Werders Lazarett ist 55 Millionen Euro wert

Eigentlich können sich die Grün-Weißen freuen: Der Verein ist jetzt fast so viel wert wie Superstar Neymar. Aber die prominente Verletztenliste vermiest die Bilanz.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt schaut fragend in den Himmel.
Werders Marktwert ist laut "Transfermarkt.de" um fast 60 Millionen Euro gestiegen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nachdem das Transferfenster bis zum Winter wieder geschlossen ist und sich das Wechsel-Tohuwabohu in der Bundesliga beruhigt hat, ist es Zeit für Tabula rasa: Wie gut hat sich Werder Bremen im Vergleich zur Konkurrenz verstärkt? Die Qualität der verpflichteten Spieler wird sich erst im Laufe der Saison wirklich einschätzen lassen. Doch das Internetportal "Transfermarkt.de" hat zumindest den Marktwert der Neuzugänge eingeordnet wie auch den Gesamtmarktwert der Bundesliga-Klubs. Und da kann sich Werder Bremen über ein Wachstum von knapp 60 Millionen Euro freuen – der Verein ist jetzt fast so viel wert (169,98 Millionen Euro) wie ein Neymar (180 Millionen Euro).

Werder auf Rang elf – und mit einer Null bei Transfereinnahmen

Michael Lang und Niclas Füllkrug bei einem Sprint während des Trainings.
Zwei Neue, die durchstarten sollen: Verteidiger Michael Lang (links) und Stürmer Niclas Füllkrug. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dabei ist der brasilianische Ballkünstler natürlich irgendwo Schuld daran, dass die Preise für Fußballspieler inzwischen in aberwitzige Dimensionen abgedriftet sind – und es für mittelständische Vereine wie Werder Bremen nun umso schwerer ist, gute Bundesligaspieler noch für erschwingliche Summen zu bekommen. Und so verwundert es kaum, dass die Grün-Weißen im Liga-Vergleich beim geschätzten Gesamtmarktwert nur Platz elf belegen, hinter Eintracht Frankfurt (204,05 Millionen Euro) und vor Mainz 05 (150,35 Millionen Euro). Vor einem Jahr lag Werder auf Rang zwölf. Über allen thront wie immer der FC Bayern München mit üppigen 866,65 Millionen Euro, nicht wirklich dicht gefolgt von Borussia Dortmund mit 634,10 Millionen Euro Gesamtmarktwert.

Werder möchte ins internationale Geschäft, das ist das Saisonziel. Mit einem Kader von 29 Spielern und davon sechs Neuzugängen soll das gelingen. Niclas Füllkrug und Marco Friedl wurden von Sportchef Frank Baumann eingekauft, dazu Ömer Toprak, Michael Lang und Leonardo Bittencourt ausgeliehen, Benjamin Goller kam ablösefrei hinzu – unter dem Strich hat Werder für die Transfers eine Summe von etwa 13,7 Millionen Euro ausgegeben. Weniger haben in der Bundesliga in dieser Saison nur Fortuna Düsseldorf (vier Millionen Euro) und die Aufsteiger Union Berlin (7,4 Millionen Euro) und Paderborn (100.000 Euro) in neue Spieler investiert. Und: Werder ist der einzige Bundesligist, der in diesem Sommer keinerlei Transfereinnahmen vorzuweisen hat. Besonders bitter ist das im Fall von Max Kruse, der ablösefrei nach Istanbul wechselte und geschätzte zwölf Millionen Euro wert ist.

Das vergoldete Krankenlager der Grün-Weißen

Milot Rashica sitzt am Rande des Trainings nachdenklich in der Hocke.
20 Millionen Euro wert, aber für Werder gerade nicht einsetzbar: Milot Rashica. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

In einer Kategorie liegt Werder jedoch momentan in einer Top-Position, obwohl die Bremer liebend gerne darauf verzichtet hätten. Denn das Lazarett der Grün-Weißen ist stattliche 55 Millionen Euro wert. Mit Milot Rashica (20 Millionen Euro Marktwert), Ludwig Augustinsson (zwölf Millionen), Milos Veljkovic (acht Millionen), Ömer Toprak (fünf Millionen), Kevin Möhwald (vier Millionen), Sebastian Langkamp (zwei Millionen), Philipp Bargfrede (2,5 Millionen) und Fin Bartels (1,5 Millionen) sind acht Spieler mittel- bis langfristig verletzt.

Möhwalds Knieoperation war die vorerst letzte Hiobsbotschaft für Florian Kohfeldt. Der Werder-Trainer sprach sich am Freitag nach dem Training jedoch klar dagegen aus, aus der Not heraus einen Spieler als Ersatz zu holen, der aktuell ohne Vertrag ist. Dieser würde nicht unter die Transferrichtlinien fallen. "Das werden wir ganz klar nicht machen", sagte Kohfeldt in einer Medienrunde: "Wir haben trotzdem noch Varianten im Mittelfeld, die mich nicht komplett schlecht schlafen lassen." Kohfeldt sollte allerdings anfangen, seine gesunden Spieler in Watte zu packen, damit sich sein millionenschweres Lazarett nicht noch weiter vergoldet.

Pizarro lobt Werder-Neuzugang Bittencourt

Füllkrug, Bittencourt und Pizarro beim Werder-Training
Bild: Imago | Nordphoto

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. September 2019, 23:30 Uhr