Herrmanns "Segel-Rennen des Lebens" – vielleicht das letzte?

80 Tage lang allein mit sich gegen Wind und Wellen: Boris Herrmann hat dieses harte Abenteuer Vendee Globe überstanden. Doch er weiß nicht, ob er es wieder tun würde.

Video vom 28. Januar 2021
Weltumsegler Boris Herrmann glücklich nach der Ankunft mit Frau und Tochter im Arm.
Bild: Imago | Panoramic
Bild: Imago | Panoramic

Nach 80 Tagen selbstgewählter Einsamkeit auf den Weltmeeren prasselte es seit Donnerstag unaufhörlich auf Boris Herrmann ein. Ehefrau und Tochter konnte er gerade noch herzen, da wartete ein Interview-Marathon auf den tragischen Helden der Vendee Globe.

Am Freitag sprang dem Weltumsegler dann sein Konterfei auf den Titelseiten zahlloser Tageszeitungen entgegen – und womöglich erhält der Fünfte der prestigereichen Regatta um die Welt sogar bald das Bundesverdienstkreuz. Gewonnen hatte Herrmann zwar nicht, doch der 39 Jahre alte gebürtige Oldenburger war in die Herzen vieler Menschen gesegelt.

Die 80 Tage waren härter, als ich es mir je vorgestellt hätte. Die Vendee ist eben kein Event, um Spaß zu haben. Es ist eine menschliche Erfahrung, aber nicht immer eine einfache.

Weltumsegler Boris Herrmann nach der Ankunft in Les Sables-d'Olonne

"Eine kleine Stimme sagt mir: 'Überleg' es dir gut'"

In den einsamen Stunden auf rauer See hatte Herrmann immer wieder seine Rückkehr ins "normale Leben" herbeigesehnt. Zunächst will er mit seiner kleinen Familie in Frankreich verweilen und plant tatsächlich, wieder über den rauen Atlantik zu gleiten – dieses Mal mit seinem Kiteboard. Es gilt, die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen knapp drei Monate zu verarbeiten und sich an seinen neuen Alltag im Rampenlicht zu gewöhnen.

In vier Jahren steht die nächste Vendee Globe an – wieder mit Herrmann? "Das wäre natürlich ein großes Highlight", sagte er in der ARD: "Es ist ein großer Wunsch von mir, es noch einmal zu versuchen und es dann naturgemäß besser zu machen." Doch garantieren will der Familienvater nichts, erst in ein paar Wochen wolle er über die Zukunft nachdenken. Herrmann gibt zwar zu, dass "ich schon große Lust hätte", doch die Torturen der Regatta, die Einsamkeit, die dauernde Anspannung hatten ihn viel Kraft gekostet.

Es ist eine harte Sache und man macht eine Vendee Globe nicht einfach so nochmal. Eigentlich ist es das Rennen des Lebens. Und es gibt so eine kleine Stimme in mir, die sagt: 'Überleg' es dir gut.' Vor allem kann man beim nächsten Mal auch Pech haben und kommt gar nicht ins Ziel. Es ist einfach ein Riesen-Geschenk, es ins Ziel zu schaffen.

Weltumsegler Boris Herrmann im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF

Weltumsegler Herrmann: "Es war einfach großes Pech"

Video vom 29. Januar 2021
Weltumsegler Boris Herrmann im Skype-Interview mit Tagesthemen-Moderatorin Karen Mioska.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 28. Januar 2021, 18:06 Uhr