Interview

Warum Radsport bei Bremer Jugendlichen wieder in ist

Insbesondere Jugendliche schwingen sich laut Radrenngemeinschaft Bremen wieder mehr auf das Rad. Einer der Vorsitzenden sieht vor allem einen Grund: die Medien.

Radsportprofi Lennard Kämna bei der Tour de France.
Der Bremer Lennard Kämna fährt inzwischen bei der Tour de France – und ist in seiner Heimat Vorbild für viele Nachwuchs-Fahrer. Bild: Imago | PhotoNews Panoramic

Mehr als 141.000 Menschen sind in ganz Deutschland in Radrenn-Vereinen angemeldet – Tendenz steigend. "Trotz der Krise mit den Doping-Skandalen 2016 sind wir kontinuierlich gewachsen", sagt die Sprecherin des Bunds Deutscher Radfahrer, Christina Kapp. "Das kommt daher, dass wir alle Sparten anbieten. Also nicht nur Leistungs-Radsport, sondern auch zum Beispiel Hobbyfahrten oder BMX", erklärt sie.

Auch die 18 Bremer Vereine bieten von Leistungssport über Kunstradfahren bis Breitensport alles an. Etwa 630 Sportler sind angemeldet, rund 100 von ihnen in der Radrenngemeinschaft Bremen (RRG). Ihr zweiter Vorsitzender ist Hans-Joachim Wiese. buten un binnen hat mit ihm über die Begeisterung für Radsport gesprochen – und warum viele sie gerade wiederentdecken.

Herr Wiese, wie hat sich denn ihrem Eindruck nach das Interesse entwickelt? Ist es auch in Bremen gestiegen?
Ja. Wir merken das zum Beispiel ganz stark an den Jugendlichen. Wir hatten die ganzen Jahre immer zwei bis fünf Jugendfahrer. Und im Moment liegen wir bei 15 bis 20. Der Nachwuchs ist so stark, dass wir teilweise mit den Trainern gar nicht mehr nachkommen und zu wenige Trainer haben. Und dann sind auch die Eltern involviert, dann kommen die Nachbarn und Bekannte, und so wird das mehr und mehr. Das ist wie ein kleines Schwungrad, das sich aufschaukelt. Unsere gesamten Mitgliederzahlen stagnieren dabei zwar eher. Das liegt aber auch daran, dass die guten Lizenzfahrer dann teilweise zu anderen Vereinen gehen, wo sie mehr gefördert werden. Wir machen ja hauptsächlich Jugendarbeit bei uns im Verein.
Woran liegt das, dass das Interesse gewachsen ist?
Das kommt natürlich auch dadurch, wie der Radsport im Moment angenommen wird. Jetzt wird er wieder im Fernsehen übertragen. Dann gucken die Jugendlichen natürlich auch Tour de France, da sind die Deutschen auch ganz gut vertreten. Und sowas pusht natürlich. Es gibt immer Hochs und Tiefs. Als Didi Thurau damals im Gelben Trikot gefahren ist in den 70er Jahren, da sind bei uns alle Leute in den Verein gekommen.
Was macht die Faszination am Radsport denn aus?
Was wir haben ist dieses Gemeinschaftsgefühl unter den Jugendlichen. Die Größeren helfen den Kleineren, das ist bei uns im Moment ganz groß. Da waren wir ganz erstaunt. Da wird dann auch mal auf die Schwächeren gewartet, es wird geholfen oder die sprechen untereinander. Das ist schon ganz schön.
Sind die meisten Radsportler bei Ihnen auch am Sport an sich und den Wettbewerben interessiert, also zum Beispiel an den Sixdays?
Die Jugendlichen von uns sind einfach noch zu klein dazu, die fahren noch nicht mit. Was gefahren wird, am Samstagnachmittag ist ja so ein Jugendtraining. Und da fahren fast alle von uns mit. Die anderen Tage kommen die aber auch zum Zugucken. Die deutschen Radfahrer sind die Vorbilder. Dieses Jahr kommt Nils Politt hierher, der ist bei Paris Roubaix Zweiter geworden. Das ist ein Mann bei dem die Jugendlichen sagen: Den will ich mal sehen.
Die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren aber schon leicht zurückgegangen ...
Ja. Die Sixdays sind zwar nicht mehr das, was sie einmal waren. Aber sie sind immer noch wichtig. In Bremen und Berlin gibt es sie noch, und die werden auch angenommen. Ich finde, wenn man selber Rad fährt, muss man das zumindest mal gesehen haben. Man muss ja nicht durch die Hallen gehen und Party machen, man kann ja auch den Sport gucken. In Berlin ist das zum Beispiel so, da sind die Hallen leer und alle gucken nur Radfahren. In Bremen ist eben Party und Sport zusammen. Das muss man dann vernünftig mischen, und das klappt auch.

Jugendliche zeigen keine Angst auf der steilen Sixdays-Bahn

Ein Kind auf einem Rennrad in der Rennbahn fahrend, begleitet von einem Trainer.

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Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 9. Januar 2020, 18:05 Uhr