Meinungsmelder

Werder in Abstiegsnot: Daran sind die Spieler schuld

Die Mehrheit der Fans glaubt an den Klassenerhalt, das zeigt unsere Befragung der Radio Bremen Meinungsmelder. Den Schwarzen Peter für die Misere bekommt aber nicht Kohfeldt.

Die Werder-Spieler trotten mit hängenden Köpfen zum Trainingsplatz.
Bonjour Tristesse: Mit 14 Punkten und 41 Gegentoren hat Werder Bremen die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Im vergangenen Sommer war die Grün-Weiße Welt noch rosarot. Werder Bremen hatte fast die Qualifikation für die Europa League erreicht, nach Jahren der Tristesse herrschte endlich wieder Aufbruchstimmung an der Weser. Jetzt stehen die Grün-Weißen auf Tabellenplatz 17 statt auf sieben. Und müssen um den Klassenerhalt zittern. Der Traum von Europa hat sich als Albtraum entpuppt. Daher haben wir unter dem Titel "Kriegt Werder noch die Kurve?" nachgefragt, ob der Glaube an die Grün-Weißen vor dem Beginn der Rückrunde noch da ist. An der nichtrepräsentativen Befragung haben 624 Personen teilgenommen. 76 Prozent der Teilnehmer gaben an, Fan der Bundesliga-Mannschaft von Werder Bremen zu sein.

72 Prozent glauben an den Klassenerhalt

Der gebeutelte Klub von der Weser darf sich freuen, denn die klare Mehrheit von 72 Prozent der Befragten glaubt daran, dass der Abstieg in dieser Saison noch verhindert wird – irgendwie. 15 Prozent fürchten allerdings, dass es nur zum Relegationsplatz 16 reichen wird, der Abstieg also noch im Bereich des Möglichen liegt. Nur zehn Prozent der Befragten sind völlig desillusioniert und überzeugt, dass Werder direkt absteigen wird. Drei Prozent machten keine Angaben. Damit hat der sommerliche Blick durch die rosarote Brille für viele Fans schlagartig eine eiskalte Portion Realität abbekommen – das Stimmungsbild bezüglich der Tabellenplatzierung hat sich seit Saisonbeginn komplett gedreht.

Erhoffter Tabellenplatz zum Rückrundenstart

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Im August glaubten noch 63 Prozent der Befragten daran, dass Werder auf einem Tabellenplatz zwischen fünf und acht landen würde. An Abstieg wollte damals niemand ernsthaft denken. Kaum ein halbes Jahr später sind es nun 69 Prozent, die sich mit einer Platzierung zwischen Rang zwölf und 16 am letzten Spieltag abfinden. Hauptsache, nicht absteigen.

Ruhig bleiben und nicht in Panik verfallen, aber alles daran setzten, in der 1. Liga zu bleiben. Dabei muss auch jeder sich selbst hinterfragen, ob er das kann und ehrlich sein, wenn nicht.

Ein 47-jähriger Teilnehmer aus Niedersachsen

Dass Werders Saisonziele so derart in Schieflage geraten sind, dafür haben die Radio Bremen Meinungsmelder einen klaren Schuldigen gefunden. Der heißt allerdings nicht Florian Kohfeldt – sie machen die Mannschaft verantwortlich.

Auf und neben dem Platz – wo  sehen Sie momentan die größten Herausforderungen für den SV Werder Bremen? 

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Die sportliche Leistung monierten 59 Prozent der Befragten und auch über die dauernden Verletzungen der Spieler regten sich 46 Prozent auf. Werder hatte mit mageren 14 Punkten und dabei eklatanten 41 Gegentoren die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte gespielt. Und den Bremern klebte zudem noch das Pech am Hacken: Zwischenzeitlich fielen bis zu elf Spieler gleichzeitig verletzt aus. Das Werder-Lazarett war konstant seit der Vorbereitung gefüllt. Kurios nur: Als viele Stammkräfte fehlten, spielten die Grün-Weißen besser als zum Hinrundenende – da zeigte die Mannschaft auf dem Rasen Auflösungserscheinungen, ließ Kampfgeist und Gegenwehr vermissen. Das nahmen viele Fans übel.

Nicht aufgeben und kämpfen. Es gab eine Zeit, da wäre man bei einem Rückstand von 2:0 in der 87. Minute niemals aus dem Stadion gegangen, weil es immer noch möglich war, dass Werder gewann. Der Kampfgeist muss zurück kommen.

Eine 50-jährige Teilnehmerin aus Bremen

Wenn es schlecht läuft, wird eigentlich reflexartig der Trainer als Erster angezählt. Spätestens zur Winterpause wäre er ausgetauscht worden nach den desolaten Auftritten. Doch Kohfeldt genießt bei Werder weiterhin ungeteilten Rückhalt und großen Kredit bei den Fans – im Gegensatz zu Sportchef Frank Baumann.

Wer macht seinen Job gut?

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Florian Kohfeldt gestikuliert auf dem Trainingsplatz mit seinem rechten Arm.
Kohfeldt kann auch anders: Im Trainingslager auf Mallorca wurde der Werder-Trainer schon mal lauter. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Während 66 Prozent der Befragten Kohfeldt einen guten Job attestieren, tun das bei Baumann gerade einmal 29 Prozent. "Ein Manager, der bekannt gibt, dass er mit 50 eine Auszeit braucht, der möge doch gleich gehen", meint eine 50-jährige Teilnehmerin aus Bremen. Seine Ankündigung, vielleicht in fünf Jahren ein Sabbatical einzulegen, verstimmte viele Fans. Auch die Kaderzusammenstellung, die Baumann federführend zu verantworten hat, kommt nach den katastrophalen Leistungen der vergangenen Wochen nicht mehr gut an bei den Befragten.

Dass Verstärkung her muss, darüber war man sich einig, am besten in der Defensive. Diesem Wunsch entsprach Werder bereits während die Auswertung der Umfrage lief – mit Kevin Vogt ist ein robuster Verteidiger von Hoffenheim ausgeliehen worden. Nun müsste Werder für über 50 Prozent der Befragten dann nur noch einen schlagkräftigen Stürmer anwerben – dann klappt's auch mit dem Klassenerhalt. Die Treue halten die Fans ihrem Verein in diesen schwierigen Zeiten sowieso. Die Grün-Weiße Liebe ist für die meisten eben ein lebenslängliches Versprechen. Ganz wie in einer echten Beziehung. Selbst, wenn unterm Tannenbaum mal wieder nur Socken lagen.

Das ist wie mit meiner Frau. Ich liebe sie trotzdem, auch wenn's mal nicht so gut läuft!

Ein männlicher Teilnehmer

Mehr zum Meinungsmelder:

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 16. Januar 2020, 07:40 Uhr