Bremer Sechs-Tage-Rennen eröffnet

Punkt 21:29 Uhr war es am Donnerstag soweit: Ein Kreuzfahrtkapitän und ein Musikproduzent schickten die 24 Fahrer in die erste von sechs Nächten in der Bremer Stadthalle.

Video vom 10. Januar 2020
Fahrerfeld mit Marguet und Beyer bei den Sixdays Bremen
Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Zwei Veranstaltungen und zwei Startschützen unter einen Hut bringen, die mit dem Sechs-Tage-Rennen erstmal nicht viel am selbigen haben – das hatten sich die Veranstalter vorgenommen. Und es war eine Erklärung nötig, warum Kreuzfahrtkapitän Morten Hansen und Musikproduzent Christopher von Deylen nun die Waffen in der Hand hatten. "Wir wollten zwei Großveranstaltungen in diesem Jahr verbinden: Die Sail in Bremerhaven im August und die Sixdays", erklärte Projektleiter Mario Roggow. Der Kapitän, na klar, steht für die Sail, der Musikproduzent für den Showteil der Sixdays. Außerdem kommt er aus der Gegend, ist in Visselhövede geboren.

Anschuss von Morten Hansen und Christopher von Deylen
Kapitän Morten Hansen und Musikproduzent Christopher von Deylen durften abdrücken, die Bürgermeister von Bremen und Bremerhaven sowie die Geschäftsführer der Sixdays zuschauen. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Und mit ganz viel Mühe hatten die Veranstalter auch einen kleinen Zusammenhang zum Radsport generiert. Denn Hansen, Protagonist in der ARD-Doku-Serie "Meer erleben", war schließlich in Folge 52 in seiner Heimat Norwegen mal kurz auf dem Fahrrad unterwegs gewesen...

Die Begeisterung der Zuschauer hielt sich in Grenzen, der Applaus verhalten, schließlich hatte vergangenes Jahr noch Howard Carpendale die Fahrer auf die Rundenhatz geschickt. Ihren Job haben Hansen und von Deylen trotzdem erledigt. Es knallte doppelt und 24 Fahrer rollten los auf der neuen Sechs-Tage-Bahn.

Mit-Favorit Reinhard angeschlagen

Theo Reinhardt und Morgan Kneisky bei den Sixdays Bremen
Theo Reinhardt (rechts) ist amtierender Weltmeister im Madison - quält sich in Bremen aber mit einer Erkältung. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Mit dabei ist auch der Sieger von 2018 und seitdem zweimalige Weltmeister Theo Reinhardt. Dabei hatte er den Organisatoren schon einen großen Schrecken eingejagt. Bei den Sixdays in Rotterdam, die Dienstagnacht zu Ende gegangen sind, lag er am vorletzten Abend in Führung – und musste dann aufgeben. Ein starker Atemwegsinfekt legte ihn lahm. Donnerstagnacht saß er wieder auf dem Rad.

Ich stehe zumindest hier. Mal sehen, was die ersten Tage bringen, aber ich bin noch nicht bei hundert Prozent.

Theo Reinhardt, Weltmeister und Sixdays-Sieger 2018

Sollte sich Reinhardt weiter erholen, gehört er mit dem Franzosen Morgan Kneisky, der auch schon viermal Weltmeister in der Disziplin Madison gewesen ist, aber trotzdem zu den Favoriten.

Nils Politt heiß aufs Podium

Nils Politt und Kenny de Ketele bei den Sixdays Bremen
Nils Politt (rechts) will mit seinem Partner Kenny de Ketele um den Sieg mitfahren. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Anwärter auf den Gesamtsieg sind aber auch Nils Politt und sein belgischer Partner Kenny de Ketele. Politt, einer der aufstrebendsten deutschen Straßenfahrer, fuhr beim Klassiker Paris-Roubaix vergangenes Jahr überraschend auf den zweiten Platz, wurde Fünfter bei der Flandern-Rundfahrt und auch bei der Tour de France war er schon dreimal am Start. Jetzt kämpft er um seinen ersten Sixdays-Sieg. Oft kam der internationale Rennkalender dazwischen, viele Jahre war er nicht mehr in Bremen. Doch nun hat er sein ProTour-Team, Israel Start-up Nation, überzeugt. "Ich bin gerade im Aufbautraining für die Straßensaison. Bei der Jagd bin ich das erste Mal wieder 45 Minuten Vollgas gefahren, da haben die Beine schon ganz schön gebrannt", so Politt. Mit einem der besten Sixdays-Fahrer überhaupt an seiner Seite ist hier in Bremen alles drin. "Über einen Sieg wollen wir noch nicht reden, aber das Podium wäre schon schön", so Politt.

Hester und Graf gewinnen die erste Jagd

Marc Hester und Andreas Graf gewannen die 1. Jagd bei den Sixdays Bremen
Marc Hester und Andreas Graf: Sieger der ersten Jagd. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Doch weder Reinhardt/Kneisky noch Politt/de Ketele konnten die erste Jagd gewinnen – sondern der Däne Marc Hester und der Österreicher Andreas Graf. Die beiden fuhren kurz vor Schluss noch eine Runde auf alle anderen Teams heraus. Doch es kommen ja noch fünf Nächte. Das Sechs-Tage-Rennen hat gerade erst begonnen.

Einer aber musste nach der Jagd zumindest für Donnerstagabend aufgeben: Wegen Schwindelgefühlen wurde der Niederländer Melvin Van Zijl neutralisiert. Der Grund: Vor zwei Wochen hatte er eine Gehirnerschütterung erlitten.

Sixdays: Förstemann ist nach Horror-Unfall zurück

Video vom 9. Januar 2020
Sprinter Robert Förstemann im Porträt, im Anschnitt sind die Bremer Stadtmusikanten zu sehen.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Sechs-Tage-Radio, 9. Januar 2020, 21:10 Uhr