Interview

Tischtennis-Ass Falck vor Olympia: "Chinesen werden es schwerer haben"

Video vom 14. Juli 2021
Perspektive von oben auf Tischtennisspieler Mattias Falck, der die Arme zur Aufschlagbewegung ausbreitet.
Bild: Imago | Eibner
Bild: Imago | Eibner

Werder-Profi Mattias Falck gehört zur Weltspitze und hofft in Tokio auf eine Medaille. Im Interview erzählt der Schwede, warum die Chancen besser denn je sein könnten.

Mattias Falck kennt Olympische Spiele, jene ohne Corona. 2016 war der inzwischen 29 Jahre alte Schwede in Rio de Janeiro im Teamwettbewerb dabei. Er hat eine fröhliche und bunte Eröffnungsparty miterlebt, das turbulente Leben im olympischen Dorf. Doch die Spiele in Tokio werden ganz anders.

Mit strengen Regeln, ohne Zuschauer und ohne großem Miteinander der vielen Athleten aus aller Welt. Doch dem Weltranglistenneunten kommt es eigentlich fast gelegen, dass es dieses Mal so wenig Ablenkungen gibt. Im Interview mit buten un binnen erzählt der Vizeweltmeister, der für Werder in der Bundesliga spielt, warum der Rest der Tischtennis-Welt in Tokio vielleicht eine seltene große Chance gegen die Übermacht aus China hat.

Mattias Falck reckt nach dem Sieg jubelnd die Faust empor.
Mattias Falck spielt seit zwei Jahren für Werder Bremen in der Bundesliga als Nummer eins. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Mattias Falck, Japan ist quasi ein Mutterland des Tischtennis und die Begeisterung wäre sicher groß gewesen – wie enttäuscht sind Sie, dass nun keine Zuschauer in Tokio zugelassen sind?
Ja, es ist schade und es wäre sicherlich eine tolle Atmosphäre für uns gewesen. Aber wir sind es ja inzwischen gewohnt, dass keine Zuschauer da sein können. Und ich bin froh, dass die Olympischen Spiele so zumindest stattfinden können.
Hatten Sie mal überlegt, nicht nach Tokio zu fahren?
Nein, für mich war das nie ein Thema. Ich habe mich immer mit dem Gedanken vorbereitet, dass ich fahre. Zweifeln geht vor so einem wichtigen Wettkampf nicht. Aber ich bin geimpft und versuche alle Hygienemaßnahmen einzuhalten. Wir leben ja wieder in einer "Bubble", bisher funktionierte es. Und in Tokio dürfen wir nur zwischen olympischem Dorf und Wettkampfstätte hin und her.
Wissen Sie schon, was im olympischen Dorf an Regeln auf Sie zukommt?
Noch nicht genau, das erfahren wir erst bei der Ankunft. Aber Maske tragen und Abstand halten ist klar, wir werden die meiste Zeit in unserem Apartment sein und nur zum Essen kurz runtergehen.
Werders Tischtennis-Profi Mattias Falck muss sich leicht verbiegen für seinen Rückhandschlag.
Für Falck und Werder war die vergangene Saison als Tabellensechster als Rückschlag nach den Playoffs im Jahr zuvor. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Der eigentliche Spaß im Dorf, die Begegnung mit anderen Athleten aus aller Welt, fällt dieses Mal dann weg...
Es wird sehr anders werden als normalerweise bei den Spielen, das Drumherum ist schon seltsam. Ich werde trotzdem versuchen, die Erfahrung zu genießen. Aber ich vergesse auch nicht, dass ich für den Wettkampf da bin und fokussiert bleiben muss. Das olympische Dorf ist sehr groß, überall ist was los, alle wollen Selfies mit den großen Stars machen. Aber das kann auch ablenken. Ich bleibe lieber in meiner "Bubble".
Werden Sie an der Eröffnungsfeier teilnehmen?
Nein, ich war bei den Spielen 2016 in Rio im Stadion dabei und das war ein tolles Erlebnis. Aber man muss wirklich stundenlang aufgereiht stehen. Ich glaube, es waren vier Stunden. Die eine Erfahrung ist genug, ich verfolge es dieses Mal im Fernsehen.
Sie sprachen Rio an, aber diese Spiele in Tokio sind Ihre ersten im Einzel-Wettbewerb. Das ist sicher besonders für Sie. Wie belastend war es, dass die Vorbereitung coronabedingt so schwierig war.
Damit mussten wir alle umgehen. Ich denke aber, dass ich gut vorbereitet bin. Die EM zuletzt war sehr wichtig für mich, viele Matches, auch schwierige, auf hohem Niveau zu spielen und vor allem wieder Matches im Best-of Seven-Modus, das hatten wir lange nicht. Beim Turnier in Katar in Frühjahr war es in den ersten Runden nur Best-of-Five. Die EM war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ich fühle mich jetzt jeden Tag besser.
Bei der EM hatten sie ein spektakuläres Halbfinal-Match gegen Timo Boll, das sie mit 2:4 verloren. Bedauern Sie etwas?
Nein, bedauern nicht. Ich hätte nur in einem der ersten beiden Sätze mehr Druck auf ihn ausüben müssen, die waren entscheidend für das Match. Aber Timo hat ein großartiges Turnier gespielt und er ist immer schwer zu schlagen. Ich hatte ihn fast, vielleicht das nächste Mal. Vielleicht in Tokio. Und ich bin sehr glücklich mit meiner Bronze-Medaille. Sie liegt neben meiner Silber-Medaille von der WM in der Schublade. Wenn ich noch mehr Medaillen gewinne, werde ich Zuhause einen schöneren Platz finden.
Medaillen sind das richtige Stichwort – ist für Sie im Einzel eine drin in Tokio?
Natürlich bin ich hier, um eine Medaille zu holen. Aber die Konkurrenz ist sehr hart. Jeder kann jeden an einem guten Tag schlagen. Vieles wird von der Tagesform abhängen. Auch mein eigenes schwedisches Team ist so stark wie vielleicht zuletzt vor zehn Jahren. Wir hoffen zusammen natürlich auf eine Team-Medaille, aber im Einzel bedeutet das eben sehr viele starke Gegner.
Der Chinese Fan Zhendong schaut beim Aufschlag konzentriert hoch auf den Ball.
Der Chinese Fan Zhendong führt die Tischtennis-Weltrangliste souverän an. Bild: DPA | Carmen Jaspersen
Die Chinesen sind immer die großen Favoriten, nun sind sie die großen Unbekannten. Coronabedingt durften sie seit März nicht reisen, keiner weiß, in welcher Form sie sind. Vor- oder Nachteil?
Fan Zhendong und Ma Long spielen auf einem anderen Level als der Rest. Aber ich denke, für die Chinesen ist es dieses Mal schwerer als für uns. Sie haben seit Monaten nicht gegen uns gespielt und nur miteinander trainiert. Hoffentlich ist das eine große Chance für uns und wir, also der Rest der Welt, kann sie schlagen.
Man sagt im Tischtennis immer "Asien gegen den Rest der Welt" und es klingt sehr unnahbar. Haben Sie eigentlich bei Turnieren zu den Spielern aus Asien Kontakt?
Die chinesischen Spieler öffnen sich inzwischen etwas mehr als früher. Aber es gibt kaum europäische Spieler, die die Chinesen wirklich näher kennen würden. Sie lernen jetzt etwas mehr Englisch, das hilft. Aber ich spreche eben auch kein Chinesisch.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Juli 2021, 18:06 Uhr