Tischtennis-Krimi mit Happyend: Falck rettet Werder den 3:1-Sieg

Der Dienstagabend war nichts für schwache Nerven: Das Werder-Quartett um Vize-Weltmeister Mattias Falck musste sich den Sieg gegen Aufsteiger Bad Homburg hart erkämpfen.

Video vom 21. Oktober 2020
Mattias Falck reckt nach dem Sieg gegen Bad Homburg die Faust empor.
Bild: Radio Bremen

Cristian Tamas war am Dienstagabend gleich mehrmals durch die Trainer-Hölle gegangen. Drei Stunden lang durchlebte Werders Tischtennis-Coach einen emotionalen Nervenkrimi seiner Spieler, von dem er erst um kurz nach 22 Uhr mit dem 3:1-Sieg erlöst wurde. Auf die Frage, ob er sich jetzt nicht um Jahre gealtert fühlen müsse, scherzte Tamas: "Ich habe schon so viele solcher Matches hinter mir – ich muss eigentlich 90 sein."

Durchatmen - es hatte gereicht zum zweiten Sieg im fünften Spiel, und  Werder hatte ihn so dringend gebraucht. Denn nichts ist einfach für die Grün-Weißen in dieser Saison. Kein Match, kein Satz, nicht einmal ein Punktgewinn – alles muss sich das Quartett des Bundesligisten hart erkämpfen. Der starke, vierte Rang der vergangenen Saison ist nichts mehr wert. Denn nicht einmal mit einem bisher noch sieglosen Aufsteiger wie Bad Homburg hat Werder derzeit leichtes Spiel.

Falck muss zwei Mal über fünf Sätze gehen

Das liegt wohl auch mit daran, dass Mattias Falck nach der langen Corona-Pause noch seine Form sucht. Der Vize-Weltmeister und Weltranglistenneunte ist eigentlich das Zugpferd in Werders Team, doch richtig kam der Schwede noch nicht in Tritt. Ihm fehlt die Spielpraxis – von der bekam er am Dienstagabend jedoch mehr, als ihm lieb war. Doch vielleicht waren die beiden Fünfsatz-Krimis genau das, was er gebraucht hatte.

Gegen Rares Sipos lag Falck im ersten Einzel schnell mit 0:2 in den Sätzen zurück und 20-Jährige trat mit viel Gebrüll und eben jener Junge-Wilden-Attitüde auf, die man in dem Alter erwartet. Falck kannte Sipos und wusste, dass das kein vergnügliches Spiel werden würde – doch der Vize-Weltmeister besann sich auf seine Erfahrung, seine Qualität.

Gerassimenko siegt, Szöcs unterliegt in fünf Sätzen

Er mixte das Tempo, ließ Sipos das Spiel und die Fehler machen. Der fünfte Satz musste entscheiden, aber wieder hatte Falck das Momentum verloren – mit 0:5 lag er hinten. Und wieder drehte er die Partie noch. Beim Stand von 9:9 mochte Tamas kaum noch hinsehen, tat aber gut daran, denn: "Das waren meine besten beiden Punkte des Abends", sagte Falck hinterher zufrieden. Und Tamas fiel nach dem 11:9 der erste Felsbrocken vom Herzen.

Kirill Gerassimenko besorgte gegen den 19-jährigen Lev Katsman mit 3:1 den zweiten Punkt für Werder, danach gelang es aber Hunor Szöcs nicht, den Sack für die Bremer gegen Gustavo Tsuboi zuzumachen. Wieder ein Fünfsatz-Krimi, allerdings ohne Happyend – auch Szös verlor die ersten beiden Sätze, kämpfte sich in den fünften, aber unterlag dort mit 7:11.

Falck: "Ich war richtig sauer auf mich"

Nochmals musste Falck also ran, gegen Katsman – gleiches Gebrüll wie Sipos, gleiche Halbstarken-Attitüde. Und wieder wirkte es: Ein Satz er, einer Falck, wieder er. "Ich war Mitte des Matches richtig sauer auf mich", gestand Werders Schwede ein, "ich habe so viele Bälle verschenkt und hatte das Gefühl, dass ich nicht die richtigen Entscheidungen treffe." Auch der fünfte Satz blieb eng, aber Falck demonstrierte dem Youngster, wie man in diesen Momenten als Topspieler die Nerven bewahrt – 10:8, hauchdünn, aber gewonnen. Falck schrie seine Erleichterung durch die Zuschauer-leere Halle.

Ich war doch ziemlich nervös zu Beginn und habe die Anspannung gemerkt. Das ganze Team steht sehr unter Druck. Hoffentlich gibt uns dieser Sieg jetzt Selbstvertrauen, damit wir in den nächsten Partien etwas relaxter antreten können.

Werder-Profi Mattias Falck

Bereits am Freitag geht es weiter für Werder, dann steht ein Auswärtsspiel beim TTC Zugbrücke Grenzau an. Am Sonntag reisen die  Bremer dann nach Ochsenhausen.

SV Werder Bremen – TTC OE Bad Homburg 3:1

Mattias Falck – Rares Sipos 3:2 (9:11, 11:13, 11:4, 11:6, 11:9)
Kirill Gerassimenko – Lev Katsman 3:1 (11:7, 9:11, 11:8, 11:7)
Hunor Szöcs – Gustavo Tsuboi 2:3 (8:11, 8:11, 12:10, 12:10, 7:11)
Mattias Falck – Lev Katsman 3:2 (9:11, 11:9, 7:11, 11:5, 11:8)

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 21. Oktober 2020, 18:06 Uhr