Interview

Tanz-Coach Albanese obenauf: "Bessere Quote als Werders Pokal-Spiel"

Am Wochenende stahl der Bremer Grün-Gold-Club bei der Sendung "Let's Dance" allen die Show. Warum der Auftritt so extrem wichtig war, erklärt Roberto Albanese.

Roberto Albanese coacht mit vollem Körpereinsatz und zur Seite ausgestreckten Armen seine Lateinformation bei der Choreografie.
Endlich wieder Grund zum Jubeln: Grün-Gold-Coach Roberto Albanese holte am Wochenende bei der Tanz-Show "Let's Dance Kids" den Titel (Archivbild). Bild: Imago | Nordphoto

Die Lage in der Tanzsport-Welt ist weiterhin schwierig. Die Wettkämpfe sind abgesagt, Tanzschulen und Vereine verlieren reihenweise Mitglieder, weil nichts stattfinden darf. Erfolgs-Coach Roberto Albanese und dem Grün-Gold-Club Bremen geht es nicht anders. Sie kämpfen ums Überleben und für ein Stückchen Hoffnung in Zeiten der Pandemie.

Umso wichtiger waren am vergangenen Wochenende zwei Lichtblicke für die Bremer: Albanese gewann als Coach bei der Sendung "Let's Dance Kids" mit den beiden Zehnjährigen Jona Szewczenko und Tizio Tiago Domingues da Silva den Titel. Und die Lateinformation durfte sich in der Haupt-Show einem Millionenpublikum präsentieren. Warum dieser Auftritt für den zehnmaligen Weltmeister genau im richtigen Moment kam, erzählt Albanese im Interview mit buten un binnen.

Herr Albanese, Gratulation zu einem weiteren Titel. Doch der dürfte in diesen schwierigen Zeiten viel Auftrieb geben, oder?
Ja, auf jeden Fall. Und es ist toll, dass es eine große Werbeplattform für uns war – für den Tanzsport, für die Jugendarbeit im Grün-Gold-Club. Und das Beste ist, dass die Sendungen ab 16. Mai sonntags im Fernsehen ausgestrahlt werden. So können es noch mehr Menschen sehen. Insgesamt waren es fünf ganz tolle Wochen.
Die ehemalige Eiskunstläuferin Tanja Szewczenko mit ihrer Tochter Jona bei einer Hotelerföffnung.
Siegerin bei "Let's Dance Kids": Jona Szewczenko (rechts) mit ihrer Mutter Tanja, der ehemaligen Eiskunstläuferin. Bild: Imago | Star-Media
Macht es mehr Spaß, Kindern das Tanzen beizubringen oder ist es anstrengender?
Ich arbeite seit 20 Jahren mit Kindern und mir macht es immer sehr viel Spaß. Kinder sind einfach viel unkomplizierter, man kann sie viel bildlicher und weniger informativ trainieren. Also mehr über Berührungen und Einstellungen im Körper. Und grundsätzlich sind Kinder experimentierfreudiger.
Es war erstaunlich, wie schnell die jungen Tänzerinnen und Tänzer so gut wurden.
Das war wirklich beeindruckend, aber die haben sich so in diese Sendung reingearbeitet und waren so ehrgeizig, dass man sie teilweise schon bremsen musste. Das war toll. Wir haben drei Stunden pro Tag trainiert, pro Sendung hatten wir neun bis zwölf Stunden Zeit. Das war für die Kinder eigentlich zu wenig, weil die Choreografien schon sehr komplex waren. Die Erwachsenen haben zum Vergleich pro Sendung 40 Stunden Zeit.
Country-Sängerin Ilse DeLange und Profitänzer Evgeny Vinokurov tanzen bei der RTL-Tanzshow "Let
Country-Sängerin Ilse DeLange (links) und Grün-Gold-Tänzer Evgeny Vinokurov sind bei der RTL-Tanzshow "Let's Dance" weiter im Wettbewerb. Bild: DPA | Getty Images Europe-Pool / Joshua Sammer
Sie sprechen die erwachsenen Profis gerade an, bei "Let's Dance" sind dieses Mal mit Malika Dzumaeva und Evgeny Vinokurov zwei aus dem Grün-Gold-Club dabei. Stehen Sie da mit Rat und Tat zur Seite?
Natürlich, ich bin ja ihr Trainer und die beiden wollen dann schon Rat oder ihre Choreografie zeigen. Das ist alles gut und für die beiden ist es auch eine super Motivation gewesen sich in der wettkampffreien Zeit präsentieren zu können. Und es ist nicht nur Werbung für die Tänzer, sondern auch für den Grün-Gold-Club. Jene, die Tänzer werden wollen, sehen dann: 'Guckt mal, die Leute aus Bremen sind sogar bei "Let's Dance" im Fernsehen.' Und wir hoffen, dass wir das für uns nutzen können.
Sind Sie zufrieden mit Ihren Schützlingen?
Ja, Malika hat einen sensationellen, bombastischen Job gemacht mit Mickie Krause. Sie haben toll das rausgeholt, was sie rausholen können. Bei Evgeny mit Ilse DeLange ist es das gleiche, er ist ein totaler Sympathieträger und die Leistungen, die sie bringen, sind top.
Die Lateinformation des Grün-Gold-Club in überwiegend schwarzen Outfits mit grell-roten Applikationen bei einer Pose.n
Mit der Choreografie "Music is the key" wurde die Bremer Lateinformation 2019 zum zehnten Mal Weltmeister. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Der zweite Lichtblick des Wochenendes war der Auftritt der Lateinformation bei "Let's Dance", das Team konnte sich einem Millionenpublikum präsentieren.
Für das Team war das sensationell. Die waren 'on fire' wie für einen Wettkampf. Das hat man extrem im Training gemerkt, wie sehr sie das motiviert hat. Und natürlich ist das die Fernsehshow fürs Tanzen. Es war das erste Mal, dass eine Formation eingeladen wurde. Die Produzenten der Sendung waren mega geflashed von unserem Auftritt und wir haben im Internet so viel Feedback bekommen, das war unfassbar. Und die TV-Quote am Freitagabend war im Bereich der jungen Zuschauer sogar besser als von Werders Pokalspiel.
Die A-Formation darf auch während der Pandemie inzwischen trainieren, doch ohne einen Wettbewerb vor Augen fällt das sicherlich schwer. Hat der Auftritt da geholfen?
Das hat die komplette Motivation in der Mannschaft geändert. Die letzten vier Wochen in Vorbereitung auf die Show war so, als würden sie auf eine Meisterschaft hintrainieren. Das war richtig gut.
Die Lateinformation von Grün-Gold bei einer spritzigen Pose.
Für den Auftritt in der Tanz-Show "Let's Dance" arbeitete Roberto Albanese die Choreografie aufwendig um. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Wie groß war der Aufwand für Sie, die sechsminütige Choreografie auf vier Minuten und eine viel kleinere Tanzfläche umzuarbeiten?
Das hat schon eine Menge Zeit gekostet, denn die gesamte Symmetrie der Bilder musste verändert werden. Wir hatten eine Fläche im Studio von neun mal 13 Metern, statt 14 mal 16 Metern. Das heißt, man konnte fast kein Bild im Originalzustand lassen. Und ich musste aufpassen, dass in diesen schwierigen Figuren trotzdem genug Abstand ist, damit sie nicht ineinander knallen.
Reicht der Auftrieb vom Wochenende jetzt bis zum Winter, wenn die Wettkämpfe Stand jetzt wieder losgehen sollen?
Die Mannschaft hat es enorm beflügelt, wieder eine neue Motivation zu haben. Das kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt können wir für die zweite Jahreshälfte mit den Zielen einer deutschen Meisterschaft und der WM im November und Dezember, die in Bremerhaven und Bremen stattfinden sollen, diesen Schwung mitnehmen.
Werden Sie dann wieder mit der Choreografie "Music is the key" antreten?
Das ist noch das große Geheimnis.

Wieder weltmeisterlich: Die Grün-Gold-Choreo in voller Länge

Video vom 8. Dezember 2019
Die Grün-Gold-Formation bei einer Hebepose.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. Mai 2021, 23:30 Uhr