Das Nordderby als Stimmungskiller? Nicht für Werder-Coach Anfang

Werder-Coach Anfang: "Die Mannschaft hat sich nie aufgegeben"

Video vom 19. September 2021
Werder-Trainer Markus Anfang verschränkt die Hände im Nacken und kneift die Augen zusammen.
Bild: Imago | Eibner
Bild: Imago | Eibner

Markus Anfang hatte sich von einem erfolgreichen Auftritt gegen den HSV einen Aufschwung erhofft. Trotz des 0:2 glaubt der Trainer nicht an einen echten Rückschlag.

Schön war es natürlich nicht, was sich nach dem Abpfiff im Weser-Stadion abspielte. Zumindest nicht für jene, die Werder in diesem Nordderby die Daumen gedrückt hatten. Denn es waren die Hamburger, die zunächst ausgelassen vor ihren mitgereisten Fans feierten und dann genüsslich vor dem Mannschaftsbus.

Die Ränge waren längst leer, als HSV-Profi Tim Leibold feixend sogar einen dicken Ghettoblaster hinter sich herzog, aus dem laute Schlagermusik dröhnte. Während Werder-Trainer Markus Anfang nur ein paar Meter entfernt, einer Gruppe Journalisten zu erklären versuchte, was der Rückschlag mit dem 0:2 für Werder bedeutet.

Ich mag es nicht, die Schuld auf andere zu schieben und zu jammern. Wir haben das in den ersten 25 Minuten nicht gut gemacht und hinten raus kein Tor geschossen. Dafür können wir niemand anderen verantwortlich machen.

Werder-Coach Markus Anfang

Dämpfer nach 2 Siegen in Serie

Dabei hatte sich Anfang von diesem Nordderby genau das für sich und seine Mannschaft selbst erhofft, was der HSV nun auslebte: einen Stimmungs-Aufschwung und den Schulterschluss mit den Fans.

Nach drei Spielen in Folge ohne Gegentor und zwei 3:0-Siegen in Serie waren die Bremer eigentlich gerade auf dem Weg in Richtung Tabellenspitze. Doch nun erwischte Werder nach dem wilden Nordderby der herbe Dämpfer. War es ein Stimmungskiller?

Keine Pfiffe nach dem Abpfiff

Anfang möchte nicht daran glauben. Nach der Niederlage gab es keine Pfiffe von den Rängen, im Gegenteil, es gab Applaus von den Werder-Fans für die Leistung der Mannschaft in der zweiten Halbzeit.

Die Fans haben gemerkt, dass die Mannschaft will und das Spiel unbedingt drehen wollte. Sie hat leidenschaftlich gekämpft. Wie wir die zweite Halbzeit angenommen haben, kann uns auch Kraft geben.

Werder-Coach Markus Anfang

Obwohl die besonders tragischen Figuren des Abends wie Christian Groß, Mitchell Weiser oder Marvin Ducksch ziemlich frustriert in der Kabine hockten, hofft Anfang, dass auch dieses schmerzliche Erlebnis einen positiven Effekt haben wird. "Man lernt ja aus Niederlagen meist mehr als aus Siegen", sagte der Trainer.

2. Liga kein Selbstläufer für Werder

Der Rückschlag am Samstag hat offengelegt, wo Werder weiterhin Schwachstellen aufweist: Die mangelnde Chancenverwertung, die fehlende Aggressivität in der Abwehr, wenn Ömer Toprak nicht dabei ist und die Unerfahrenheit der jungen Mannschaft.

Die 2. Liga wird alles andere als ein Selbstläufer für Werder, Anfang war das schon immer klar. Der Auftritt gegen Hamburg hat gezeigt, wie schwierig diese Saison und der Wiederaufstieg noch werden wird. Und Werder ist noch längst nicht zu 100 Prozent in der 2. Liga angekommen. Doch auf der zweiten Halbzeit lässt sich aufbauen und für den Trainer war eine Erkenntnis ohnehin die wichtigste: "Der Charakter der Mannschaft hat heute gestimmt."

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Video vom 19. September 2021
Werder-Spieler Mitchell Weiser steht nach dem Spiel vor einer Werbewand im Weserstadion beim TV-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 19. September 2021, 19:30 Uhr