Der Tiger Woods des Minigolfs

Minigolf hat jeder schon gespielt. Aber so gut wie Walter Erlbruch können es nur ganz wenige. Am Sonntag zeigte er in Bremen beim Bundesligaauftakt sein Können.

Minigolfer Walter Erlbruch vor der Schlagausführung.

Minigolf ist ein Geduldsspiel. Das fällt den meisten gar nicht so auf, die das Minigolfen nur als vergnüglichen Zeitvertreib während der Sommerferien kennen. Doch es gibt Menschen wie Walter Erlbruch, die diesen Volkssport sehr ernsthaft betreiben – als professionelle Sportart. Minigolf als Leistungssport? Für viele klingt das nach einem guten Witz. "Wenn man erzählt, dass man Minigolf spielt, kommen natürlich oft blöde Kommentare", sagt Erlbruch, "aber das muss man abkönnen. Manche sind dann aber doch ganz erstaunt und fragen interessiert nach."

Minigolfer Walter Erlbruch im Gespräch mit dem Sportblitz.
Walter Erlbruch ist mehrfacher Welt-, Europa- und Deutscher Meister im Minigolf.

Walter Erlbruch ist eine Ausnahmeerscheinung in der Minigolf-Szene, genießt fast schon Legendenstatus. Diverse Male Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister, dazu Bahnrekorde – Erlbruch ist Mr. Minigolf. Seit er sechs Jahre alt ist, spielt er Turniere. Inzwischen ist er 47 Jahre alt und arbeitet hauptberuflich als Coach für eine große Bank. Doch seine Leidenschaft gehört dem Minigolfsport. Und es gehört eine Menge Leidenschaft dazu. Denn in dieser Sportart gibt es weder Sponsoren noch Fernsehverträge. Es gibt kein Geld zu verdienen, im Gegenteil – man muss sein eigenes investieren. Und seine Freizeit.

An diesem Wochenende ist Erlbruch mit dem BGS Hardenberg in Bremen zu Gast, auf der Anlage des BGC Bremen in der Vahr findet der Bundesligaauftakt statt. Erstmals ist der Verein Ausrichter eines Bundesligaspieltages, der BGC Bremen spielt selbst nur in der Verbandsliga. Keine der fünf Herren- und vier Damenmannschaften der 1. Bundesliga Nord, die diesen Spieltag gemeinsam bestreiten, haben bisher auf den 18 Bremer Bahnen gespielt. Niemand soll einen Vorteil haben.

3000 Minigolf-Bälle zur Auswahl

Blick in die geöffnete Tasche mit zahlreichen bunten Minigolf-Bällen.
Zu jeder Bahn den passenden Hartgummiball: Manche sind weich wie Flummis, andere hart wie Billardkugeln.

Doch Erlbruch war bereits an zwei Wochenenden zuvor auf der Anlage – zum trainieren. Angereist aus Krefeld, natürlich auf eigene Kosten. Er überlässt nichts dem Zufall, bereitet sich akribisch auf die Beschaffenheit jeder Bande, jedes Hindernisses, jeder Witterung vor. Und dann greift er in seine Tasche und fischt genau den richtigen Ball für genau diese individuelle Bedingung der Bahn heraus. Erlbruch besitzt nur einen Schläger, aber dafür 3000 verschiedene Bälle. "Ich muss aber zugeben: Ich brauche nur etwa 200 unterschiedliche Bälle pro Saison", sagt Erlbruch mit einem Augenzwinkern.

Beim Golf sind die unterschiedlichen Schläger entscheidend, im Minigolf die Bälle. Manche sind weich wie Flummis, andere hart wie Billardkugeln. Größe, Gewicht, Sprungverhalten – alles spielt eine Rolle. Und die Temperatur beeinflusst die Festigkeit des Kautschuk-Materials und damit die Laufeigenschaft des Balls. Und das ist das Problem in Bremen: das Wetter. Bereits um 7 Uhr steht Erlbruch am Sonntagmorgen beim BGC Bremen auf der Matte. Einspielen, vorbereiten, eingrooven. Um 8 Uhr soll es losgehen. Doch daran ist nicht zu denken, es regnet kräftig über Stunden hinweg. Die Spieler werden in ihre Hotelzimmer oder umliegende Cafes geschickt. Minigolf ist ein Geduldsspiel. Erst um 13 Uhr kann es schließlich losgehen.

Mit Akribie und Nadals Sieger-Säge

Minigolfer Walter Erlbruch schaut gebannt dem Ball hinterher.
Geht er rein? Erlbruch schaut seinem Ball hinterher, der mit dem ersten Schlag ins Loch rollt.

Doch statt vier, können nur noch zwei Runden gespielt werden. Denn eine Runde über 18 Bahnen dauert pro sechsköpfiger Mannschaft zwei bis drei Stunden. Mit vereinten Kräften werden die Bahnen abgezogen und trocken gelegt. Erlbruch hat ohnehin immer seinen eigenen Abzieher dabei. Gute Vorbereitung ist eben alles. Der Ausnahme-Biathlet Ole Einar Björndalen reiste schließlich jahrelang mit eigenem Staubsauger, um dem Hotelzimmerstaub den Kampf anzusagen und so Erkältungen zu vermeiden. Erlbruch ist auch Perfektionist. Sobald der Wettkampf beginnt, ist er im Tunnel. Und die Akribie, mit der er jeden Handgriff erledigt und jede Bahn vorbereitet, steht der eines Rafael Nadal in nichts nach. Und wie der Tennis-Superstar stößt auch Erlbruch nach jedem Ass einen kurzen, aber sehr lautstarken Schrei aus und imitiert mit seinem Arm die Sieger-Säge. Eingelocht mit einem Schlag.

Und es läuft optimal für Erlbruch. Gleich die zweite Bahn ist das Königselement. Den "Hochteller", auf dem der Ball nach einem Schubser bergauf liegen bleiben muss, meistert er mit einem Ass. Auch für die nächsten neun Bahnen benötigt Erlbruch bloß einen Schlag. Doch die Sonne ist inzwischen herausgekommen. Die Bedingungen haben längst nichts mehr mit denen vom nassen Einspielen am Morgen zu tun. Das bedeutet umdenken, Bälle tauschen, Bälle anwärmen. Erlbruch steckt sich Bälle in Socken, die er wiederum in seine Unterhose stopft. Es klingt komisch, ist aber so. Körperwärme hilft. Auch mit der Hand knetet er das Hartgummi noch weiter, bevor er den Ball auf die Bahn setzt und sich auf den Schlag konzentriert.

Auch Perfektionisten passieren Fehler

Minigolfer Erlbruch stellt sich für einen Schlag mit einem Fuß an die Bande.
An Loch zwölf passiert der Patzer: Der Ball bleibt mitten in den Stäben hängen.

An Loch zwölf geht es schief. An den drei Stäben, die waagerecht in der Bahn liegen, bleibt sein Ball hängen. So war das nicht geplant. Erlbruch braucht ganze drei Schläge und ist sichtlich sauer. So sauer, dass er auch für die nächste Bahn einen zweiten Schlag benötigt. "Da war ich raus, das war der Frust. Dieser zweite Schlag war unnötig", erklärt er später. Auch das 16. Loch meint es nicht gut mit ihm. Am Ende der ersten Runde hat er eine 22er Runde gespielt und damit vier Schläge mehr gebraucht als gewollt. Auch in der zweiten Runde wird es wieder eine 22er Runde. Doch die Konkurrenz hadert ebenso mit den schwierigen Bedingungen. Erlbruch und der BGS Hardenberg gewinnen dennoch den Start der Bundesliga Nord. Als der Spieltag vorbei ist, ist auch Erlbruch wieder gelöster. Er kann über seinen Patzer schon wieder scherzen: "Das ist wie bei Sebastian Vettel", meint er augenzwinkernd, "wenn der nur drei Runden für sein Rennen hätte und dann den Start verpennt, holt der das auch nicht mehr auf."

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 15. April 2018, 19:30 Uhr