Sixdays-Inventar: Diese 6 Gegenstände sind im Radlergepäck

Profis wie Christian Grasmann stehen bei den Sixdays unter hoher Belastung. Bestimmte Gimmicks müssen daher dabei sein. Er hat uns verraten, welche das bei ihm sind.

Profifahrer Christian Grasmann beim Interview im Fahrerlager der Sixdays 2018
Nicht viel Platz, aber dafür gut gerüstet: In einer solchen kleinen Holzkoje schlagen Fahrer wie Christian Grasmann für sechs Tage ihr Lager auf. Was er da so drin hat, zeigt der Radler butenunbinnen.de im Interview.

Es besteht aus unscheinbaren Holzkojen mit dünnen Matratzen. Kleine Waschmaschinen wirbeln in der Ecke durchgeschwitzte Radlerkleidung sauber, und schnell ist der Kopf an einem der niedrigen Holzbalken gestoßen: Das Fahrerlager in der Steilkurve wirkt wie eine skurrile kleine Parallelwelt in der ÖVB-Arena. Neben Bahn und Hotel ist das eng gebaute Konstrukt für sechs Tage die Heimat der Profifahrer.

Hier wird gewartet, gedöst, gefixt und geplant. Flaniert man an den Betten der Athleten vorbei, fällt jedoch besonders auf, wie viel Kleinkram auf den Matratzen und in den Regalen verteilt liegt. "Das sind Gimmicks, ohne die es die sechs Tage über einfach nicht geht", erklärt Profifahrer Christian Grasmann mit seinem bayrischen Akzent. In Windeseile hat er ein Sammelsurium an Gegenständen vor sich zusammengestellt, die für die Radler auf dem Lattenoval geradezu überlebenswichtig sind: Das Sixdays-Inventar.

1 Trinkflasche

Sixdays-Inventar: Trinkflasche von Christian Grasmann

"Das ist natürlich das Allerwichtigste. Wer so viel fährt, kommt ums viele Trinken nicht drumrum", sagt Grasmann mit Blick auf seine Plastikflasche. In die kommt allerdings nicht einfach nur Wasser – häufig versetzen die Sportler ihre Getränke mit Salz, Kohlenhydraten oder Elektrolyten. Das Wichtigste bei der Flüssigkeitszunahme ist jedoch Konstanz: Verspüren die Sportler Durst, ist das bereits ein Zeichen für Flüssigkeitsmangel. Dementsprechend fließt pro Stunde etwa ein Liter, oft auch mehr.

2 Gesäßcreme

Sixdays-Inventar: Gesäßcreme

Ein weit weniger alltäglicher Gegenstand als die Trinkflasche, bei den Radrennen jedoch immer genauso griffbereit: Gesäßcreme. "Das klingt zwar ein wenig spaßig, ist aber essentiell", sagt Grasmann. "Man hat Druck auf der Bahn, spätestens nach ein paar Rennen entsteht vom ganzen Sitzen total viel Reibung, und auch da muss man nun mal gegensteuern." Junge, unerfahrene Radler ließen die Creme anfangs gerne weg – und würden es dann ziemlich schnell bereuen.

3 Weingummi

Sixdays-Inventar: Weingummi

Besonders bei hohen Belastungen wie der Großen Jagd gehen die Energiespeicher der Sportler schnell zur Neige – viel Zeit zum Nachfüllen ist aber nicht. Schließlich stehen eng getaktet kleinere Disziplinen wie 500-Meter-Sprint oder Derny-Fahren an. "Für die kleineren Wettkämpfe lassen sich die Speicher mit Gummibären und Konsorten einfach am besten wieder auffüllen. Der Zucker ist das, was am schnellsten ins Gehirn geht", schildert Grasmann. Dass es ausgerechnet Weingummi ist, liegt aber nicht an seinem Geschmack, wie er schmunzelnd erklärt: "Wir haben belgische Pfleger, von daher muss es immer Weingummi sein."

4 Energieriegel

Sixdays-Inventar: Powerbar

Mit Weingummis und Recovery-Drinks ist der immens hohe Energieverbrauch der Sportler jedoch immer noch nicht vollends gestemmt. Und da es eher unpraktikabel ist, permanent einen Topf Nudeln mit sich herumzuschleppen, greifen Radler regelmäßig zu Energieriegeln. Auch diese Energie sei primär für den Kopf, sagt Grasmann, allerdings ist die konzentrierte Mischung aus Proteinen, Kohlenhydraten und Fett auch gut für einen anderen Körperteil: Die Verdauung. Die arbeitet während der Sixdays dank neuem Schlaf- und Sportrhythmus nämlich ebenfalls auch Hochtouren, und ist dementsprechend sensibel. So wurde der Favorit Leif Lampater beispielsweise aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden für den zweiten Renntag vom Wettkampf neutralisiert.

5 Permanentmarker

Sixdays-Inventar: Marker

"Auch der ist für eine gute Fahrerleistung immens wichtig! Nein, Spaß beiseite, den brauch ich einfach nur für Autogramme", sagt Grasmann. Für die bekannteren Fahrer gehört aber auch das zum Sixdays-Alltag: Sich um die Fans kümmern. Etwa 50 bis 60 Autogramme gebe er täglich in einer kleinen Autogrammstunde, sagt der Profifahrer. Optimal vorbereitet ist aber auch er nicht: Die Suche nach einer Autogrammkarte, auf der er den Stift zum Einsatz bringen könnte, bleibt zumindest in seiner Koje erfolglos.

6 Handy

Sixdays-Inventar: Handy

Last but not least: Das Handy. Christian Grasmann schaut in seinen Pausen häufig darauf; sei es, um ein wenig abzuschalten, Zeiten nachzurechnen, oder – bei Siegen – auch mal Glückwunsche entgegenzunehmen oder ein Bild bei Instagram abzusetzen. Auf die Art und Weise erfahren nicht nur Frau und Sohnemann den neuesten Stand der Rennen, sondern auch das von ihm mitgegründete Rennradteam "Maloja Pushbikers."

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Sechstageradio, 13. Januar 2018, 20 Uhr