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Nouri: "Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen"

Nach dem ernüchternden Nordderby beim Hamburger SV erzählt Trainer Alexander Nouri im Sportblitz-Interview, wie er Werder das Toreschießen wieder beibringen will.

Herr Nouri, am Tag nach dem Nordderby: Welche Überschrift würden Sie dem Spiel geben?
Hart umkämpftes Derby mit vielen Zweikämpfen. Beide Mannschaften hätten das Spiel gewinnen können, so dass das Unentschieden unter dem Strich in Ordnung geht.
Welche Szene ist Ihnen besonders im Kopf geblieben?
Natürlich hätte ich gerne gesehen, dass Fin (Bartels, Anm. d. Red.) den Ball in der 73. Minute, in der wir das Spiel wieder kontrollierten, reinmacht.
Wie reagieren Sie auf Schlagzeilen wie "Leblos im Nordderby" oder "Unentschieden der schlechteren Sorte"?
Unsere Aufgabe ist es, das Spiel differenziert zu analysieren. Da fand ich, dass wir in der Anfangsviertelstunde gut im Spiel waren – da allein vier Eckbälle hatten, die wir effektiver nutzen können – und nach der Kopfballchance von Papadopoulos den Rhythmus verloren haben. Wir haben dann viele lange Bälle gespielt und die zweiten Bälle nicht gewonnen. Uns hat in der Phase, in der der HSV das Spiel bestimmte, die Staffelung gefehlt. Die letzte halbe Stunde hatten wir dann wieder mehr Kontrolle, haben uns einige gute Offensivaktionen herausgespielt.
Finden Sie die Berichterstattung momentan zu negativ, oder wie begegnen Sie jenen, die sagen, Sie würden zu positiv bewerten?
Wir müssen unsere Spiele grundlegend analysieren. Ich habe unter der Woche eine Statistik gelesen, nach der wir uns mehr Tormöglichkeiten erspielen als in der letzten Saison (11,8 Chancen pro Spiel, Anm. d. Red.). Am Ende muss man weiter an der Effektivität arbeiten, diese Chancen weiter kreieren und versuchen, daraus Tore zu erzielen. Es gilt, weiter dranzubleiben und weiter zu investieren.
Alexander Nouri Interviewsituation
Am Tag nach dem Nordderby nahm sich der Werder-Trainer Zeit für den Radio Bremen Sportblitz.
Würden Sie sagen, dass Sie momentan zu viel auf die Defensive achten?
Nein, wenn man sieht, dass wir in der zweiten Hälfte des Freiburg-Spiels acht klare Torchancen haben und da das Tor machen müssen. Das ist der Punkt, an dem wir weiter dranbleiben müssen. Ich glaube, dass wir einen guten Kader haben. Wir müssen nur weiter mit Überzeugung diesen Weg gehen, und dann werden wir zwangsläufig auch die Tore erzielen und die Punkte einfahren. Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen und müssen durch Abschlusssituationen im Training die Kaltschnäuzigkeit der letzten Saison zurückholen.
Aber wenn nicht gegen Gegner wie Freiburg, Wolfsburg oder Hamburg, die selber Probleme haben, gegen wen soll Werder dann gewinnen?
Ich fand die zweiten Hälften gegen Wolfsburg und Freiburg, in denen wir die Spiele für uns hätten entscheiden müssen, sprechen für unseren Weg. Ich bin überzeugt davon, dass wenn du diese Art und Weise weiter an den Tag legst, dass du die Erfolge dann auch erzwingen wirst. Dazu gehört natürlich, dass wir die Spieler auch psychologisch unterstützen.
Mit dem Weggang von Serge Gnabry, der Verletzung von Max Kruse und dem Formtief von Fin Bartels stellt sich die Frage, wie konkurrenzfähig Sie Werder einschätzen.
Das sieht man ja an den letzten Spielen, die wir hätten gewinnen können, einige sogar hätten gewinnen müssen – teilweise gegen Mannschaften, die ganz andere Möglichkeiten haben im Vergleich zu uns.

Wie geht es nach dem Unentschieden gegen den HSV weiter?

So wurde abgestimmt

  • Werder steht hinten sicher und vorne kommen die Tore im nächsten Heimspiel 23%.
  • Die Lage spitzt sich zu, Nouri muss endlich mutiger wechseln 49%.
  • Nach dem Derby-Remis muss Nouri gehen 28%.

Abgegebene Stimmen: 179

Das Ergebnis der Umfrage ist nicht repräsentativ

Markus Gisdol hat im Nordderby mit Ito und Arp zwei Youngstern sein Vertrauen geschenkt. Warum lassen Sie Johannes Eggestein noch nicht spielen?
Von Johannes sind wir alle überzeugt, seine Zeit wird definitiv kommen. Die Spielsituation muss seine Einwechslung hergeben. Gegen den HSV haben wir in der Schlussphase zum Beispiel einen schnellen Umschalt- und Konterspieler gebraucht, und da war Izet die passendere Einwechslung. Aber Johannes arbeitet an sich und wird seine Chance bekommen.
Wie brisant schätzen Sie denn derzeit die Lage nach sieben sieglosen Spielen für Werder ein?
Ich finde, dass wir defensiv unheimlich gut stehen. Das ist immer die Basis, um Spiele auch erfolgreich gestalten zu können. Die Organisation und Struktur des Teams ist gut in der Defensive, und in der Offensive schaffen wir uns Möglichkeiten, spielen sie aber nicht so klar und eiskalt zu Ende wie in der vergangenen Saison.
  • Janna Betten

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 1. Oktober 2017, 19:30 Uhr