5 Tipps, wie Sie ohne Verein und Fitnessstudio Lust auf Sport behalten

Der Breitensport liegt lahm. Mannschaft und Freunde fehlen. Wie Sie sich trotzdem motivieren können, regelmäßig Sport zu treiben, erklärt eine Bremer Sportpsychologin.

Zwei Jogger laufen durch einen Park
Laufen gehen: Am besten zu zweit – das motiviert. (Symbolbild) Bild: DPA | hristophe Gateau

Bewegung hat einen guten und wichtigen Einfluss auf das Wohlbefinden. Das liegt an den Botenstoffen im Gehirn, die beim Sporttreiben ausgeschüttet werden. Setzt man sich dann auch noch ein kleines Ziel und erreicht das, wird auch noch das Belohnungszentrum aktiv. Das tut gut.

Jetzt aber, wo der Vereinssport wegen der Corona-Pandemie wegfällt und auch die Fitnessstudios zu sind, sind die Möglichkeiten begrenzt. Nicht jeder hat Lust, Runden am Osterdeich in Bremen oder im Speckenbütteler Park in Bremerhaven zu drehen. Wie man sich motivieren kann, erklärt buten un binnen-Redakteurin und Sportpsychologin Birgit Reichardt.

1 Akzeptieren – das bedeutet nicht, dass man es gut finden muss

Corona und die Kontaktbeschränkungen nehmen einem etwas weg. Das, was man mit seinem Lieblingssport verfolgt. Der Ball fehlt, die Mannschaft oder allgemein die Sportsfreunde. Das ist so und lässt sich nicht ändern. Das bedeutet: Will man das sogenannte Beste daraus machen, muss man die neuen Rahmenbedingungen akzeptieren. Das heißt nicht, dass man das automatisch gut finden oder sich gut damit fühlen muss. Das heißt erst mal nur: gerne Ärger und Frust rauslassen, aber dann tief Luft holen und die Lage so wie sie ist betrachten – bestenfalls wohlwollend. Dann ist der Blick freier für die Möglichkeiten, die noch da sind.

2 Tagesstruktur mit Sport – aber realistisch sein

Wer jetzt viel zu Hause ist, sollte die gewohnte Tagesstruktur beibehalten, gerade im Homeoffice. Das gibt Halt und Orientierung. Der Sport kann als fester Bestandteil in den Tag eingebaut werden. Wichtig ist es dabei, realistisch zu sein. Ein Beispiel: Keiner muss morgens laufen gehen, wenn er eigentlich Langschläfer ist. Das ist zum Scheitern verurteilt und irgendwann hat man gar keine Lust mehr auf Sport. Deshalb: Eine Tagesstruktur mit Sport – aber die Bewegung dann einplanen, wenn man dazu in der Lage ist. Vielleicht doch lieber mittags oder am Abend.

Das gilt auch für diejenigen, die bislang gar keinen Sport gemacht haben. Denn auch das regelmäßige Fahrradfahren oder Laufen zum Arbeitssplatz fällt aus. Vielleicht fährt man die gewohnte Strecke einfach ab, oder nutzt die Zeit, um andere Bewegungsformen zu entdecken.

3 Langweiligem Sport Leben einhauchen

Joggen? Das finden viele langweilig. Und wer regelmäßig freiwillig Sport treibt, tut das, weil am Ende eine Belohnung wartet. Wie der Spaß mit anderen. Oder die Lust auf die kleinen Erfolge: Tore werfen beim Handball, Körbe machen beim Basketball. Besser zu sein als andere: Das kann ein starkes Ziel sein und motiviert viele, sportlich zu handeln. Wer den Wettbewerb liebt, der kann auch jetzt andere herausfordern. Zum Beispiel mit Online-Challenges. Oder sich im Freien zu zweit verabreden und gegeneinander antreten – mit dem angeordneten Mindestabstand natürlich. Wer schafft die meisten Burpees?

Wichtig ist, neue Ziele zu setzen. Zum Beispiel: Beim ersten Mannschaftstraining nach Ende der Kontaktbeschränkung genauso fit zu sein wie jetzt. Den Trainingsplan mit den einzelnen Etappen auf dem Weg zum Ziel kann man mit dem Trainer oder Teamkollegen ausarbeiten. Online per Video. So kann man sich auch am Abend verabreden, um über das vergangene Training zu sprechen. Das ist verbindlicher. Vielleicht motiviert das sogar dazu, joggen zu gehen, am besten zu zweit.

4 Kontakt zur Mannschaft halten

Gut möglich, dass es Mannschaftssportler zurzeit schwerer haben als Einzelsportler. Läufer können alleine Sport treiben, sogar erfolgreich sein – wenn sie ihre Bestzeit knacken. Ein Mannschaftssportler braucht seine Mitspieler. Mit einem virtuellen Mannschaftstreffen hält man Kontakt und schafft ein verbindendes Erlebnis in einer Ausnahmesitutation. Dabei kann man vereinbaren, was man mit der Mannschaft eigentlich erreichen will, wie man die Zeit sportlich nutzt – oder bei einem Getränk einfach die erste Party nach der Corona-Krise planen.

5 Wenn man alleine ist – und wie man unterstützen kann

Vereinssport ist mehr als Bewegung. Das betonte Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes Bremen, im Gespräch mit buten un binnen. Vor allem für die Älteren sind die regelmäßigen sozialen Kontakte wichtig, dabei zu sein, mit anderen zu sein. Und auch für die, die alleine leben. Bleiben Sie am Ball: Gehen Sie raus, verabreden Sie sich. Denn zu zweit darf man auch walken oder laufen – mit Mindestabstand. Wenn Sie in einem Verein sind und wissen, da ist ein Sportsfreund wegen der Corona-Krise zurzeit isoliert: Rufen Sie an, unterstützen Sie. Denn auch dafür steht Vereinssport: für das Miteinander.


Autorin

  • Birgit Reichardt Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 25. März 2020, 23:30 Uhr

Archivinhalt