Neues Pferd und Pandemie: Auffarth hofft trotzdem auf Olympia-Medaille

Video vom 8. Juli 2021
Reiterin Sandra Auffarth vor der Abreise zu den Spielen in Tokio im Stall bei ihrem Pferd.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Für Sandra Auffarth sind es ihre dritten Spiele, aber diese in Tokio werden anders. Pandemie, Quarantäne, Ungewissheit und dazu reitet sie erstmals mit "Mat".

In zwei Wochen starten die Olympischen Spiele in Tokio. Und es gibt nicht viele Sportlerinnen mit einer Verbindung nach Bremen und umzu, die nach Japan reisen. Sandra Auffarth ist dabei auch noch die einzige, die ihren Lebensmittelpunkt in dieser Region hat. Sie lebt in Bergedorf bei Ganderkesee.

Die Vielseitigkeitsreiterin ist erst 34 Jahre alt, bereitet sich aber schon auf ihre dritten Spiele vor. Derzeit absolviert sie die letzten Ritte auf dem heimischen Hof, am Sonnabend geht es los. Zunächst nach Warendorf zum Bundesstützpunkt in Quarantäne, eine Woche später fliegt Auffarth nach Tokio – und wieder Quarantäne.

Ich denke, das werden jetzt deutlich andere Spiele als die ersten zwei. Trotzdem ist die Bedeutung natürlich dieselbe. Und ich freue mich riesig, dass ich es wieder geschafft habe, im Team zu sein.

Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth im Sportblitz

"Mat" besteht Feuertaufe bei der DM

Die Spiele sind geprägt von der Pandemie, sie finden ohne Zuschauer in Tokio statt. Wie das sein wird, weiß Auffarth nicht. Genauso wenig, wie es ihrem Wallach "Viamant Du Matz", genannt "Mat", ergehen wird. Ausfallen darf der Zwölfjährige nicht, denn Ersatz-Pferd "Let's Dance" ist verletzt.

Seine Feuertaufe hat "Mat" vor drei Wochen bei den Deutschen Meisterschaften bestanden. Bei tropischer Hitze schoben sich Auffarth und der Wallach im Gelände auf Platz zwei vor, nach Platz sechs in der Dressur. Sie verteidigten den Silber-Rang schließlich im Springen und machten die Olympia-Generalprobe damit perfekt.

Es ist natürlich eine ganz neue Herausforderung mit einem neuen Pferd. Und das Pferd war zu Anfang auch nicht ganz so einfach. Ich reite ihn, seitdem er vier Jahre alt ist, habe ihn selbst ausgebildet. Wenn mir damals einer gesagt hätte: 'Mit dem fährst du mal zu den Olympischen Spielen', hätte ich gesagt: 'Im Leben nicht.'

Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth im Sportblitz

"Dürfen vom Land leider gar nichts erleben"

Auffarths einstiges Erfolgspferd genießt inzwischen die Rente, "Opgun Louvo", genannt "Wolle", schaut ihr nur noch von der Weide beim Training zu. 2012 ritt sie mit "Wolle" bei den Olympischen Spielen in London zu Einzel-Bronze, gewann mit dem Team sogar Gold. Vier Jahre später in Rio de Janeiro komplettiert sie ihren Medaillensatz mit Mannschafts-Silber. Das Ziel auch dieses Mal Edelmetall im Einzel oder im Team, der olympischen Glanz wird aber fehlen.

Ich glaube, es wird schon sehr anders werden. London war sehr besonders. Nicht weit weg und viele Leute von Zuhause waren dort. Da konnte man sich außerhalb des Wettkampfes treffen und etwas unternehmen. Das war super-schön. Aber jetzt ist das überhaupt nicht möglich.

Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth im Sportblitz

Auch Mutter Bärbel kann nicht helfen, muss zu Hause bleiben. Niemand da, mit dem man sich die lange Zeit vor und zwischen den Wettkämpfen vertreiben und sich von der Aufregung ablenken kann. "Wir dürfen leider gar nichts von dem Land erleben, etwas unternehmen", bedauert Auffarth, "das ist sonst immer das Highlight und hat es ausgemacht. Das ist super-schade." Vieles wird anders sein in Tokio, aber sie bleibt sie selbst: bodenständig, pragmatisch, nervenstark – gute Voraussetzung dafür, dass sie bald ein zweites Gold-Pferd im Stall stehen hat.

Auffarth wird Zweite bei Vielseitigkeits-DM und bucht Olympia-Ticket

Video vom 20. Juni 2021
Vielseitigkeitsreitern Sandra Auffarth lächeln nach ihrem Ritt.
Bild: Imago | Stefan Lafrentz
Bild: Imago | Stefan Lafrentz

Autor

  • Yannick Lowin Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Juli 2021, 18:06 Uhr