Das ist Bremens neuer Bundesliga-Schiedsrichter

Der 27-jährige Sven Jablonski aus Blumenthal ist ab der neuen Saison Bundesliga-Schiedsrichter – und der jüngste noch dazu. Ein Gespräch über's Auspfeifen, Applaus und Angst-Gegner.

Sven Jablonski pfeift beim Drittligaspiel Chemnitz gegen Jena
Sven Jablonski im Einsatz. Bild: Imago | Karina Hessland
Warum will man unbedingt Schiedsrichter werden? Das ist doch der Mann, der von den meisten im Stadion nicht gemocht wird.
Das fragen mich viele. Ich kann jeden ermuntern, das mal auszuprobieren. Bei mir war das auch eine spontane Entscheidung. Ich habe beim Blumenthaler SV mit dem Fußballspielen angefangen. Beim Training kam der Schiedsrichter-Obmann meines Vereins und sagte, dass wieder Schiedsrichter gesucht werden und ein Anwärter-Lehrgang bevorsteht. Da habe ich mich mit meinen Freunden angemeldet. Man wusste auch, dass es eine kleine Taschengeld-Aufbesserung ist. Ab dem Tag, wo man das mal ausprobiert hatte, war man begeistert.

Sven Jablonski im Studio von Bremen Eins.
Sven Jablonski ist in der neuen Saison einer von 24 Bundesliga-Schiedsrichtern.
Ist es denn nie vorgekommen, dass du mal ausgepfiffen worden bist. Der berühmte Ruf "Schiri-Eierkopp" und so, hast du dir das alles schon mal anhören müssen?
Ja, alles. Ich glaube, das muss jeder Schiedsrichter durchleben. Eigentlich werde ich jedes Wochenende ausgepfiffen. Dass man mit Applaus vom Platz geht, das ist eher selten. Das gehört dazu. Man gewöhnt sich dran.

Für mich ist das Schiedsrichter-Dasein eine Lebensschule. Deswegen kann ich nur jedem raten, das mal auszuprobieren.

Sven Jablonski
Ist es aufregend sich vorzustellen, in der 1. Liga zu pfeifen? Was ist da das Aufregendste bei dem Gedanken?
Das ist jetzt natürlich erstmal neu. Man freut sich auf das erste Spiel. Es ist da völlig egal, wo es hingeht. Man kann es jetzt kaum erwarten. Man hat es im Mai erfahren, man hat jetzt oft gelächelt. Oft ist es ja so, selbst wenn man mal ein gutes Spiel gepfiffen hat, ein paar Tage später ist das dann vergessen, weil dann die Spielvorbereitung wieder losgeht. Jedes Spiel geht wieder bei Null los. Das bedeutet, man kann sich da gar nicht ausruhen. Und jetzt in der Sommerpause konnte man mal diese schöne Meldung genießen.
Schiedsrichter-Pfeife, gelbe und rote Karte.
Sven Jablonskis Schiedsrichter-Besteck.
Wenn man an die Spieler denkt, gibt es da welche, die Angst oder Respekt einflößen? Ich könnte mir vorstellen, wenn Arturo Vidal von Bayern München vor mir steht, mit Wut im Bauch, würde ich an deiner Stelle weglaufen.
Wenn ich weglaufen würde, würde ich nur ein Spiel pfeifen und dann könnte ich aufhören. Also Angst hat man als Schiedsrichter nicht. Aber das gilt nicht nur für die Bundesliga, auch wenn man in der zweiten oder dritten Liga oder in den unteren Ligen pfeift. Wenn man Angst hat, ist das nie eine gute Eigenschaft, sondern man hat eher den positiven Druck, die Motivation, die man dann spürt.
Der Videobeweis, der jetzt in der neuen Saison eingeführt wird, ist der hilfreich oder eher lästig für einen Schiedsrichter?
Wir haben das jetzt ein Jahr lang offline getestet. Wir starten am 18. August in der Bundesliga damit in der Online-Phase. Dann werden wir sehen, welche Erfahrungen wir damit sammeln. Wir Schiedsrichter sehen das erstmal alle grundsätzlich positiv, weil wir uns davon erhoffen, dass klare, spielentscheidende Fehler, wo wir in der Vergangenheit vielleicht Fehlentscheidungen hatten, korrigiert werden. Für die Hilfe sind wir da schon dankbar und sehen dem Ganzen positiv entgegen.

Das Interview führte Marcus Rudolph auf Bremen Eins.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 9. August 2017, 9:15 Uhr