Tödliches Herpes-Virus bereitet Reitern große Sorgen

Zwei Sportpferde aus dem Bremer Umland sind bei einem Turnier in Valencia bereits am Virus gestorben. Ein Tierarzt warnt vor der "aggressivsten Form seit Jahrzehnten".

Video vom 3. März 2021
Eine Tierärztin nimmt einen Abstrich bei einem Pferd.
Bild: Imago | Belga

Der Schreck steckt Alexa Stais noch tief in den Knochen. Seit Freitag ist die Springreiterin zurück aus Valencia. Und was sie dort erlebt hat, sei eine "ganz schlimme Situation" gewesen, erzählt sie im Gespräch mit dem Sportblitz. Bei einem letztlich abgebrochenen Turnier der CES-Tour in Andalusien ist eine besonders tödliche Version des für Pferde ohnehin sehr gefährlichen Herpes-Virus ausgebrochen. Vier deutsche Sportpferde sind in Valencia bereits an diesem verendet. Zwei davon aus dem Stall von Hilmar Meyer aus Thedinghausen bei Achim, für den auch Stais vor Ort war.

Zu Beginn, so Stais, habe in Valencia dabei keiner gewusst, dass das Virus grasiert. Viele Pferde seien allerdings gleichzeitig krank gewesen und hätten Fieber entwickelt. Per Test konnte dann das Herpes-Virus nachgewiesen werden. Mit Meyer, der weiterhin in Valencia ist, steht sie ständig in Kontakt. Mittlerweile, nach rund zehn Tagen, seien dort immerhin die kranken von den gesunden Pferden getrennt worden. "Die Organisation war nicht so gut", kritisiert sie. Als "überfordert" bezeichnet Meyer den Veranstalter. Vor Ort habe man jetzt Stallzelte aufgebaut, um die Pferde zu schützen. Alles soll getan werden, damit möglichst viele der rund 500 Pferde, die nach Valencia gekommen waren, überleben. Auch Meyer muss weiterhin bangen. Drei Tiere befinden sich aktuell in der Tierklinik. Bei einem sei die Lage "kritisch", berichtet er.

Video vom 3. März 2021
Die Reiterin Alexa Stais im Porträt.
Bild: Radio Bremen

Deutlich erhöhte Mortalitätsrate

Tierarzt Gerd Brunken, der sich auf Pferde spezialisiert hat, sieht die Entwicklung sehr kritisch. "Das ist die aggressivste Form, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben", sagt er dem Sportblitz. Normalerweise hätte das Herpes-Virus eine Mortalitätsrate von einem bis zwei Prozent, bei diesem Untertyp des ersten der vier Herpes-Typen (EHV-1) scheine sie allerdings zwischen sechs und zehn Prozent zu liegen. Er befürchtet daher, dass letztlich 40 bis 50 Pferde allein durch den Ausbruch in Valencia sterben. Zugleich greife das Virus auch die Nervenzellen an. Diese könnten bei überlebenden Pferden absterben und würden somit zu Bewegungsstörungen führen.

Hilmar Meyer sitzt auf dem Springpferd "Salto de Fee".
Hilmar Meyer kümmert sich vor Ort in Valencia um seine Pferde. Bild: Imago | Stefan Lafrentz

Parallel zum Verlauf der Corona-Pandemie ist laut Brunken ein großes Problem, dass das Virus aus Spanien heraus europaweit in die Ställe getragen werde. Schließlich haben viele Protagonisten Valenica nach dem Ausbruch abrupt verlassen – und das Virus somit transportiert. Übertragen werden kann dieses über andere Pferde, den Menschen oder mit Viruslast kontaminierte Materialien. Allerdings nicht durch andere Tiere wie Mäuse oder Fliegen.

Video vom 3. März 2021
Der Tierarzt Gerd Brunken schaut in die Kamera.
Bild: Radio Bremen

Bremer Pferdesportverband sorgt sich um den Nachwuchs

Langzeitfolgen bei erkrankten Pferden fürchtet auch Meyer. Einige Pferde würden aktuell neurologische Ausfallerscheinungen aufweisen, obwohl kein Fieber mehr bei ihnen nachweisbar sei, berichtet er aus Valencia. Bei Sportpferden würden bleibende Schäden natürlich auch zu einem erheblichen Wertverlust führen. Zumal diese dann nicht mehr für den Leistungssport genutzt werden können. Darüber möchte Stais aber nicht nachdenken. "Hauptsache, sie überleben und können bald wieder auf die Weide."

Derweil "erschocken" über den Virus-Ausbruch zeigt sich Walter Kind, der 1. Vorsitzende des Bremer Pferdesportverbands. Zumal noch nicht geklärt ist, wer der "Patient null" war. Um eine Verbreitung des Virus bestmöglich einzudämmen, haben sämtliche Landesverbände am Dienstag beschlossen, alle geplanten Turniere abzusagen. Nach Möglichkeit sollen zudem alle Pferdebewegungen eingeschränkt werden. Mit Blick auf die Jugend befürchtet er, dass dem Pferdesport im Rahmen der Corona-Pandemie und durch die Folgen des Herpes-Virus eine gesamte Generation verloren geht.

Auch mit Auswirkungen auf die Olympischen Spiele im Sommer rechnet Kind. Wie rasch sich das Herpes-Virus ausbreitet, zeigt dabei die erste Etappe der Global Champions Tour in Doha. Zwei Pferde des deutschen Springreiters Sven Schlüsselburg sind dort mittlerweile positiv getestet worden.

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Autoren

  • Dino Bernabeo Redakteur und Autor
  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. März 2021, 18:06 Uhr