Interview

Tanz-Trainer Albanese über die Pandemie: "Sind in ein Loch gefallen"

Mit der Absage der Tanz-DM bricht dem Grün-Gold-Club der einzige Wettbewerb weg. Mitglieder kündigen, finanziell wird es eng. Roberto Albanese muss kreativ werden.

Video vom 6. November 2020
Die Lateinformation von Grün-Gold bei einer spritzigen Pose.
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Bild: Tanzsportbilder | Waldemar Quella
Herr Albanese, wie haben Sie die Entscheidung wahrgenommen, dass die für den 12. Dezember in Bremen geplante Tanz-DM abgesagt wurde?
Es war schon abzusehen, dass es in diese Richtung geht. Trotzdem ist die Enttäuschung bei jeder Mannschaft, wie bei uns auch, sehr sehr groß. Wir haben versucht, unsere Choreografie im zweiten Jahr auf ein ganz neues Level zu bringen. Wir haben sie komplett überarbeitet, haben uns tolle Sachen einfallen lassen und extrem an der Physis und der Tanztechnik gearbeitet. Eben alles, was man in einem zweiten Jahr mit einer neuen Choreografie macht, um sie mit den Tänzern weiterzuentwickeln. Das fällt jetzt alles komplett weg, die Arbeit war erst einmal für die Katz, weil man sie nicht zeigen kann. Das ist für alle enttäuschend.
Wie hat es die Mannschaft aufgenommen?
Die Reaktionen sind noch verhalten, ich denke, sie haben auch irgendwo schon damit gerechnet, als der zweite Lockdown kam und die Infektionszahlen immer höher wurden. Und wir haben natürlich mitbekommen, dass einige der anderen Mannschaften im November gar nicht trainieren dürfen. Und damit war klar, dass es keinen fairen, sportlichen Wettkampf bei den Deutschen Meisterschaften geben kann.
Tanztrainer Roberto Albanese und seine Frau Uta tanzen, während sie Sicherheitsabstand halten.
Tanzen mit Abstand: Roberto Albanese und seine Frau Uta waren während der Corona-Beschränkungen kreativ, um weiterhin Kurse anbieten zu können. Bild: Radio Bremen
Die letzten Monate waren eine Achterbahnfahrt: Lockdown, WM-Absage, DM geplant, dann abgesagt, erst kein Training, dann wieder Training, aber keinen Wettkampf – wie geht man damit um?
Als Sportler verliert man zuerst einmal seine Motivation. Das gilt besonders in unserer Sportart, in der man nicht bezahlt wird. Ist man Profisportler, weiß man trotzdem, für welches Geld man es macht. Bei uns machen es die Tänzerinnen und Tänzer für die Wettkämpfe. Es sind alles Leute, die einem normalen Beruf nachgehen. Jetzt ist es unsere Aufgabe als Trainer, eine neue Motivation zu schaffen und Perspektiven zu öffnen, damit man auch ohne Wettkampf eine gute Zeit miteinander hat und die Passion fürs Tanzen weiter gefördert wird. Aber einfach wird das sicher nicht.
Haben Sie schon erste Ideen?
Wir haben damit begonnen. Mein Gefühl sagt mir, dass nicht am 30. November Pandemie-Schluss ist und wir wieder bei normalen Bedingungen sind. Und bei unserer Sportart Tanzen ist es schwer für Turnierveranstalter, die keine Einnahmen durch Zuschauer bekommen. Daher geht es darum, dass die Vereine und Veranstalter mit dem Dachverband Ideen entwickeln, was man machen kann. Man könnte beispielsweise virtuelle Traningseinheiten machen und über Videokonferenz einige Wertungsrichter dazu einladen uns dann zu bewerten. Damit man etwas Wettkampfatmosphäre schafft. Das könnte man auch mit mehreren Mannschaften machen. Dann bekommt man ein Feedback der Wertungsrichter, was sich an der Choreografie entwickelt hat und was sie sehen. Die Liga wurde auch schon verschoben. Wir stecken in einem Loch und da müssen wir mit Kreativität wieder raus.
Wie sieht es denn in Ihrer Tanzschule aus? Bereits beim ersten Lockdown hatte Sie viele Austritte zu beklagen. Wie ist die Lage jetzt?
Definitiv, wir leiden unter dieser Situation. Jeder hat finanzielle Schwierigkeiten in dieser Zeit, viele Familien müssen sehen, wie sie klarkommen, viele sind in Kurzarbeit. Und wo spart man da als Erstes? An den Freizeitaktivitäten. Und dementsprechend haben wir im Grün-Gold-Club genauso viele Austritte wie in der Tanzschule. Ich kenne Tanzschulen, die jetzt schließen mussten, denn die Mieten laufen ja weiter. Das Problem sind oft nicht die Austritte, sondern dass es keine neuen Eintritte gibt. Es finden ja keine neuen Kurse statt. Und die beiden Lockdowns waren genau zu Beginn der neuen Kurszeiten. Jetzt sind zwei Kurssaisons weggebrochen und das wird für jede Tanzschule schwer.

Das Interview wurde geführt von Maike Albrecht und aufgezeichnet von Petra Philippsen.

Wieder weltmeisterlich: Die Grün-Gold-Choreo in voller Länge

Video vom 8. Dezember 2019
Die Grün-Gold-Formation bei einer Hebepose.
Bild: Imago | Nordphoto
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 6. November 2020, 18:06 Uhr