Warum ein morscher Torpfosten für Werder legendär wurde

Werder Bremen konnte die vor 50 Jahren überlegenen Gladbacher besiegen – weil das Tor zusammenbrach. Der kuriose Vorfall war das Ende für Holztore im Profi-Fußball.

Bild: Radio Bremen

Die Geschichte des modernen Fußballtors aus Aluminium beginnt an einem regnerischen Nachmittag in Mönchengladbach, am 3. April 1971. Im Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen steht es kurz vor Schluss 1:1. Die Gladbacher wollen unbedingt den Siegtreffer erzielen.

Herbert Laumen (Gladbach) liegt im Tornetz nachdem er den berühmten Gladbacher Pfostenbruch verursacht hat.
Der Gladbacher Herbert Laumen ist im Tornetz gefangen. Bild: DPA / Picture Alliance | Sven Simon

Drei Minuten vor Spielende gibt es dann noch einen Angriff durch den kräftigen Herbert Laumen. Aber statt des Balls, den der Bremer Keeper über den Pfosten lenkt, landet Laumen im Netz. Und mit ihm kippt das Tor einfach um, weil der zwölf mal zwölf Zentimeter dicke Holzpfosten direkt über der Grasnarbe bricht.

Auf den Rängen und auf dem Rasen herrscht Verwirrung. Vor allem der Bremer Torwart Günter Bernard wundert sich. Bisher hatte es mit Pfosten aus Holz keine Probleme gegeben.

Man hatte es ja gar nicht anders gekannt. Es ist ja auch Jahrzehnte nichts passiert. Und dass so ein Holz mal morsch wird, das kann passieren.

Günter Bernard, Torwart Werder Bremen

Doch das niederrheinische Regenwetter hatte dem Material schwer zugesetzt. Gladbachs Mittelfeldspieler Rainer Bonhof erinnert sich, dass sie keinen schnellen Ersatz finden konnten: "Die Dinger waren absolut vermodert. Und der gebrochene Pfosten konnte in der kurzen Zeit nicht erneuert werden."

Werder will die Partie zuende spielen

Werder-Spieler versuchen, das kaputte Tor wieder aufzurichten.
Nur die Bremer Spieler versuchen, das Tor wieder aufzurichten. Bild: Imago | Werek

Die Bremer wollen das Spiel unter allen Umständen fortsetzen. Für sie wäre ein Unentschieden ein Erfolg gegen die Startruppe um Günter Netzer. Es kommen die skurrilsten Vorschläge, wie etwa den Platzwart als Pfosten hinzustellen. Torwart Bernard kann sich noch gut an die verzweifelten Versuche erinnern, das Tor wieder aufzubauen. Beteiligt haben sich daran aber nur Werder-Spieler zusammen mit den Ordnern. Die Gladbacher Spieler halten sich da lieber raus, weil sie es für zwecklos halten.

Auch Herbert Laumen, der Mann, der das Tor versehentlich umgerissen hatte, hat am Wiederaufbau kein Interesse: "Wir waren natürlich mit dem Unentschieden nicht zufrieden. Wir wollten unbedingt den Sieg rausholen. Und hatten dann nach dem Pfostenbruch geglaubt, das Spiel würde wiederholt."

Halbherzige Reparaturversuche scheitern

Gladbachs Platzwart versucht sich noch an einem eher halbherzigen Reparaturversuch und holt aus den Katakomben Hammer, Nägel und ein Stück Holz, nur um wenig später festzustellen: Da könne er auch nichts machen.

Nach zwölf Minuten Wartezeit hat der Schiedsrichter genug und bricht das Spiel ab. Der Spielabbruch kommt den Gladbachern gerade recht. Sie hoffen auf ein Wiederholungsspiel – denn sie brauchen die Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Doch mit dieser Hoffnung ist die Borussia auf dem Holzweg.

Der Fall wird am grünen Tisch entschieden

Schiedsrichter Gert Meuser verhandelt mit Günter Netzer (links) und Vertretern von Werder Bremen
Günter Netzer (li., Borussia Mönchengladbach) und Schiedsrichter Gert Meuser bei der Verhandlung vor dem DFB-Bundesgericht in Düsseldorf Bild: Imago | Horstmüller

Eine Woche später kommt es zur Verhandlung vor dem DFB-Bundesgericht und das urteilt streng. Die Punkte gehen am grünen Tisch nach Bremen, weil den Gladbachern ein Tor fehlte. Die Richter sind der Auffassung, "dass ein Bundesligaverein bei der Beschädigung eines Fußballtores aufgrund seiner Pflichten als Platzverein stets in der Lage sein muss, einen plötzlichen Schaden zu beheben.“ Nachdem das Tor nicht wieder aufgerichtet werden konnte, wurde das Spiel abgebrochen und mit 2:0 für Bremen gewertet.

Trotz des Punktverlusts werden die Gladbacher am Ende der Saison 1970/71 Meister, knapp vor den Bayern. Die Holztore aber verschwinden endgültig aus der Bundesliga – nach dem kuriosen Pfostenbruch von Mönchengladbach, vor 50 Jahren.

So erinnert sich Werder-Torwart Bernard an den Pfostenbruch

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Ein Stück des 1976 geborstenen Pfostens als Ausstellungsstück im Bremer Focke-Museum (Archivbild)

3.4.1971: Ein legendärer Torpfostenbruch

Bild: DPA | Archiv

Autor

  • Steffen Hudemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Stichtag, 3. April 2021, 5:40 Uhr