass es sich zeigen konnte. Aguirre besiegte Neu-Ulms Nummer eins Tiago Apolonia, das freute Werder-Trainer Cristian Tamas besonders: "Das war ganz wichtig fürs Selbstvertrauen, so einen Sieg hat Marcello mal gebraucht." Auch Neu-Ulm musste auf seine beiden besten Spieler Emmanuel Lebesson und Hao Shuai verzichten, dennoch wurde es ein enges Duell mit mitreißenden Phasen, für die besonders Gerassimenko in seinen beiden Partien sorgte. "Wir sind sehr glücklich, dass er zwei enge Matches für uns gewonnen und die Mannschaft zum Sieg geführt hat", sagte Tamas: "Er ist ruhig geblieben, das war der Schlüssel."

Leicht war das nicht. Gegen den 18-jährigen Kay Stumper lag er bereits 1:2 in den Sätzen hinten, der Kasache kann irgendwie nicht ohne ein bisschen Drama. Allein im zweiten Durchgang wehrte er fünf Satzbälle ab, vergab zwei eigene. Der Entscheidungssatz blieb bis zum Ende eng, Tamas war auf der Trainerbank nicht zu beneiden. Doch Gerassimenko behielt die Nerven, gewann ihn mit 11:8 und hielt auch im vierten Einzel gegen Apolonia dem Druck beim 3:1-Sieg stand.

Fünf Wochen ohne Wettkampf, aber mit Extraschichten

Für Szöcs blieb es nach der Niederlage im dritten Einzel dagegen beim Frust, ihm gelang trotz der Führung in den ersten beiden Sätzen nicht der erste, so dringlich ersehnte Sieg. "Schade, dass er den Sack nicht zugemacht hat", bedauerte Tamas, "dafür haben wir noch ein spannendes Match von Kirill gesehen." Fünf Wochen lang hatte Werder keinen Wettkampf gehabt, die Bundesliga-Spiele wurden verschoben, weil Falck in dieser Zeit als Tabellenneunter beim Neustart der internationalen Turnierserie vier Wochen in Asien verbringen musste.

Zeit, die Tamas mit seinen Spielern für intensives Training genutzt hatte: Umso besser fürs Selbstvertrauen, dass sich die Extraschichten mit dem ersten Sieg ausgezahlt hat. Werder steht nun bei 8:8 Punkten, hat gleichgezogen mit Saarbrücken und Grünwettersbach, den nächsten Gegnern. Der Blick richtet sich nach einem holprigen Saisonstart wieder in Richtung oberer Tabellenhälfte – und ab Freitag, beim nächsten Punktspiel, ist dann auch Falck wieder dabei.

Werders Tischtennis-Coach Tamas: "Jedes Ergebnis ist möglich"

Video vom 29. November 2020
Werder-Trainer Cristian Tamas nach dem Sieg seines Tischtennis-Teams über Neu-Ulm im Interview.
Bild: Radio Bremen

SV Werder Bremen – TTC Neu-Ulm 3:1

Kirill Gerassimenko – Kay Stumper 3:2 (11:6, 15:17, 7:11, 11:5, 11:8)
Marcelo Aguirre – Tiago Apolonia 3:1 (16:14, 11:6, 6:11, 11:9)
Hunor Szöcs – Vladimir Sidorenko 0:3 (9:11, 10:12, 6:11)
Kirill Gerassimenko – Tiago Apolonia 3:1 (11:7, 11:13, 15:13, 11:9)

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 29. November 2020, 19:30 Uhr