Impfpflicht gegen das Herpes-Virus bei Pferden sorgt für Diskussionen

Acht deutsche Pferde sind bisher am Virus verstorben. Auch ohne Impfpflicht rät ein Tierarzt aus dem Bremer Umland zur Impfung – obwohl sie nicht jede Infektion verhindert.

Ein Pferd steht im Stall. Der Kopf schaut dabei über die Balustrade.
Bereits acht aus Deutschland stammende Pferde sind nach dem Ausbruch in Valencia am Herpes-Virus verstorben oder mussten eingeschläfert werden. Bild: Imago | Addictive Stock

Das Pferde-Herpes-Virus sorgt im Reitsport weiterhin für besorgte Mienen. Nach dem Ausbruch in Valencia sind mittlerweile acht aus Deutschland stammende Pferde verstorben. Einige von ihnen mussten eingeschläfert werden. Zunächst hatte der Weltverband FEI als Folge auf den Ausbruch alle Turniere in Deutschland und neun weiteren Ländern bis zum 28. März abgesagt. Dieser Zeitraum ist inzwischen bis auf den 11. April ausgeweitet worden. Fraglich erscheint derzeit auch, ob bei den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer Reitturniere ausgetragen werden können.

Für Diskussionen sorgt dabei aktuell auch eine Impfpflicht. Eine solche hatte Anfang März bereits der Dachverband Deutscher Galopp erlassen. Walter Kind, Vorsitzender des Bremer Pferdesportverbandes, hatte sich zuletzt im Interview mit buten un binnen gewünscht, dass auch die FN (die Deutsche Reiterliche Vereinigung, Anm. d. Red.) eine solche beschließen möge.

Dies ist allerdings weiterhin nicht der Fall. In der vergangenen Woche verkündete die FN in einer Mitteilung, dass einige Argumente für, aber auch einige Argumente gegen eine Impfpflicht sprächen. "Ad hoc" wolle man aber keine Herpes-Impfpflicht für die im April geplanten Turniere einführen. Dafür sei die Vorlaufzeit mit Blick auf die Dauer der Grundimmunisierung und die Knappheit des Impfstoffes zu kurz.

Tierarzt aus Ottersberg befürwortet Impfpflicht

Klarer Verfechter einer Impfpflicht gegen das Herpes-Virus ist der auf Pferde spezialisierte Tierarzt Dr. Conrad Christoffers aus Ottersberg. "Impfungen sind immer sinnvoll, können allerdings nicht immer eine Herpes-Infektion verhindern" stellt er im Gespräch mit buten un binnen klar. Auch geimpfte Pferde sind also nicht vollauf vor dem Herpes-Virus geschützt. Wie Christoffers betont, würden diese allerdings seltener und mit weniger klinischen Symptonen erkranken. Zugleich schieden sie weniger Viruslast aus – und könnten in der Folge weniger Tiere anstecken.

Eine Falschinformation ist es laut Christoffers zudem, dass die Impfung bei der neurologischen Variante des Herpes-Virus nicht wirken würde. "Das wird pauschal gesagt, stimmt aber definitiv nicht." Seiner Auffassung nach müsste die Öffentlichkeit durch Studienergebnisse noch besser über die Wirksamkeit der Impfungen aufgeklärt werden.

Bezüglich des Impfstoffes ist dabei zwischen Lebendimpfstoff und Todimpfstoff zu unterscheiden. "Beim Todimpfstoff werden lediglich Viruspartikel verwendet. Diese infizieren das Pferd nicht, schaffen aber eine immune Reaktion, die das Pferd gegen das Herpes-Virus rüsten", erklärt Christoffers. Bei Lebendimpfstoff hingegen käme es häufiger zu Impfreaktionen. Ohnehin sei dies bei der Impfung gegen das Herpes-Virus häufiger der Fall als bei einer Impfung gegen Tetanus oder die Influenza. Allerdings käme es auch bei einer Impfung gegen das Herpes-Virus nur in einem oder zwei von 100 Fällen zu Impfreaktionen.

Kostenfrage sollte nicht ausschlaggebend sein

Als Argument gegen eine Impfung werden derweil die wiederkehrenden Kosten angeführt. Schließlich muss eine Impfung gegen das Herpes-Virus nach der Grundimmunisierung zweimal im Jahr aufgefrischt werden. Dass Pferde beim Turnier in Valencia nicht geimpft gewesen seien, kann Christoffers nicht nachvollziehen. "Das sind Pferde, die mehrere hunderttausend Euro kosten. Und eine Impfung kostet netto 54 Euro und muss zweimal im Jahr vollzogen werden." Ein gewisses Verständnis zeigt er dafür, dass die Kosten bei Züchtern für Bauchschmerzen sorgen. Dennoch sollte der finanzielle Aufwand auch sie nicht von einer Impfung abhalten.

Hier ist es wie beim Auto. Die Anschaffung ist das eine, die Unterhaltung das andere. Mit Blick auf die Sorgfaltspflicht für das Pferd sollte vorher überlegt werden, ob man sich dies leisten kann oder nicht.

Tierarzt Dr. Conrad Christoffers

Herpes bei Pferden: "Wird wie bei Corona durch Reisen weiter getragen"

Video vom 3. März 2021
Der Tierarzt Gerd Brunken schaut in die Kamera.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. März 2021, 18:06 Uhr