So viel Russland steckt in Bremen

Heute geht sie los: die Fußball-Weltmeisterschaft. Was verbindet Austragungsort Russland eigentlich mit Bremen? Diese 9 Fakten sollten Sie kennen.

Matroschka-Figur vor Bremer Flagge (Montage)
Bild: Imago | Imagebroker/Christian Ohde

1 Warum man bei Moskau in Bremen wohnen kann

In vielen Ländern gibt es einen Ort mit dem Namen "Bremen" – so auch in Russland. Eine Baufirma benannte eine Reihenhaussiedlung im Moskauer Umland nach der Hansestadt an der Weser. 144 Häuser zählen zu der Siedlung an der Gebrüder-Grimm-Straße. Am Eingang begrüßt die "Bremer Speckflagge" und ein Nachbau der Stadtmusikanten die Besucher der privaten Wohnanlage.

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2 Welcher Russe für Werder spielte

Wladimir Bestschastnych bejubelt den Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen mit 6:4 n.E.
Wladimir Bestschastnych jubelt nach dem Elfmeterschießen, als Werder 1996 Bayer Leverkusen aus dem DFB-Pokal schoß. Bild: DPA | Kay Nietfeld

Seit Beginn der Bundesliga verpflichtete Werder Bremen lediglich einen russischen Spieler für die Mannschaft. 1994 wechselte Wladimir Bestschastnych von Spartak Moskau an die Weser. Der russische Stürmer erzielte in seiner ersten Saison zehn Tore für den SV Werder. 1996 wurde er beim DFB-Pokal zum Torschützenkönig gekürt. Doch noch im selben Jahr wechselte er zum spanischen Verein "Racing Santander".

3 Wie die Stadtmusikanten auf Russisch klingen

Der Zeichentrickfilm "Die Bremer Stadtmusikanten" war in der Sowjetunion ein Kulthit. Mit dem ursprünglichen Märchen der Gebrüder Grimm hat die sowjetische Variante nur noch wenig zu tun. In dem 20-minütigen Musikfilm bilden neben Esel, Hund, Katze und Hahn noch ein menschlicher Sänger und eine Prinzessin die Stadtmusikanten. Die Charaktere tragen Schlaghose, Pilzkopf und Mini-Rock. Die Macher orientierten sich nicht nur musikalisch am Rock`n`Roll aus dem Westen.

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4 Was zwischen Bremen und Russland gehandelt wird

Die Autoindustrie dominiert das Bremer Exportgeschäft. In dieser Branche wurden im Jahr 2016 Waren im Wert von 123 Millionen Euro in die russische Föderation verkauft. Zudem exportieren Bremer Unternehmen Maschinen sowie Nahrungs- und Futtermittel. Beim Import aus Russland stehen Rohstoffe an erster Stelle. Geliefert wurden Gas und Erdölprodukte im Wert von 289 Millionen Euro. Auch Kohle, Metalle und Erze aus Russland werden dringend für Produktionen an der Weser benötigt.

Gehandelte Ware zwischen Bremen und Russland im Jahr 2016
Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: 2018

Laut der Handelskammer Bremen pflegen 200 bremische Firmen Geschäftsbeziehungen mit der Russischen Föderation. 40 davon haben eine eigene Vertretung oder Niederlassung im Land. Seit 2015 werden deutlich weniger Waren gehandelt. Laut Annabelle Girond von der Handelskammer Bremen liegt dies nicht an den gegen das Land verhängen Sanktionen. Schuld sei die schlechte wirtschaftliche Lage in der russischen Föderation und der seit 2014 gesunkene Ölpreis. Im vergangenen Jahr nahm der Handel dann wieder leicht zu.

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5 So lange ist man nach Moskau unterwegs

Wer Karten für das Endspiel in Moskau bekommen hat, kommt per Flugzeug nur über Umwege dorthin. Seit Oktober 2014 gibt es keine Direktverbindung mehr vom Bremer Flughafen in die russische Hauptstadt. Mit dem Auto würde der Weg durch Polen und Weißrussland bis ins 2.170 Kilometer entfernte Luzhniki Stadion rund 23 Stunden dauern – reine Fahrzeit. Noch länger sitzt man nur in der Bahn. Je nach Verbindung dauert es hier zwischen 26 und 42 Stunden.

6 Wie viele Russen in Bremen zuhause sind

Laut Statistischem Landesamt Bremen lebten 2016 rund 15.000 "Russlanddeutsche" in Bremen. Sie stammen aus der ehemaligen Sowjetunion oder einem der 15 Nachfolgestaaten. Für Bremerhaven liegen keine Zahlen vor. Laut Frieda Banik, Vorsitzende der "Landsmannschaft der Deutschen aus Russland", haben sich in Bremen, in Tenever und Burgdamm sowie in Bremerhaven in Leerheide die größten Gemeinden von Russlanddeutschen angesiedelt.

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7 Was Knoops Park mit dem russischen Adel zu tun hat

Die 65 Hektar große Parkanlage in Burglesum ist nach ihrem ehemaligen Besitzer Ludwig Knoop benannt. Den Bremer Kaufmann zog es Mitte des 19. Jahrhunderts ins russische Zarenreich. Dort gründete er zahlreiche Unternehmen. Seine Textilfabrik auf der Insel Kränholm war eine der größten in Europa. Der russische Zar verlieh ihm anlässlich des 25-jährigen Geschäftsjubiläums die russische Staatsangehörigkeit und den Adelstitel eines Barons.

8 An welchen Bremer Schulen Russisch auf dem Lehrplan steht

In Bremen gibt es neben privaten Angeboten auch öffentliche Einrichtungen, um die russische Sprache zu lernen. Die Volkshochschule bietet ab kommende September neue Sprachkurse, Wochenendseminare und Bildungszeiten für Anfänger bis Fortgeschrittene an. Das Russisch-Angebot des Fremdsprachenzentrums Bremen richtet sich speziell an Studierende der Hochschulen und Universität. Auch an 15 Bremer Schulen wird Russisch als zweite Fremdsprache angeboten.

Woab KlasseHInweise
Schule an der Paul-Singer-Straße2Schulübergreifend
Gymnasium Obervieland6
Gymnasium Links der Weser6
Oberschule an der Koblenzer Straße6Schulübergreifend
Oberschule an der Lerchenstraße6
Oberschule Roter Sand6
Integrierte Stadtteilschule Obervieland6
Roland zu Bremen Oberschule6als AG
Albert-Einstein-Oberschule6
Oberschule Lesum6als AG
Oberschule an der Hermannsburg6
Wilhelm-Olbers-Oberschule7
Gymnasium ObervielandESchulübergreifend
Oberschule an der LerchenstraßeE
Schulzentrum des Sekundarbereichs II an der BördestraßeESchulübergreifend

9 Wie Bremen mit russischen Zwangsarbeitern umging

Von 1941 bis 1945 waren sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert in sogenannten "Russenlagern". Sie waren über das ganze Stadtgebiet verteilt. Die Kulturhistorikerin Petra Redert schätzt, dass es rund 2.000 sowjetische Zwangsarbeiter in Bremen gab. Die Sterblichkeitsrate unter ihnen sei besonders hoch gewesen, da sie geringere Verpflegungsrationen bekamen. Sie verrichteten Zwangsarbeit für die Stadt Bremen beim Bau von Luftschutzbunkern, auf der Müllkippe in der Duckwitzstraße oder in Rüstungsbetrieben. Erst 70 Jahre nach Kriegsende beschloss der Bundestag, ehemalige sowjetische Kriegsgefangene für ihre Zwangsarbeit mit einem symbolischen Geldbetrag zu entschädigen.

  • Sebastian Heidelberger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. Juni 2018, 23:20 Uhr