Werder schottet sich ab – und sucht nach dem Funken

Video vom 17. September 2021
Vor dem Stadion Platz 11 haben Werder-Fans ein Transparent an die Wand geklebt mit der Spruch "Alles für den Derbysieg".
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Das Abschlusstraining fand am Freitag hinter verschlossenen Türen ohne Toprak statt – und ohne Fans. Doch deren Gunst will Werder mit feuriger Leistung zurückgewinnen.

Viel los war nicht rund um das Weser-Stadion, als sich die Werder-Profis am Freitag gegen 18 Uhr auf den Weg hinüber zum Stadion Platz 11 machten. Ömer Toprak fehlte in der Gruppe der Spieler und so ist nun klar, dass der Bremer Kapitän und Abwehrchef beim Nordderby am Samstagabend um 20:30 Uhr nicht dabei sein wird.

Toprak wird Werder fehlen und ein wenig fehlte auch die Energie von außen vor diesem 154. Duell zwischen den Bremern und Hamburgern. Coach Markus Anfang machte für das Abschlusstraining die Schotten dicht, zog sich zurück mit seiner Mannschaft. Dabei wären sicherlich zahlreiche Fans bei dieser Einheit als Einheizer gerne dabei gewesen.

Ultras boykottieren weiter die Spiele

Blick durch die Tore des Stadions Platz 11 auf Werder-Spieler um Markus Anfang, bevor das Geheimtraining beginnt.
Ein letzter Blick durch das Tor von Platz 11, dann zog sich Werder zum Geheimtraining zurück. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

So blieb es bei einem Banner neben dem Eingangstor von Platz 11, auf dem "Alles für den Derbysieg" geschrieben stand. Ein paar Anhänger einer Ultra-Gruppe hatten es angeklebt zur Motivation, doch im Weser-Stadion werden die Ultras nicht anwesend sein. Auch nicht jene aus Hamburg.

"Für uns gehören Emotionen, Stehplätze und Gästefans zu einem Fußballspiel, wie für andere Bratwurst und Bier", schrieben die "Wanderers" zu Beginn der Pandemie, "daher können wir dem momentanen Fußball nichts Positives abgewinnen." Und so lange wolle man den Spielen fernbleiben. Andere Ultra-Gruppen äußerten sich ähnlich.

Nordderby SV Werder Bremen Hamburger SV Claudio Pizarro 7 Tore Arnold Schütz 7 Tore Horst-Dieter Höttges 6 Tore Uwe Seeler 10 Tore Horst Hrubesch 8 Tore Hans-Josef Hönig 7 Tore BESTER TORSCHÜTZE Clemens Fritz Jurica Vranjes Horst-Dieter Höttges Nigel Jong KARTEN 4 2 1 David Jarolim 10 - 1 - - 1 5 1 - Jerome Boateng 4 - 1 2 - 1 Horst-Dieter Höttges 28 Spiele Dieter Burdenski 27 Spiele Marco Bode 27 Spiele Manfred Kaltz 35 Spiele Thomas von Heesen 25 Spiele Uwe Seeler 23 Spiele MEISTESPIELE 59 Siege 53 Siege 41 Unentschieden 153 Nordderbys seit 1927 250 Tore 270 Tore BILANZ BESTER TORSCHÜTZE KARTEN MEISTE SPIELE BILANZ

Anfang hofft, dass die Stimmung dreht

Es wird also eine andere Stimmung herrschen als bei vielen Nordderbys zuvor, ohne Choreografien oder organisierte Sprechgesänge. Dabei hofft Trainer Anfang, dass seine Mannschaft mit einem engagierten und leidenschaftlichen Auftritt viel vom verspielten Kredit bei den Werder-Fans zurückgewinnen könnte.

Die Enttäuschung nach dem Abstieg und vielleicht auch darüber, dass die Fans wegen der Pandemie so lange Zeit nicht im Stadion helfen konnten, lässt jetzt langsam nach.

Werder-Trainer Markus Anfang

Lange ist es noch nicht her, dass die Werder-Fans die Auftritte ihrer Mannschaft mit gellenden Pfiffen quittiert hatten. Der Frust über den Abstieg und die schleppende Einkaufspolitik von Sportchef Frank Baumann taten ihr Übriges. Doch bei den Spielen gegen Hansa Rostock und Ingolstadt, die die Bremer gewannen, sei die Stimmung "sehr sehr gut" gewesen, wie Anfang betonte.

"Dafür sorgen, dass der Funke überspringt"

Vor allem die Verpflichtungen von Stümer Marvin Ducksch und Mitchell Weiser haben die Kritiker ein wenig verstummen lassen. Doch Werder muss nachlegen, das weiß auch der Trainer. Von selbst kann das Team die Gunst der Fans nicht dauerhaft zurückgewinnen.

Wir sind diejenigen, die dafür sorgen müssen, dass der Funke überspringt und dass die Zuschauer uns unterstützen.

Werder-Trainer Markus Anfang

Von der Art und Weise wie Werder gegen den HSV am Samstag auftreten wird, kann viel abhängen. Die Zuschauer könnten den Schwung geben, den wichtigen Stimmungswechsel, den Aufbruch einläuten, den die Bremer nach den trüben Monaten durch den Abstieg dringend brauchen.

So steht es um Werder vor dem Derby gegen Hamburg

Video vom 16. September 2021
Werder-Coach Markus Anfang beobachtet seine Spieler während des Trainings.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. September 2021, 18:06 Uhr