Fragen & Antworten

So hat Thomas Schaaf seinen ersten Titel als Werder-Spieler erlebt

Nach drei Vizemeisterschaften holte Werders ehemaliger Trainer mit den Grün-Weißen erstmals die Schale. Das entscheidende Tor hat Schaaf noch in guter Erinnerung.

Werder-Spieler Thomas Schaaf stemmt die Meisterschale in die Höhe
Am 14. Mai 1988 war es nach mehreren vergeblichen Anläufen soweit: Abwehrspieler Thomas Schaaf ist erstmals Deutscher Meister. Bild: Imago | Kicker/Liedel

Insgesamt dreimal hat Werder-Legende Thomas Schaaf die Meisterschale in die Höhe gestemmt. Zweimal als Spieler, einmal als Trainer. Hinzu kommen fünf Pokalsiege und der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. Seinen ersten Titel, die Meisterschaft im Jahr 1988, errang er eher unerwartet. Denn Werder war unter Leitung von Trainer Otto Rehhagel wegen des Abgangs von Torjäger Rudi Völler als Außenseiter in die Saison gegangen. Dank einer überragenden Defensive und Völler-Nachfolger Karl-Heinz Riedle standen die Bremer jedoch nach einem 1:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt schon drei Spieltage vor Schluss als Meister fest. "Je früher man etwas entscheiden kann, umso schöner ist es. Im Endeffekt ist es aber egal, Hauptsache, man erreicht es", erzählt Schaaf im Interview mit dem "Sportblitz".

Herr Schaaf, mit welcher Aussage würden Sie das Team, das im Jahr 1988 die Meisterschaft geholt hat, beschreiben?
Wir waren alle hungrig auf den Titel. Der Wille, es zu schaffen, hat diese Mannschaft ausgezeichnet. Wir waren schon in den Jahren davor eine gute und erfolgreiche Mannschaft gewesen und haben am Titel geschnuppert, ihn aber nicht geholt. Es war für uns der Punkt gekommen, dass wir das unbedingt wollten. Das Gefühl, es endlich geschafft zu haben, war natürlich großartig.
Was hat das Team als Einheit so besonders gemacht?
Viele Dinge machen so ein Team aus, etwa die hohe Qualität des Einzelnen. Ich glaube aber, es war immer das überragende Plus von Otto Rehhagel, dass er es verstanden hat, ein Team, eine Mannschaft zu bilden. Dass die Spieler aufeinander eingestimmt waren, dass jeder seinen Part erfüllt hat. Das ist über ein paar Jahre gewachsen. Man hat immer wieder geschaut, wie das Puzzle am besten zusammenpasst.
Thomas Schaaf läuft am Weser-Stadion entlang.
Inzwischen steht Thomas Schaaf als technischer Direktor in Werders Diensten. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Rudi Völler ist vor der Saison gegangen, dafür Karl-Heinz Riedle gekommen. In den ersten 16 Spielen erzielte er nur vier Tore, galt bereits als großes Missverständnis. Welchen Eindruck hatten Sie zu Begin von ihm?
Die hohe Qualität hat man schon gesehen. Er war sehr schnell, technisch stark, hatte ein unglaubliches Kopfballspiel. Verspielt, unbekümmert, mutig – man kann ihn mit vielen Attributen belegen. Kalle war unbefangen, hat sich voll eingebracht. Er hat – so wie Rudi vor ihm – von den vielen Flanken, von der Vorbereitung seiner Mitspieler profitieren können und eben die Qualität gehabt, diese auch zu verarbeiten.
Die Abwehr hat nur 22 Gegentore kassiert. Was hat dieses Bollwerk so stark gemacht?
Die Spielausrichtung war zwar offensiv. Aber es war eine, wie Otto damals immer wieder gesagt hat, kontrollierte Offensive. Das hat sich jeder bewusst gemacht. Wir wussten, dass man nur so gut nach vorne spielen kann, wie man auch in der Defensive steht. Ich glaube, diese Sicherheit haben wir uns gegenseitig gegeben. Die Spieler waren bereit, die Disziplin aufzubringen, das eigene Tor gut zu verteidigen und so sicher zu stehen, bis wir den positiven Moment haben, um in die Offensive zu gehen. Der Gegner wusste, es war nicht so einfach, an uns vorbeizukommen.
Den Treffer zum 1:0 im entscheidenden Spiel gegen Frankfurt erzielte Riedle per Kopf nach einer Ecke. Wie haben Sie das Tor erlebt?
Ich glaube, Günter Hermann hat den Eckball geschossen, wenn ich mich richtig erinnere. Kalle ist hochgegangen in seiner unglaublichen Art und hat in der Luft gestanden, um das Ding reinzuköpfen. Das war ein wunderschöner Moment. Diese Bilder werden immer bleiben.

Vor 32 Jahren: Werders Meisterschaft 1988

Video vom 4. Mai 2020
Der ehemalige Werder Bremen Fußballspieler und Trainer thomas Schaaf vor einem schwarzen Hintergrund im Interview.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Janna Betten

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Mai 2020, 18:06 Uhr