Pro & Contra

Ist es richtig oder falsch, dass Kruse Bremen den Rücken kehrt?

Max Kruse geht. Diese Nachricht bedauern viele Werder-Fans. Ist sein Abgang nachvollziehbar? Darüber gehen die Meinungen auch in unserer Redaktion auseinander.

Max Kruse jubelt dem Publikum zu
Jetzt ist es offiziell: Max Kruses Tage an der Weser ist gezählt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

PRO

Kruse ist Werder nichts schuldig

Die Entscheidung ist gefallen: Max Kruse verlässt Werder nach dieser Saison – und das ist nachvollziehbar.

Er ist einer der besten Fußballer in Deutschland. Einer, der mit seinen Fähigkeiten zweifelsohne auf die internationale Bühne gehört. Kehrt Werder in den kommenden Jahren auf diese zurück? Das bleibt abzuwarten. Kruse kann allerdings nicht mehr warten. Er ist 31 Jahre alt, unterzeichnet in diesem Sommer seinen letzten großen Vertrag. Zwei, möglicherweise drei Jahre bleiben ihm noch, um auf dem allerhöchsten Leistungsniveau zu agieren. Verständlich, dass er sich in dieser Zeit mit den besten Spielern messen möchte.

Seinen Abgang derweil als mangelnde Dankbarkeit gegenüber Werder darzustellen, greift zu kurz. Richtig ist, dass Kruses Karriere vor dem Wechsel nach Bremen im Sommer 2016 am Scheideweg stand. Richtig ist aber auch, dass Werder ansonsten gar keine Chance gehabt hätte, einen Spieler seines Formats zu verpflichten. Kruse ist Werder also nichts schuldig. Zumal er sein gutes Gehalt mit hervorragenden Leistungen zurückgezahlt hat. Ohne ihn hätten die Bremer Hoffnungen auf Europa längst begraben werden müssen. Daher sollten die Werder-Fans ihn trotz des Abgangs in guter Erinnerung behalten. Pfiffe bei seiner Verabschiedung am Samstag im Weser-Stadion? Das hätte der Kapitän nicht verdient.

Auch der Zeitpunkt der Verkündigung ist in Ordnung. Werder wollte vor dem Saisonende Planungssicherheit. An dieses Zeitfenster hat Kruse sich gehalten.


CONTRA

Kruse verpokert sich

Irgendwie ist das alles murks. Erstmal der Zeitpunkt. Wer bitteschön kommt auf die Idee, diese Entscheidung einen Tag vor dem Saison-Finale bekannt zu geben, vor einem Spiel, in dem es für Werder noch um richtig viel geht? Ganz schlecht. Genauso schlecht wie die Trennung selbst.

Auch wenn ich jetzt fünf Euro ins Phrasenschwein werfen muss: Im Fußball gibt es keine Dankbarkeit. Braucht es in diesem Fall auch nicht. Natürlich hat Werder Kruse erst die Chance gegeben, seine sportliche und charakterliche Rehabilitation anzutreten. Aber Kruse hat geliefert. Mit Toren, Pässen und unbändigem Erfolgswillen, der die ganze Mannschaft motivierte. Werder und Kruse sind quitt. Punkt. Nur keine Sentimentalitäten.

Nein, ganz rational betrachtet, könnte Kruse sich verpokert haben. Denn er hat viel zu verlieren. Diese unglaublichen Fans muss er erst einmal woanders finden. In Bremen war er der Star. Ein solch tolerantes Management und Umfeld wie in Bremen ist keine Selbstverständlichkeit. Auch nicht ein Trainer, der Kruse zur Vertrauensperson machte und sein Spiel ganz auf ihn zuschnitt. Kruse hätte sich in Bremen sein Denkmal bauen sollen und mit mittlerweile 31 Jahren sicherlich an einer Zukunft im Verein auch abseits des Platzes basteln können. Nicht vergessen: Kruse ist ein Wohlfühl-Spieler und bei aller rationalen Poker-Haltung doch ein emotionaler Kopf. Das Gesamtpaket stimmte bei Werder – Gehaltspoker hin oder her. Etwas besseres als Bremen muss Kruse erst einmal finden.

So verabschiedet sich Kruse von den Werder-Fans

Max Kruse erklärt bei Facebook seinen Abschied.
Bild: Facebook/Max Kruse

Autoren

  • Karsten Lübben
  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Mai 2019, 19:30 Uhr