Verschuldet für die Tanz-WM: Die Mongolei will in Bremen aufs Podium

Bild: Radio Bremen

Für den Platz auf der großen Tanzbühne bringt die Lateinformation Moon Dance große Opfer. Unterstützt wird sie dabei von einem Bremer Trainer aus dem Grün-Gold-Club.

Am Donnerstagabend hatte das Warten für Benjamin Fellbusch endlich ein Ende. Denn seit zwei Jahren hatte der Ex-Tänzer vom Bremer Grün-Gold-Club sein Lateinformationsteam aus der Mongolei nicht mehr persönlich gesehen. Nun gab es am Bremer Flughafen das große Wiedersehen.

Vor sechs Jahren war Fellbusch mit den Mongolen bei der WM in Bremen in Kontakt gekommen, seit 2017 ist er einer von drei Trainern und aus über 6.000 Kilometern Entfernung so nah dran wie möglich. Bis kurz vor dem Abflug mussten sie noch zittern, denn erst seit vergangenem Dienstag steht fest, dass die WM der Lateinformationen am 18. Dezember in Bremen ausgetragen werden darf.

Schulden für die Reise nach Bremen

Der Bremer Trainer der mongolischen Lateinformation Benjamin Fellbusch bei der Ankunft des Teams am Bremer Flughafen.
Trainer Benjamin Fellbusch (Mitte) nimmt seine Tänzerinnen und Tänzer von Moon Dance am Bremer Flughafen in Empfang. Bild: Radio Bremen

"Ich habe täglich Anrufe aus der Mongolei bekommen", erzählt Fellbusch im Gespräch mit dem Sportblitz. Denn zwischenzeitlich war die WM der Standardformationen in Braunschweig abgesagt worden. "Sie wollten wissen: 'Wie ist das mit uns? Wir geben sehr viel Geld aus, sollen wir uns in den Flieger setzen oder nicht?"' Jetzt sind wir sehr erleichtert, dass die Mannschaft hier ist."

Alle opfern viel fürs Tanzen, haben sich für die Reise nach Bremen verschuldet. In der Mongolei hat Tanzen einen anderen Stellenwert als in Deutschland, ist angesagter. Viele aus dem Team traten während des Sommers in Shows wie hierzulande "Let’s Dance" auf, um Geld zu verdienen und sind auf Unterstützung von ihren Familien angewiesen. Die Kosten sind hoch, der Aufwand ist enorm.

"Uns ist ein Riesen-Stein vom Herzen gefallen"

Die mongolische Lateinformation Moon Dance bei einer Pose.
Bei der WM 2019 in Bremen wurde Moon Dance Fünfter von 16 Formationen. Bild: Imago | Nordphoto

2.000 Euro kosten allein die Flüge pro Person. Hinzu kommt der Hotelaufenthalt für zehn Tage – keine Formation ist so früh in Bremen angereist, doch die Sorge vor einer Quarantäne war da. Sie durchliefen den bürokratischen Aufwand und vier verschiedene Imfpungen fürs EU-Visum. Alles war seit Monaten gebucht und geplant und stand doch bis zum Schluss auf der Kippe.

Als wir von unserem Trainer Benjamin die Nachricht bekommen haben, dass die WM stattfindet, ist uns ein Riesen-Stein vom Herzen gefallen. Wir waren richtig erleichtert.

Die 16-jährige Moon-Dance-Tänzerin Misheel Undrakh im Sportblitz

Auf Anhieb in die Weltspitze

Erst 2013 hatte sich Moon Dance gegründet und war sofort aufgerückt in die Weltspitze. Bei der letzten Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Bremen tanzte sich die mongolische Formation auf Rang fünf von 16 Teams – dieses Mal peilt sie das Podium an. Das ist ihr Traum, das treibt sie an.

Unser größter Antrieb hierher zu kommen ist, dass die Mongolei auf einer Weltbühne zu vertreten. Und wir wollen unsere Stärke beweisen.

Die 16-jährige Moon-Dance-Tänzerin Misheel Undrakh im Sportblitz

Und Fellbusch versucht, sie so gut es geht dabei zu unterstützen. "Der Kontakt läuft so, dass wir uns jede zweite Woche Videos hin und her schicken und sprechen dann darüber, wo wir an der Choreo noch etwas verändern können", erzählt er.

"Sie gehen den Meter mehr"

Videokonferenzen statt gemeinsamem Training, die Pandemie tat ihr Übriges. Doch obwohl die Bedinungen nicht optimal waren, weiß Fellbusch um die Stärke seiner Formation. "Ich würde sagen, beim Training sind sie vielleicht etwas wissbegieriger und gehen den Meter mehr als das bei uns hier vielleicht der Fall wäre", sagt er.

Ihr Einsatz ist hoch für das perfekte Bild auf internationalem Tanzparkett, dafür werden sie alles geben. Mit Moon Dance sollte die Konkurrenz am Samstag auf jeden Fall rechnen.

Moon Dance: Der "Falcon" segelte auf Rang sechs

Bild: Imago | Nordphoto

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Dezember 2021, 18:06 Uhr