Kämpferischer Herrmann erreicht Kap Hoorn: "Werde niemals aufgeben!"

Das große Ziel ist erreicht, doch die Freude getrübt: Technische Probleme haben Segler Boris Herrmann das Leben schwer gemacht. Unterkriegen lässt er sich davon nicht.

Ein zufriedener Boris Herrmann schaut bei gutem Wetter in die Kamera
Boris Herrmann musste bei der Vendee Globe zuletzt einige Widerstände überstehen. Bild: Boris Herrmann Racing

Er hat es geschafft: In der Nacht auf den Dienstag, exakt um 3:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit, hat Boris Herrmann bei der Vendee Globe Kap Hoorn, die Südspitze Südamerikas, erreicht. Ab jetzt zeigt der Bug seiner "Seaexplorer" wieder in Richtung Norden, zurück in Richtung Europa. Und eigentlich hatte der gebürtige Oldenburger geplant, diesen besonderen Moment mit einem Glas Champagner zu begießen.

Grafik von den Positionen der Boote, die ums Kap Hoorn segeln
Boris Herrmann hat in der Nacht auf den Dienstag mitteleuropäischer Zeit Kap Hoorn passiert. Genießen konnte er dies aber nicht. Bild: OpenstreetMap/Vendee Globe

Doch Freude kam bei Herrmann am Ende nicht so richtig auf. Dafür hatten die Umstände seine Stimmung zu sehr getrübt. Die Hoffnung, zum ersten Mal seit dem Start der Regatta wieder Land zu sehen, ging nicht in Erfüllung. Um den größten Wetterkapriolen in Küstennähe zu entgehen, blieb er lieber auf dem offenen Meer. Die Sicherheit geht eben vor.

Schade, dass ich Kap Hoorn nicht sehen konnte. Aber es wäre für mich bei diesen Bedingungen zu gefährlich gewesen, näher an die Küste zu segeln.

Segler Boris Herrmann sitzt in einem Segelboot auf dem Gewässer.
Boris Herrmann

Loch im Segel und die Stromversorgung bereiten Probleme

Die Laune sank zudem, da er an Bord mächtig Reparaturarbeiten leisten musste. Der Generator für die Stromversorgung fiel aus und musste gefixt werden. Ohne Strom wird es an Bord schnell brenzlig. Zumindest hatte er dabei aber Glück im Unglück. Nur ein Kabel war gebrochen, wie Herrmann erklärte, und dies sei für ihn einfach zu reparieren gewesen. Zwischenzeitlich aber keine Aufladesysteme an Bord gehabt zu haben, habe ihn unter mentalen Stress gesetzt. Angefühlt habe dies sich, als hätte ihm jemand eine Schlinge um den Hals gelegt. Zugleich stellte er abermals ein Loch in seinem Großsegel fest, das er flicken musste. Dadurch musste er sein Tempo drosseln – und fiel auf den zehnten Platz zurück.

Das war ein weiterer Schlag in mein Gesicht. Aber das weckt nur meinen Kampfgeist. Ich werde niemals aufgeben!

Segler Boris Herrmann sitzt in einem Segelboot auf dem Gewässer.
Boris Herrmann

Mehr als zwei Drittel hat Herrmann bereits geschafft

Aufgeben würde auch keinen Sinn mehr ergeben. Seit dem 8. November beißt Herrmann sich bereits durch. Allein auf den Weltmeeren, immer mit dem großen Ziel vor Augen, als erster Deutscher mit seiner "Seaexplorer" wieder am Start- und Ankunftshafen im westfranzösischen Les Sables d'Olonne anzukommen. Etwas mehr als 71 Prozent der Strecke hat er bereits hinter sich. Rund 12.900 Kilometer liegen allerdings noch vor ihm. Ab jetzt allerdings mit Kurs in Richtung Europa.

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Boris Herrmann segelt auf das Kap Hoorn zu

Video vom 4. Januar 2021
Boris Herrmann sitzt an Bord seiner "Seaexplorer" und schaut in die Kamera. Dabei trägt er eine Mütze und eine dicke Jacke.
Bild: Boris Herrmann

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Januar 2021, 18:06 Uhr