Renntag findet statt — aber weiterhin Streit um Bremer Galopprennbahn

Video vom 8. Oktober 2021
Zwei Pferde und viele Zuschauer beim bisher letzten Rennen auf der Galopprennbahn 2018 sind zu sehen.
Am Karfreitag 2018 fand der bisher letzte Renntag auf der Galopprennbahn statt. Bild: Imago | Ingo Wächter
Bild: Imago | Ingo Wächter

Erstmals seit 2018 richtet der Bremer Rennverein am 13. November wieder einen Renntag aus. Eine Zukunft soll der Pferdesport auf dem Gelände aber weiterhin nicht haben.

Auf der Bremer Galopprennbahn geht es bald wieder los: Erstmals seit dem 30. März 2018 wird auf ihr am 13. November wieder ein Renntag ausgetragen. Dabei hatte der Bremer Senat im Juni eigentlich beschlossen, dass dort keine Pferderennen mehr stattfinden sollen. Doch der Bremer Rennverein stellte gegen diesen Entscheid Anfang August vor dem Verwaltungsgericht einen Eilantrag — und bekam recht. Eigentlich war der Renntag bereits für den 12. September terminiert, aus Zeitgründen musste er vom Rennverein jedoch nochmal um zwei Monate verschoben werden. Jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Ein Trecker fährt über die Galopprennbahn in Bremen.
Der Bremer Rennverein bringt aktuell die Galopprennbahn für den Renntag am 13. November in Schuss. Bild: Radio Bremen

Der Rasen muss gemäht und die Tribünen müssen gestrichen werden. Auch die Technik muss auf dem neuesten Stand gebracht werden. Jede Menge Arbeit fällt für den Rennverein an. Die Kosten muss der Verein laut Präsident Frank Lenk selbst tragen. Wie die Bremer Wirtschaftsförderung sich um das Gelände gekümmert hat, gefällt ihm überhaupt nicht. "Vor drei Wochen sah es hier noch schrecklich aus", sagt Lenk im Gespräch mit dem Sportblitz. Trotzdem nehme der Verein gern all diese Mühen auf sich, damit der Renntag gelingt.

Der Bremer Rennverein hofft auf Gespräche

Beim bisher letzten Renntag und dem damaligen Abschied vor rund dreieinhalb Jahren hatte Lenk Tränen in den Augen. "Und jetzt habe ich wieder Tränen in den Augen. Aber dieses Mal, weil ich mich einfach freue", erzählt er. Der Bremer Rennverein hätte es allerdings bevorzugt, für das Comeback des Renntages im Dialog mit der Wirtschaftsbehörde zu werben. Stattdessen musste am Ende der Rechtsweg bestritten werden.

Wir waren von unserem Vorgehen und unserer Einschätzungen überzeugt. Wir hätten das lieber in persönlichen Gesprächen mit allen Beteiligten geklärt. Das war leider nicht möglich. Diesen (rechtlichen, Anm. d. Red.) Schritt haben wir angekündigt. Wir würden auch in Zukunft mehr auf Gespräche setzen. Uns war es aber wichtig, unsere Einordnung und Einschätzung der Situation auch rechtlich überprüfen zu lassen.

Frank Lenk schaut freudig in die Kamera.
Frank Lenk, Präsident des Bremer Rennvereins

Welche Perspektive gibt es für die kommenden Jahre?

Lenk hofft, dass es auch nach dem 13. November noch weitere Renntage auf der Galopprennbahn geben wird. Zwei bis drei im Jahr sollten es bestenfalls sein. Also weniger als früher, als meist vier oder fünf Renntage im Jahr stattfanden. Wie es mit dem Gelände weitergeht, ist jedoch völlig öffen. Bei einem Volksentscheid wurde im Mai 2019 gegen eine Bebauung des Areals votiert. Aktuell läuft eine Phase der Zwischennutzung, für die die Wirtschaftsbehörde die Zwischenzeitzentrale mit ins Boot geholt hat. Doch irgendwann wird die Zeit der Zwischennutzung auf der Galopprennbahn enden — und für die langfristige Planung ist aktuell kein Platz für den Pferdesport eingeplant.

Für den nun durchgesetzten Renntag am 13. November wollte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) nach einer Besprechung im Senat keine Beschwerde einlegen, um einen langen Rechtsstreit zu vermeiden. Ob der Bremer Rennverein allerdings auch im kommenden Jahr seine gewünschten zwei Renntage durchführen kann, vermag Vogt aktuell nicht zu prognostizieren.

Es gibt überhaupt keine Planungssicherheit. Klar ist, dass es das Ziel ist, das Rennbahngelände vielen Leuten zur Verfügung zu stellen. Das beinhaltet auch den Innenraum. Der Renntag findet jetzt statt. Ob er im nächsten Jahr stattfindet, kann ich nicht beurteilen.

Zu sehen ist Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt.
Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) im Gespräch mit dem Sportblitz

Braucht der Pferdesport zu viel Platz?

Beim Renntag handelt es sich für Vogt um ein "partielles Interesse". Lenk hingegen wünscht sich, dass die "Klassenkampf-Rhetorik" aufhöre. Der Bremer Rennverein sei kein "elitäter Haufen". Er hofft, dass auch einige Politiker am 13. November zur Galopprennbahn kommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Seiner Auffassung nach sollte der Rennsport nicht nur ein Teil der Zwischennutzung, sondern auch der langfristigen Nutzung sein. Vogt bedauert derweil, dass der Volksentscheid vor rund zweieinhalb Jahren "auch durch den Support der CDU" verloren ging, sodass auf dem Gelände weder Wohnungsbau noch die Ansiedlung von Kleingewerbe realisiert werden konnte.

Falk Wagner ist zu sehen.
Falk Wagner, Sprecher der Baudeputation, teilt mit, dass die Nutzung der Galopprennbahn für Pferderennen zukünftig zu viel Platz in Anspruch nehmen würde. Bild: Radio Bremen

Wie das Gelände der Galopprennbahn langfristig genutzt werden soll, ist noch unklar. Die Liste mit potenziellen Möglichkeiten ist laut Falk Wagner (SPD), Sprecher der Bremer Baudeputation, "sehr, sehr lang". Zugleich sei aber auch geklärt worden, was nicht vorstellbar sei, da es nur sporadisch genutzt werden würde und zu viel Platz in Anspruch nehme. Neben Heißluftballon-Rennen betreffe dies eben auch die Pferderennen. Grund hierfür sei, dass der Verbleib des Geläufs das gesamte Gelände prägen würde und dies aufgrund der Nutzung an nur wenigen Tagen im Jahr nicht angemessen sei. Viele hätten sich dies letztlich nicht vorstellen können. Klar ist aktuell also nur , dass am 13. November einmal wieder ein Renntag stattfinden wird. Ob noch weitere hinzukommen und der Bremer Rennverein eine Zukunft auf dem Gelände besitzt, könnte nach jetzigem Stand aber wohl erneut die Gerichte beschäftigen.

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Autorinnen und Autoren

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor
  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Oktober 2021, 18:06 Uhr