"Bloß nicht auf alt machen" – Werder-Legende Lorenz wird 80

Er würde immer wieder Fußballer werden. Max Lorenz wurde Meister und Pokalsieger mit Werder Bremen. Doch er erlebte Rückschläge – und hat einen Rat für alle, die älter werden.

Der ehemalige Werder Profi Max Lorenz.

Max Lorenz muss nicht lange nachdenken, um die Frage zu beantworten, was er denn täte, wenn er noch einmal jung wäre. "Ich würde sofort wieder Fußball spielen", sagt er. Und zwar so lange wie möglich. Denn Fußball ist seine Leidenschaft und bestimmt bis heute das Leben des 80-jährigen ehemaligen Werder-Profis.

Max Lorenz im Werdertrikot
1,86 Meter große Mittelfeldspieler im Werder-Trikot. Bild: Imago | Metelmann

Der Bremer ist im Stadtteil Hemelingen aufgewachsen und erlernte bei der ansässigen Sportvereinigung das Fußball-Einmaleins. Und zwar so gut, dass der SV Werder Bremen ihn 1960 unter Vertrag nahm. Neun Jahre lang trat der gelernte Mittelfeldspieler für die Grün-Weißen an, wurde 1961 Pokalsieger und 1965 erstmals Deutscher Fußballmeister.

Zwischendurch war immer wieder Zeit für die anderen Freuden des Lebens. "Damals hatten die Profis nicht jeden Tag die Presse im Nacken gehabt", plaudert Lorenz aus dem Nähkästchen. Es sei kein Problem gewesen, ganz offiziell in die Kneipe zu gehen und einen fröhlichen Abend zu verbringen. Solange es nur am Anfang der Woche war. Aber an den Wochenenden brachte er es auf 247 Bundesligaspiele und schoss dabei 17 Tore.

Nur ein dummes "Eigentor"

Der Bundesliga-Bestechungsskandal 1971 beendete seine aktive Karriere unrühmlich. Zu dieser Zeit stand er im Kader von Eintracht Braunschweig. Im Abstiegskampf hatte Arminia Bielefeld den Braunschweigern eine zusätzliche Prämie versprochen, wenn sie gegen den Konkurrenten Rot-Weiß Oberhausen gewinnen sollten. Obwohl das Spiel nur unentschieden ausging, leierte Max Lorenz dem Verbindungsmann 140.000 D-Mark aus dem Portemonnaie und war sich keiner Schuld bewusst. Er quittierte sogar noch den Erhalt des Geldes und teilte es mit seinen Mitspielern. Ein Fehler, den er später sehr bedauerte: "Ich bin schön blöd gewesen, dass ich das Geld angenommen habe." Die Manipulation wurde hart bestraft mit langen Spielsperren und Geldbußen.

Spaßvogel in der National-Elf

In der Nationalmannschaft war Max Lorenz eine feste Größe. 1966 Vize-Weltmeister, 1970 WM-Dritter, insgesamt brachte er es auf 19 Einsätze im Trikot mit dem Adler auf der Brust. Sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Franz Beckenbauer erinnert sich nur zu gerne an den Spieler und den Spaßmacher Max Lorenz, der gemeinsam mit Sepp Meier und Helmut Haller immer wieder für gute Laune zu sorgen wusste. "Solche Spieler sind unheimlich wichtig für eine Mannschaft", schwärmt Beckenbauer. Darum sei Max auch so beliebt gewesen.

Dicke Freunde selbst beim HSV

Beliebt war er nicht nur in der Nationalelf. Mit dem Hamburger Idol Uwe Seeler verbindet ihn eine jahrzehntelange Freundschaft. Und gern treten die beiden Derbyhelden bei jeder Gelegenheit gemeinsam auf, wenn es um eine gute Sache geht. Dann gibt es auch keine Diskussion um die Rollenverteilung: "Uwe holt die Bratwürste und ich die Getränke", stellt Lorenz klar.

Im hohen Alter gab es für ihn schon einige Rückschläge. Im Jahr 2008 erlitt Lorenz einen Schlaganfall, den er jedoch ohne zurückbleibende Schäden überlebte. Im Jahr 2013 verstarb seine langjährige Lebensgefährtin, die Schauspielerin Hildegard Krekel. Und erst kürzlich hat er sich von einem Herzinfarkt erholt.

Er appelliert an alle, die wie er alt und ein wenig gebrechlicher werden, sich bloß nicht zurückzuziehen und nur aus dem Fenster gucken. "Bloß nicht auf alt machen!" lautet seine Motto. "Geht raus auch bei Schietwetter! Das ist egal! Geht einfach raus und atmet Luft ein."

Porträt zum 80. Geburtstag

Ex-Werderaner Max Lorenz im Interview

Kaffeekränzchen mit Höttges, Lorenz und Schulz, 2015

Max Lorenz, Horst-Dieter Höttges und Hans Schulz, sowie Ludwig Evertz (von hinten)

Rückblick auf die Meisterschaft 1965:

  • Henry Vogt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 19. August 2019, 6:20 Uhr