Nach Wellbrock-Kritik: Fördert Bremen seine Spitzensportler zu wenig?

Nach Wellbrock-Kritik: Fördert Bremen seine Spitzensportler zu wenig?

Der frisch gebackene Olympiasieger Florian Wellbrock krabbelt aus dem Hafenbecken.
Bild: Imago | Sven Simon
Bild: Imago | Sven Simon

Schwimmstar Florian Wellbrock beklagt die mangelnde Förderung in seiner Heimatstadt – und erntet prominente Zustimmung. Im Bremer Sportressort bedauert man hingegen die Kritik.

Deutschlands größter Schwimmstar Florian Wellbrock ist in Bremen geboren und aufgewachsen. Doch um die Grundlage für seine Erfolge zu legen, musste der Olympia-Sieger seine Heimat verlassen. Noch als Jugendlicher ging er nach Magdeburg, wo die Trainingsbedingungen für Schwimmathleten um ein Vielfaches besser sind. Mehr noch: Unterstützung vom Land Bremen habe er nie erhalten, sagte Wellbrock dem "Weser-Kurier". Was auch der Grund dafür gewesen sei, weshalb der 24-Jährige vor kurzem auf eine Ehrung im Bremer Rathaus verzichtete.

Da habe ich das Gefühl, dass sich Bremen mit mir schmücken möchte. Dabei hat mich Bremen nie in der Art unterstützt, wie es Magdeburg und Sachsen-Anhalt getan haben. 

Schwimm-Olympiasieger Florian Wellbrock im "Weser-Kurier"

Auch Ex-Werderaner Uli Borowka erhebt Vorwürfe

Schwimmstar Florian Wellbrock zeigt seine Medaillen.
Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio gewann Florian Wellbrock eine Bronze- und eine Goldmedaille. Bild: Imago | Christian Schroedter

Mit seiner Kritik steht Wellbrock nicht allein da. Immer wieder ist zu hören, dass junge Breitensportler in Bremen zu wenig Förderung erhalten und daher das Weite suchen. Dem Schwund entgegenwirken sollte das "Haus der Athleten", in dem hiesige Nachwuchstalente leben und auf ihre Karriere vorbereitet werden sollten. Doch das Projekt, das auf breite Zustimmung stieß, liegt unter anderem wegen mangelnder finanzieller Unterstützung inzwischen wieder auf Eis. Auf dem Facebook-Kanal des Sportblitz äußerte sich unter anderem auch Ex-Werder-Profi Uli Borowka zu den Wellbrock-Vorwürfen.

Da hat der Junge vollkommen recht. In Bremen muss Geld gesammelt werden für das Haus des Sports. Die Sportsenatorin interessiert das alles herzlich wenig. Das ist Bremen.

Ex-Werder-Profi Uli Borowka auf dem Facebook-Kanal des Sportblitz

Bremer Senat erneuert Einladung an Florian Wellbrock

Bernd Schneider, Sprecher von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne), kann die Wellbrock-Kritik nur bedingt nachvollziehen. "Wir bedauern sehr, dass Florian Wellbrock der Förderung in Bremen rückblickend keine große Bedeutung beimisst", sagte Schneider auf Nachfrage von buten un binnen. Zugleich verweist er darauf, dass Wellbrock sich in seiner Zeit als Schüler der sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße immerhin so weit entwickelt habe, dass der Bundesstützpunkt in Magdeburg ihn aufnahm. Richtig sei aber auch, dass Bremen seinen Ausnahmeathleten nur wenig Infrastruktur bieten könne. "Ohne erhebliche Finanzmittel vom Deutschen Olympischen Sportbund und vom Bund ist der Entwicklung von Top-Athleten in fast allen Sportarten eine natürliche Grenze gesetzt", so Schneider, der abschließend die Rathaus-Einladung an Wellbrock noch einmal erneuerte.

Wir hätten uns gefreut, wenn er unsere Einladung ins Rathaus angenommen hätte – und würden uns weiterhin freuen, wenn er es sich noch anders überlegt.

Bernd Schneider, Sprecher der Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne)

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 4. Oktober 2021, 23:30 Uhr