Meinungsmelder

Die Grün-Weiße Liebe ist oft lebenslang – aber auch kompliziert

Werder-Fans haben ein besonderes Verhältnis zu ihrem Verein, das zeigt unsere Umfrage der Radio Bremen Meinungsmelder. Doch nicht nur ungeliebte Sponsoren trüben diese Beziehung.

Die Bremer Ostkurve bei guter Stimmung der Fans.

Es gibt immer wieder Momente in einer Bundesligasaison, in denen auch jenen Menschen, die sich nicht für Fußball interessieren, klar wird, dass die Fans von Werder Bremen eine ganz besondere Hingabe mit ihrem Verein verbindet. Als die Mannschaft beispielsweise im Mai 2016 am letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpfte, da empfingen bereits tausende jubelnder Fans den Teambus in einem Meer aus grün-weißen Fahnen und Ballons vor dem Stadion. Anderswo gibt es in solchen Phasen eher Sitzblockaden und wütende Beschimpfungen.

Doch obwohl die Beziehung zwischen dem Verein Werder Bremen und den Menschen in Bremen außergewöhnlich, vielleicht sogar einmalig ist, so ist sie mitunter nicht ungetrübt, wie unsere Umfrage der Radio Bremen Meinungmelder zeigt. Sei es die Wahl der Sponsoren oder der Verkauf des Stadionnamens, die die Fans verärgern. Nicht vergessen sollte man zudem, dass in Bremen auch viele Menschen leben, die sich nicht für Fußball interessieren und sich an den Begleiterscheinungen eines Bundesligaspieltags in der Stadt stören.

65 Prozent sind "lebenslang Grün-Weiß" eingestellt

Tausende Fans säumen den Weg des Werder-Mannschaftsbusses vor dem Weser-Stadion.
Green White Wonderwall: Auch im April 2019 vor dem Pokal-Halbfinale gegen Bayern empfingen tausende Werder-Fans den Mannschaftsbus vor dem Weser-Stadion. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Um diesem Verhältnis auf den Grund zu gehen, haben wir unter dem Titel "Grün-Weiße Liebe oder Werder-Frust?" nachgefragt, welche Haltung die Teilnehmer zum Verein Werder Bremen haben. An der Umfrage, die nicht repräsentativ ist, haben 957 Personen teilgenommen. 60 Prozent der Teilnehmer waren Männer, 25 Prozent Frauen, der Rest machte keine Angabe.

Die klare Mehrheit von ihnen, 65 Prozent, bezeichnete ihren Beziehungsstatus zu Werder Bremen als "lebenslang Grün-Weiß". 17 Prozent führen aber auch eine offene Beziehung an und bei sieben bzw. sechs Prozent sei es kompliziert bzw. sie seien gar in einer On-Off-Beziehung mit Werder Bremen.

Werder ist quasi mein Leben. Ich bin schon seit Geburt Werder-Fan und werde es auch immer bleiben. Tolle Mannschaft, toller Verein, einfach super. Diese Fan-Nähe, Bremen hat wirklich einzigartige Fans, die man sonst nirgendwo findet.

Marco Zahn, 35 Jahre alt, wohnt in der Neustadt

Werder punktet durch Bodenständigkeit

Dennoch, das machte die Umfrage deutlich, sehen selbst die Nicht-Werder-Fans den Verein als Teil der Stadtidentität (insgesamt 75 Prozent), der Werbung für die Stadt Bremen macht (insgesamt 65 Prozent) und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist (insgesamt 39 Prozent). "Gibt man außerhalb Bremens seine Herkunft bekannt, kommt in neun von zehn Fällen eine Aussage zu Werder", berichtet ein 78-jähriger Teilnehmer aus Bremen: "Werder ist dabei mehr als Sympathieträger hervorgetreten und schafft im außerörtlichen Gespräch meistens eine positive Grundstimmung."

Die Teilnehmer verbinden dabei mit Werder Bremen vor allem Bodenständigkeit (50 Prozent) und die tolle Stimmung im Stadion (48 Prozent), dessen Lage mitten in der Stadt ebenfalls als großes Plus gesehen wird (47 Prozent).

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Was stört: alkoholisierte Fans, Zigarettenrauch und Müll

Werder-Fans schwenken Fahnen im Weser-Stadion.
Wird von vielen als besonders unter den Bundesliga-Stadien empfunden: die Atmosphäre im Bremer Weser-Stadion. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werder pflegt sein Image des familiären, nahbaren Klubs, der eher mit hanseatischer Vorsicht und Nüchternheit seine Transferpolitik pflegt und vor allem ehemalige Spieler im Verein weiter einbindet. Das kommt bei vielen Fans gut an, doch nicht durchweg. "Zwischenzeitlich habe ich kritisiert, dass das so ein Familienklüngel bei Werder ist, bei dem Stallgeruch wichtig ist", findet Teilnehmer Michael Gramse, 58 Jahre alt, aus Hastedt: "Mittlerweile habe ich mich damit arrangiert und fühle mich bei Werder Zuhause."

Das Wohlfühlerlebnis wird bei aller Euphorie aber selbst bei den begeisterten Werder-Anhängern beim Stadionbesuch mitunter getrübt. Aggressive, gewaltbereite und alkoholisierte Fans sowie Pyrotechnik führen die meisten als größte Störfaktoren an. Das deckt sich auch mit dem Empfinden von Nicht-Werder-Fans, die sich jedoch am meisten über den Schmutz und Müll, den der Heimspieltag außerhalb des Stadions nach sich zieht, aufregen. Als besonders störend kommentierten viele Teilnehmer zusätzlich auch den Zigarettenrauch und manche wünschen sich das Weser-Stadion als Nichtraucherstadion.

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Was mich stört: Die Menschen, die sich in der Ostkurve als die einzig wahren Fans bezeichnen und während des Spiels ihre politischen Spruchbänder hochhalten und mit ihren Pyros rumfackeln und für sich selber so das Recht beugen. Uns anderen Menschen gehen sie einfach auf die Nerven mit ihrer Engstirnigkeit, wo sie sich doch als die einzig weltoffenen Menschen bezeichnen.

Dauerkarteninhaber Michael Gramse, 58 Jahre alt

Die Grün-Weiße Liebe wird besonders bei Werders Wahl seiner Sponsoren auf eine harte Probe gestellt. Über die Kooperation mit Wiesenhof als Trikotsponsor sind viele unglücklich. Kritisiert wird das Image des Geflügelschlachters, der ihrer Meinung nach für Tierquälerei und Massentierhaltung steht. Besonders die Nicht-Werder-Fans halten Werders Sponsoren-Wahl für "nicht tragbar" (48 Prozent), bei den Fans sind es 32 Prozent.

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Ungeliebter Sponsor und Verkauf des Stadionnamens

Nuri Sahin im Werder-Trikot auf dem Spielfeld, schaut abwartend.
Streitobjekt auf der Werder-Brust: Vielen Fans wäre ein blankes Trikot sogar lieber als das Wiesenhof-Logo. Bild: DPA | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Wiesenhof spaltet den Blick vieler auf ihren Verein, etliche bezeichnen die Kooperation als "absolut unzumutbar", "inakzeptabel" und "unerträglich". Eine 61-jährige Teilnehmerin aus Bremen konstatiert: "Seitdem Werder den Sponsor Wiesenhof hat, sehe ich 'unsere' Beziehung sehr gespalten." Manche Teilnehmer ziehen aus ihrem Unmut sogar die Konsequenz: "Wiesenhof geht gar nicht. Deshalb werde ich auch kein Trikot mehr kaufen, weil ich damit Wiesenhof unterstützen würde und das ist moralisch nicht vertretbar", schreibt eine 18-jährige Teilnehmerin aus Niedersachsen.

Auch ein 69-jähriger Teilnehmer aus Niedersachsen ist tief enttäuscht. "Der neue Vertrag mit Wiesenhof zeigt, dass Kritik der Fans und der Öffentlichkeit sowie eine kritische Haltung zu einem derartigem Unternehmen aus Profitgründen nicht wahrgenommen wird. Ein Werderspiel besuche ich deshalb nicht mehr!" Dass zudem kürzlich der Stadionname von Werder Bremen verkauft wurde, war dagegen nur ein kurzer Aufreger – viele Fans entschieden sich, den neuen Namen einfach zu ignorieren.

Der neue Name ist allein schon furchtbar auszusprechen, da schluckt man gerne das Wohninvest einfach runter.

20-jährige Teilnehmerin aus Bremen

Am Ende ist es aber mit Werder Bremen und seinen Fans so, wie in jeder Langzeitbeziehung – man lernt, mit ein paar Störgeräuschen zu leben oder trennt sich eben. Jene 65 Prozent der Teilnehmer, die sich lebenslag zu den Grün-Weißen bekennen, gehören aber wohl zu jenen, die voller Optimismus in die nächste Beziehungsaison schauen – 84 Prozent sind überzeugt, dass Werder auf einem Platz zwischen eins und neun landet. Die meisten, 230 Teilnehmer insgesamt, glauben an Rang sechs am Saisonende und hoffen darauf, dass der Traum von Europa zumindest im zweiten Anlauf klappt.

Mehr zur Umfrage:

 

Als Radio Bremen Meinungsmelder können Sie Ihre Meinung direkt äußern – ungefiltert und geradeaus. Wir berichten in der kommenden Woche in unseren Radioprogrammen, im Fernsehen und auf unserer Internetseite über Ihre Meinungen.

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. August 2019, 19:30 Uhr