Regionalliga vor Abbruch: Was bedeutet das für die Bremer Vereine?

Der FC Oberneuland und Werders U23 befürworten ein vorzeitiges Ende der Viertliga-Spielzeit. Für Atlas Delmenhorst könnte das im Worst Case den Abstieg bedeuten.

Video vom 13. April 2021
Mehrere Spieler von Werder Bremen und Atlas Delmenhorst kämpfen um den Ball.
Bild: Oliver Baumgart
Bild: Oliver Baumgart

Die Saison in der Regionalliga-Nord steht vor dem Abbruch. Und das, obwohl nur rund ein Drittel der festgelegten Partien absolviert sind. In der vergangenen Woche haben sich jedoch die Vereine wegen der aktuellen Corona-Situation mehrheitlich für ein vorzeitiges Ende der aktuellen Spielzeit ausgesprochen. Wie der zuständige Niedersächsische Fußballverband (NFV) entscheidet, ist jedoch noch unklar. "Ich gehe aber davon aus, dass wir in den nächsten zwei, bis drei Wochen zu einer Entscheidung kommen", sagt Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbands, im Gespräch mit dem Sportblitz.

Wir haben mit den drei Klubs gesprochen, die Bremen und die Region in der Nord-Süd-Staffel der Regionalliga vertreten, und sie gefragt, wie sie zur Abbruchsfrage stehen – und was sie von möglichen Absteigern und Oberliga-Aufsteigern halten.

1 FC Oberneuland

Trainer Kristian Arambasic vom FC Oberneuland auf dem Trainingsplatz.
Freut sich, dass sein Team den sportlichen Nicht-Abstieg geschafft hat: FCO-Trainer Kristian Arambasic. Bild: Radio Bremen

Beim FC Oberneuland war man lange Zeit davon ausgegangen, die Saison irgendwann fortsetzen zu können. Wochenlang arbeitete sich das Team akribisch auf den Re-Start vor. "Aber in den letzten zwei Wochen haben wir gemerkt, dass das wahrscheinlich nicht mehr umsetzbar ist", sagt FCO-Coach Kristian Arambasic. Der Klub habe daher für ein vorzeitiges Ende der Saison gestimmt. Allein schon, weil die Spieler des Aufsteigers keine Profis sind.

Die Jungs arbeiten, die müssen in den Job. Wenn sie in Quarantäne müssten, hätten wir ein Problem.

FCO-Trainer Kristian Arambasic im Gespräch mit dem Sportblitz

Die Frage, ob es Absteiger und Aufsteiger geben sollte, sei "schwierig" zu beantworten, so Arambasic: "Eigentlich hat keiner verdient ab- oder aufzusteigen, weil nicht mal jeder gegen jeden gespielt hat." Froh ist der FCO-Coach, dass sein Team, das als Außenseiter in die Saison gestartet ist, dank des siebten Tabellenplatzes überm Strich liegt. "Wir haben uns sportlich qualifiziert, darauf sind wir sehr stolz", so der Bremer.

2 Werder Bremen U23

Werder-U23-Verantwortlicher Björn Schierenbeck schaut nachdenklich.
Björn Schierenbeck, Direktor des Werder-Nachwuchsleistungszentrums, hofft auf Testspiele für die grün-weiße U23-Auswahl. Bild: Radio Bremen

Bei der Reservemannschaft von Bundesligist Werder Bremen ist man wiederum der Ansicht, dass es keinerleib Ab- und Aufsteiger geben sollte. "Nach so wenigen Spielen das Aufstiegsrecht abzuleiten, sehen wir kritisch", sagt Björn Schierenbeck, Direktor des Werder-Nachwuchsleistungszentrums. Auch aus dem Grund, dass die Liga, die in zwei Staffeln mit jeweils elf Teams aufgeteilt ist, ohnehin schon groß genug sei. Auch für die Bremer war klar, dass ein Saisonabbruch unausweichlich ist. "Manche Vereine durften fast durchgängig trainieren, andere nicht. Somit wäre es kein fairer Wettbewerb gewesen", sagt Schierenbeck. Ebenso sei es für die Gesundheit der Spieler nicht ratsam gewesen, hätte man die Saison "durchgepeitscht". Um seinen Spielern trotzdem einen vernünftigen Abschluss der Spielzeit zu ermöglichen, möchte Werders U23 nun mehrere Testspiele durchführen. "Wir haben diverse Anfragen vorliegen", so Schierenbeck.

3 Atlas Delmenhorst

Für Atlas Delmenhorst stand ebenfalls nicht zur Debatte, ob die Saison noch fortgesetzt werden sollte. "Die Terminhatz wäre einfach enorm gewesen", sagt Atlas-Trainer Key Riebau auf Nachfrage von buten un binnen. "Den Spielplan hätten wir gar nicht mehr komplett durchbekommen können."

Das Logo des SV Atlas Delmenhorst an einer Trainingsjacke.
Atlas Delmenhorst hofft, trotz des letzten Tabellenplatzes weiter in der Regionalliga zu bleiben. Bild: Radio Bremen

Offen ist hingegen die Frage, ob die Niedersachsen auch in der kommenden Saison in der vierten Liga an den Start gehen. Der Aufsteiger holte aus sieben Spielen nur zwei Zähler und ist somit Tabellenletzter. "Wenn es nach Fairness und dem Wettbewerbsgedanken geht, dürfen wir nicht absteigen. Das wäre unfair", betont Riebau. Schließlich hätten sieben absolvierte Partien zu wenig Aussagekraft. Allerdings kann Riebau auch die Teams verstehen, die der Ansicht sind, der Verein habe den Abstieg verdient.

Allerdings hätten die Delmenhorster viel auf sich genommen, um überhaupt in der Regionalliga antreten zu können. So habe der Klub viel Geld in die Hand genommen und etwa ins Stadion gesteckt, um die Auflagen zu erfüllen. Zudem habe man den Kader verstärkt, um den sportlichen Klassenerhalt zu schaffen. "Mit solchen Investionen als Aufsteiger gleich wieder runterzugehen, wäre nicht gerechtfertigt", so Riebau.

Brinkumer SV ist Bremer Aufstiegskandidat

Sollte der NFV sich tatsächlich dazu entschließen, Aufsteiger aus der Oberliga zuzulassen, hätte der Brinkumer SV allen Grund zur Freude. Denn der Verein ist aktuell Tabellenführer der Bremen-Liga – dank eines einzigen mehr erzielten Tores. Daher sind die Brinkumer "der Bremer Aufstiegskandidat zur Regionalliga", wie der Bremer Fußballverband am Dienstag mitteilte. Der Verein hat seine Bereitschaft, kommende Saison in der vierten Liga aufzulaufen, auf Sportblitz-Nachfrage bereits bestätigt.

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Video vom 9. März 2021
Der Trainer des Bts Neustadt Matthias Schwan guckt auf die Weser.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Janna Betten Redakteurin und Autorin
  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 13. April 2021, 18:06 Uhr