Schweiß, Stress und Schinderei: Grün-Gold vor Tanz-WM unter Druck

Für Grün-Gold wird die Vorbereitung auf die Tanz-WM zum Kraftakt

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Da die WM um sieben Wochen vorverlegt wurde, muss die Bremer Lateinformation bis Samstag einen enormen Kraftakt stemmen – und stößt dabei an ihre Grenzen.

Dem strengen Blick von Roberto Albanese entgeht nichts. Immer wieder unterbricht der Erfolgscoach des Bremer Grün-Gold-Clubs das Training seiner Lateinformation. "Tief in die Diagonale, schneller treffen, schneller sehen, auf den Punkt", weist er seine 16 Tänzerinnen und Tänzer an. Dann geht es weiter, immer weiter.

Warm ist es keineswegs in der Sporthalle an der Delfter Straße im Bremer Stadtteil Huchting, aber der Schweiß rinnt und das Keuchen ist schon deutlich hörbar. Die Formation kämpft an ihrem Limit.

Die größte Herausforderung ist wirklich der Zeitdruck. Die WM ist sieben Wochen zu früh dran. Ich musste eine sehr sehr hohe und sehr sehr strenge Trainingsintensität gehen.

GGC-Trainer Roberto Albanese im Sportblitz

Braunschweig statt Wien

Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese ist nach dem Training umringt von seinem Tänzerinnen und Tänzern und hält eine Ansprache.
Schwere Beine, müder Kopf: Die Tänzerinnen und Tänzer bekommen nach der Einheit Aumunterung von Trainer Roberto Albanese. Bild: Radio Bremen

Und es ist ja nicht so, dass Albanese nicht ohnehin ein sehr fordernder Trainer wäre. Aber ohne den Drang nach Perfektion hätte der Bremer Grün-Gold-Club wohl kaum bereits 16 Titel als deutscher und fünf als Europameister gewonnen und würde am Samstag nicht um seinen zwölften WM-Pokal tanzen.

Doch dieses Mal ist die Vorbereitung eine echte Qual für die Bremer Seriensieger. Da der eigentliche WM-Austragungsort Wien im Dezember ausfiel, sprang Braunschweig ein und veranstaltet so die WM der Standard- und Lateinformationen erstmals gemeinsam – aber eben bereits am 15. Oktober.

"Wir müssen uns durchbeißen"

Für den Grün-Gold-Club hatte die zwar sehr erfolgreiche, aber auch sehr lange vorherige Saison erst mit der EM Ende Mai geendet. Mit dem Durchatmen war es nach der Vorverlegung dann abrupt vorbei. Seit August schuften die Tänzerinnen und Tänzer mindestens drei Mal pro Woche und haben an jedem Wochenende zusätzlich intensive Trainingslager – neben ihren Berufen, dem Studium oder der Ausbildung.

"Wir müssen uns da jetzt durchbeißen und schauen, dass man die Nerven behält", sagt Tänzerin Lea Buerfeind und Marie Brückner fügt hinzu: "Es ist körperlich super anstrengend und der mentale Druck kommt noch hinzu." Bei der Schinderei im Akkord stößt die Formation an ihre Grenzen, das musste Albanese feststellen.

Albanese forderte sofort 100 Prozent

Denn seinen klaren, präzise durchdachten Zeitplan, bei dem Albanese für gewöhnlich bei seinem Team bis zur deutschen Meisterschaft im November die Intensität langsam gesteigert und für den Saisonhöhepunkt, der WM im Dezember, das Tempo noch einmal angezogen und Reizpunkte gesetzt hätte, fiel nun flach.

Wo ich sonst noch Luft lasse, weil wir mehr Zeit haben, habe ich jetzt von Anfang an versucht, 100 Prozent einzufordern. Und da merkt man, dass das fast unmöglich ist. Dadurch sind viele kleine Verletzungen wie Zerrungen aufgetreten.

GGC-Trainer Roberto Albanese im Sportblitz

Albanese hat die Vorbereitung mit insgesamt 22 Tänzerinnen und Tänzern absolviert, damit etwaige Ausfälle noch kompensiert werden können. Fünf, die noch bei der EM zur Stammformation gehörten, sind nicht mehr dabei. Kein leichtes Unterfangen, die Neuen so schnell so fit zu bekommen, damit sie "die schwere Hochgeschwindigkeits-Choreo über sechs Minuten durchhalten", sagt Albanese.

Holt Choreografie "Emozioni" den 4. Titel?

Pose der Lateinformation des Grün-Gold-Clubs zur Choreografie "Emozioni" bei der WM in der Stadthalle.
Mit "Emozioni" holten die Bremer bei der Heim-WM im vergangenen Dezember den WM-Titel. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Grün-Gold tritt wieder mit der Choreografie "Emozioni" an, die mit über 50 Bildwechseln und rasantem Tempo über einen extremen Schwierigkeitsgrad verfügt und bisher drei Titel einbrachte. Auch den letzten WM-Titel. Albanese hat die Choreografie weiter verändert und verfeinert, Tanz ist immer fließend und lebendig, kein starres Kunstobjekt. Alles muss immer neu einstudiert werden.

Und so wird es am Samstag darauf ankommen, ob die knappe Zeit für die Bremer gereicht hat. Ob sich die Tänzerinnen und Tänzern wieder zu einer geschlossenen Einheit formen konnten. Ob genug Willen da ist, die ausgepowerten Körper und die müden Köpfe noch einmal für drei Runden über die sechs Minuten zur Höchstleistung zu peitschen.

Wir wollen auf jeden Fall den Titel gerne verteidigen und werden alles daran setzen, ihn zu verteidigen. Trotzdem ist die größte Herausforderung wir selbst. Wir müssen uns selbst beweisen, dass wir wieder würdig sind zu gewinnen und eine Topleistung abliefern.

GGC-Trainer Roberto Albanese im Sportblitz

Grün-Gold-Coach Albanese: "WM kommt 7 Wochen zu früh"

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. Oktober 2022, 18:06 Uhr