Segelriss, kein Whisky, ohne Strom – für Herrmann war's "totaler Mist"

Schwierige Tage liegen hinter Boris Herrmann bei der Vendee Globe. Doch die Rückschläge haben den Kampfgeist beim Oldenburger geweckt – der bläst zur Aufholjagd.

Segler Boris Herrmann hantiert in der hochpeitschenden Gischt auf seiner Yacht.
Allein auf hoher See: Skipper Boris Herrmann muss bei der Vendee Globe ohne fremde Hilfe mit Problemen fertig werden (Archivbild). Bild: DPA | Pierre Bouras

Tag 63 bei der Vendee Globe, das letzte Rennviertel der Weltumseglung hat begonnen. Boris Herrmann hat das Kap Hoorn vor der chilenischen Küste inzwischen hinter sich gelassen und freut sich auf wärmere Gefilde und ruhigere Gewässer.

Und der gebürtige Oldenburger ist heilfroh, dass er die Rückschläge der vergangenen Tage gut verarbeitet hat: Starkwind, ein Riss im Großsegel, zeitweise keinen Strom und dann musste er auch noch auf seinen Schuss Whisky zur Feier des Tages verzichten, weil er das Kap Hoorn aus zu großer Ferne gar nicht sehen konnte. Von Rang drei fiel er auf Rang elf zurück – jetzt ist er zumindest wieder Achter.

Es war totaler Mist, dass mein Großsegel gerissen ist. Das hat mich sehr viel gekostet. Mehr als man denkt. Von Weihnachten bis Kap Hoorn ging es nur bergab.

Weltumsegler Boris Herrmann in seiner Kolumne im "Hamburger Abendblatt"

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Riss im Großsegel hätte das Ende sein können

Der Moment mit dem Riss im Großsegel war dramatischer, als es für Landratten zunächst klingen mag. Kleinere Schäden hatte Herrmann auf seiner Reise bereits mehrfach geflickt und genäht, doch dieses Mal war es ein horizontaler Riss an der hinteren Kante des Großsegels, auf dem die Hauptlast liegt.

Hätte ich den Schaden am Großsegel nicht beheben können, wäre das Rennen für mich zu Ende gewesen. Wäre der Riss größer geworden, hätte ich nicht genügend Material und Kleber zur Reparatur gehabt, für die Heimfahrt nicht genug Proviant an Bord. Ich war im Krisenmodus.

Weltumsegler Boris Herrmann in seiner Kolumne im "Hamburger Abendblatt"

"Ich habe diesen dunklen Tunnel verlassen"

Doch die Rückschläge haben dem 39-Jährigen nicht die Lust an diesem Abenteuer vermiest, ganz im Gegenteil. Herrmanns Kampfgeist ist längst wieder geweckt. Platz fünf, das ist das Ziel, das er sich nun gesteckt hat. Ambitioniert, aber es könnte noch klappen. "Da geht noch was", sagt Herrmann.

Seit ich Kap Hoorn gerundet habe, habe ich das Gefühl, es geht bergauf. Ich habe diesen dunklen Tunnel verlassen, den harten Süden. Und die Bugspitze zeigt jetzt nach Hause, nach Europa. Und es wird graduell wärmer, das macht für die Psyche auch ganz viel aus.

Weltumsegler Boris Herrmann im Youtube-Gespräch mit dem ZDF

Wie schnell es beim härtesten Segelrennen der Welt aber vorbei sein kann, musste nun Isabelle Joschke erfahren. Die 43 Jahre alte Deutsch-Französin und gebürtige Münchnerin musste an Tag 62 wegen eines Bootsschadens aufgeben. Joschke lag als beste Frau auf Rang elf, als sie bei schwierigen Bedingungen etwa 1.100 Meilen östlich der argentinischen Küste die bittere Entscheidung treffen musste. Ein Kielschaden ließ eine weitere Teilnahme nicht mehr zu, damit haben nun sieben von 33 Startern das Rennen nonstop um die Welt vorzeitig beendet.

Tücken auf hoher See: Herrmann muss wieder einiges reparieren

Video vom 8. Januar 2021
Eine Segelyacht bei starker Krängung in rauer See.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Januar 2021, 18:06 Uhr