Werder beim HSV – nicht Fisch, nicht Fleisch

Okay, Werder hat das dritte Auswärtsspiel in Folge nicht verloren. Aber: Eine Saison, in der man nur unentschieden spielt, führt in die Zweitklassigkeit.

Werders Garcia gegen Hamburgs Hahn
Defensiv solide, nach vorne kam wenig: Ulisses Garcia gegen den HSV mit Licht und Schatten. Bild: Imago | MIS

Die Zeiten, in denen das Nordderby ein echtes Top-Spiel zweier Spitzenclubs der Bundesliga war, sind längst vorbei. In den vergangenen Spielzeiten wurde aus der Begegnung zwischen dem HSV und Werder vielmehr ein Not-Derby. Auch das sogenannte Top-Spiel des siebten Spieltages.

So zeigte sich Werder-Trainer Alexander Nouri nach dem Spiel zufrieden mit dem Punkt – das sollte er auch sein, denn die zwingenderen Chancen hatten die Hamburger. Anders als in den letzten Spielen der Grün-Weißen, passten sie ihre Spielweise diesmal über weite Strecken dem Ergebnis an: Unstrukturiert, inspirationslos und ungenau spielte der Tabellenvorletzte.

Defensive steht

Seit zehn Spielen wartet Werder in der Liga nun auf einen Sieg. Die Kritik an Trainer Nouri wird lauter. Dabei ist dem 38-jährige Fußballlehrer einiges gelungen: Er hat die anfällige Defensive bei Werder endlich stabilisiert, hat mit dem Duo Lamine Sané und Niklas Moisander – wenn sie denn wieder zusammen spielen – endlich wieder zwei zuverlässige Abwehrsäulen, die durch Milos Veljkovic, Robert Bauer und Ludwig Augustinsson unterstützt werden. Auch Ulisses Garcia, der Augustinsson ersetzte, machte gegen den HSV in der Defensive eine ordentliche Partie. Mit seinem 5-3-2-System hat Nouri vor allem das Zentrum stabilisiert und verdichtet. Das Umschaltspiel von Offensive zu Defensive klappt ebenfalls.

Das Dilemma: Torschütze gesucht

Allerdings gibt es nun das Problem in der Offensive, und hier wird das Werder-Dilemma deutlich: Dem in der vergangenen Rückserie formidabel agierenden Angriff konnten Nouri und Baumann in der Sommerpause wegen der explodierenden Ablösesummen nur bedingt neue Impulse geben. Serge Gnabry musste man ziehen lassen. Und der nun in Köln spielende Claudio Pizarro konnte diese Impulse aus Sicht der sportlichen Führung nicht mehr geben. Neuzugang Ishak Belfodil zeigte bei den ersten Auftritten zwar viel Engagement, war im Abschluss dann aber glücklos.

Werders Bartels gegen Hamburgs Diekmeier
Die Leichtigkeit der Vorsaison fehlt noch: Fin Bartels konnte sich gegen die Hamburger Defensive nicht durchsetzen. Bild: Imago | Nordphoto

Gegen den HSV konnte Fin Bartels nichts mit den ungenauen Zuspielen aus dem Mittelfeld anfangen und verlor die Bälle zu schnell wieder. Übrigens: Auch in den ersten vier Saisonspielen mit dem nun schmerzlich vermissten Max Kruse hatte Werders Offensive nur zwei Tore produziert. Was momentan bei Werder also nicht stimmt, ist der Ertrag. Werder hat das Toreverhindern gelernt und das Toreschießen verlernt. Und da wird letzten Endes die sportliche Führung um Nouri und Baumann in die Verantwortung genommen. Denn mit lauter Unentschieden hätte man bis zur Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 die Klasse halten können, heute steigt man damit ab.

Wie geht es nach dem Unentschieden gegen den HSV weiter?

So wurde abgestimmt

  • Werder steht hinten sicher und vorne kommen die Tore im nächsten Heimspiel 23%.
  • Die Lage spitzt sich zu, Nouri muss endlich mutiger wechseln 49%.
  • Nach dem Derby-Remis muss Nouri gehen 28%.

Abgegebene Stimmen: 179

Das Ergebnis der Umfrage ist nicht repräsentativ

Hoffnung macht Junuzovic

Hoffnung machte im Nordderby die Einwechslung von Zlatko Junuzovic. Nach seiner Hereinnahme agierten die Grün-Weißen selbstbewusster und druckvoller. Der Österreicher brachte frischen Wind in die Offensivbemühungen, kreierte gedankenschnell Ideen und hätte mit seiner Hackentrick-Vorlage auf Bartels kurz vor dem Ende beinahe das erlösende 1:0 für die Bremer eingeleitet. Die Erlösung gab es für die Bremer im 107. Nordderby allerdings nicht und so müssen Trainer, Spieler und Fans die zwei Wochen Länderspielpause abwarten, bis es gegen Mönchengladbach wieder eine Chance gibt, aus Worten Taten folgen zu lassen und tatsächlich mutig nach vorne zu spielen und das Tor erzwingen.

  • Lutz Hambach

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Fußball-Bundesliga, 30. September 2017, 15:05 Uhr