Interview

Bremens Reitsport-Chef beklagt Impfstoff-Engpass gegen Herpes-Virus

Walter Kind vom Bremer Pferdesportverband macht sich mit Blick auf die Impfstoff-Kapazitäten Sorgen. Einige Pferdebesitzer hätten zuvor auf "low budget" gesetzt.

Ein knappes Dutzend Pferde steht in einem Stall.
Das Pferde-Herpes-Virus versetzt den Reitsport in Sorge. Bild: Imago | Frank Sorge

Nach dem Ausbruch des Pferde-Herpes-Virus bei einem Turnier in Valencia hat der Dachverband Deutscher Galopp eine Impfpflicht für alle Turnierpferde erlassen. Wie der Bremer Pferdesportverband diese Entscheidung bewertet und welche Probleme es aktuell gibt, erzählt der 1. Vorsitzende Walter Kind im Interview.

Herr Kind, der Dachverband Deutscher Galopp hat als Reaktion auf den Ausbruch des Pferde-Herpes-Virus in Valencia eine Impfpflicht für alle Turnierpferde eingeführt. Wie haben Sie diese Entscheidung aufgenommen?
Für uns war selbstverständlich, dass diese Impfpflicht jetzt endlich kommt. Wir würden uns wünschen, dass auch die FN (internationale Abkürzung für die "Deutsche Reiterliche Vereinigung", Anm. d. Red.) eine Impfpflicht erlässt. Bisher war dies ein "Kann"-Beschluss. Die Pferde sollten geimpft sein, aber keiner sollte damit unter Druck gesetzt werden. Letzten Endes ist es aber so, dass dieses Virus gravierend ist. Zum Glück hat die Regierung das Herpes-Virus nicht als meldepflichtige Seuche anerkannt. Ansonsten müsste, wie bei der Vogelgrippe, der gesamte Bestand gekeult werden.
Walter Kind schaut während des Interviews auf einem Hof in die Kamera. Links von ihm ist der Stall.
Walter Kind ist der 1. Vorsitzende des Bremer Pferdesportverbandes. Bild: Radio Bremen
Es sollten also nicht lediglich Turnierpferde geimpft werden?
Nein, ich plädiere dafür, den gesamten Bestand zu impfen. Auch Schulpferde und Ponys. Alle sollten diese Impfung erhalten.
Sieht das der Großteil der Reiterinnen und Reiter auch so?
Finanzielle Kosten werden immer gerne vorgeschoben. Im Augenblick wird es sicherlich am Impfstoff scheitern. Da gibt es bei Corona ja ähnliche Probleme. Diejenigen, die die Impfung immer vernachlässigt und auf "low budget" gesetzt haben, sind jetzt aufgeschreckt und fangen mit dem Impfen an. Dadurch gibt es einen Engpass.
Ab wann rechnen Sie mit einer Entspannung der Situation?
Es muss auf jeden Fall mehr Impfstoff her, weil die Bestände alle sechs Monate erneut geimpft werden müssen. Wenn jetzt für alle, die bisher immer geimpft haben, kein Impfstoff mehr vorhanden ist, ist das eine Katastrophe. Diese Situation kann sich bis Ende Sommer strecken. Das wäre schlimm, weil dann auch die Erstimmunisierung erneut durchgeführt werden müsste. Und dadurch würde noch mehr Impfstoff benötigt werden.
Ab wann hoffen Sie auf einen Re-Start des Turnierbetriebs?
In nächster Zeit wird es sicherlich keine Turniere geben. Alle Landesverbände haben beschlossen, im März sämtliche Pferdebewegungen bestmöglich einzuschränken. Ich denke aber, dass dies nicht ausreicht und der April hinzukommen wird. Und dann hoffen wir erstmal, dass bis dahin nichts Böses passiert ist.

Hochgefährliches Pferde-Herpes versetzt Reitsport in Angst

Video vom 3. März 2021
Eine Tierärztin nimmt einen Abstrich bei einem Pferd.
Bild: Imago | Belga
Bild: Imago | Belga

Mehr zum Thema:

Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. März 2021, 18:06 Uhr