Wellbrock jetzt sogar auf Nicht-Paradestrecke Weltklasse

Bei den Qualifikationsläufen für Olympia in Berlin ist Florian Wellbrock in Bestform. Der gebürtige Bremer schwamm sogar über 400 Meter Freistil fast Weltjahresbestzeit.

Schwimmer Florian Wellbrock klatscht im Becken nach der Qualifikation über 400 Meter seinen Mitstreiter ab.
Auch über 400 Meter Freistil der Beste: Florian Wellbrock schrammte nur knapp an seiner eigenen Weltjahresbestzeit vorbei. Bild: Reuters | Annegret Hilse

Jetzt ist Schwimmstar Florian Wellbrock auf seiner Nebenstrecke die aktuelle Nummer eins und zwei der Welt: Der Doppelweltmeister gewann bei der Olympia-Qualifikation in Berlin das mit Spannung erwartete Rennen über 400 Meter Freistil und blieb in 3:44,36 Minuten nur um eine Hundertstelsekunde über seiner vor einer Woche in Magdeburg erzielten Weltjahresbestzeit. Auch Lukas Märtens (3:44,86) und Henning Mühlleitner (3:45,36) knackten erneut deutlich die Normzeit für Tokio.

Auf einen Olympiastart auf seiner Nebenstrecke wird Wellbrock aber sehr wahrscheinlich verzichten. Das ist methodisch mit seinen Starts über 800 und 1.500 Meter im Becken sowie 10 Kilometer im Freiwasser, wo seine Medaillenchancen nochmal größer sind, kaum vereinbar. Daher dürfte Mühlleitner den zweiten deutschen Startplatz neben Märtens bekommen.

"Bin zu 100 Prozent Wettkampftyp"

Schwimmer Florian Wellbrock stößt sich kraftvoll vom Startblock ab beim Sprung ins Becken.
Florian Wellbrock präsentiert sich bei den Qualifikationsläufen für Olympia in Berlin in Bestform. Bild: Reuters | Annegret Hilse

Außerdem knackten am vorletzten Wettkampftag in Annika Bruhn, Damian Wierling (beide über 100 Meter Freistil) und Sarah Köhler (400 Meter Freistil) drei weitere Athleten die Olympia-Norm auf Einzelstrecken. Köhler musste sich jedoch ihrer Magdeburger Teamkollegin Isabel Gose um neun Zehntelsekunden geschlagen geben.

Dass Wellbrock im 400-Meter-Rennen nur zwei nationale Konkurrenten hatte und tags zuvor über 800 Meter sogar alleine gestartet war, sieht er nicht als Nachteil für seine Gold-Mission bei Olympia. "Ich bin zu 100 Prozent ein Wettkampftyp, wenn ich in Tokio am Start stehe und acht Leute neben mir, dann wird das ein cooles Ding", sagte Wellbrock, "dann hält es mich auch nicht auf, wenn wir hier nur zu zweit oder zu dritt schwimmen. Ich werde der Situation dann gewachsen sein – und da freue ich mich schon tierisch drauf."

Bestzeit über 1.500 Meter soll folgen

Am Sonntag will der 23-Jährige auf seiner Paradestrecke 1.500 Meter ein weiteres Achtungszeichen setzen. Möglich ist sogar die Verbesserung seines deutschen Rekords (14:36,15), weil Teamkollege Märtens den Tempomacher geben könnte. Auch der 19-Jährige hat die Normzeit für diese Disziplin bereits unterboten.

Cheftrainer Bernd Berkhahn zog derweil vor dem Schlusstag ein "sehr zufriedenes" Zwischenfazit. "Das Olympia-Team wird größer", sagte der Magdeburger. Man müsse vor den Sportlern "einfach den Hut ziehen", wie sie sich ohne Zuschauer und in teilweise sehr dünn besetzten Läufen "motivieren und zusammenreißen" und "trotzdem tolle Zeiten" abliefern.

Schwimm-Weltmeister Wellbrock vor Tokio: "Jetzt bin ich der Gejagte"

Video vom 18. März 2021
Florian Wellbrock in eine Sykpe-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 18. April 2021, 19:30 Uhr