Götterdämmerung abgewendet: Grün-Gold wieder obenauf

Ein bisschen zittern musste die Bremer Lateinformation von Trainer Roberto Albanese am Samstag in Hamburg doch. Am Ende reichte es aber zum 15. DM-Titel und dem WM-Ticket.

Trainer Roberto Albanese reißt im Siegestaumel die Arme hoch und schreit mit seinen Tänzern die Freude heraus.
Endlich erlöst: Trainer Roberto Albanese (Mitte) musste am Samstagabend lange auf die Entscheidung warten – es reichte für Grün-Gold zum 15. DM-Titel. Bild: Imago | Nordphoto

Der Druck war mal wieder immens, doch das ist Roberto Albanese gewohnt. "Ich kenne eigentlich nur Druck", meinte der Erfolfgscoach des Bremer Grün-Gold-Clubs vor der Deutschen Meisterschaft in Hamburg. Doch dieses Mal war die Lage für die amtierenden Weltmeister besonders prekär – sie mussten um ihr WM-Ticket zittern. Denn die Bundesliga hatten die Bremer Dauersieger in diesem Frühjahr nicht gewonnen, so blieb ihnen nur noch die Deutsche Meisterschaft, um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Und die findet am 7. Dezember ausgerechnet in Bremen statt. Eine Heim-WM ohne das Heim-Team? Es wäre ein Debakel.

Umso mehr brach dann am späten Samstagabend in der "Kiss-and-cry"-Area in der Sporthalle Hamburg bei den acht Paaren des Grün-Gold-Clubs die Erleichterung aus ihnen heraus, als es endlich vorbei war. Sie hatten es geschafft, der 15. DM-Titel war perfekt und das WM-Ticket gelöst. Hauchdünn war der Vorsprung mit 32,73 Punkten vor den Rivalen des TSZ Velbert mit 32,53 Punkten. Platz drei belegte die Formation aus Buchholz mit 29,75 Punkten vor der TSG Bremerhaven, die das Podium knapp verpassten.

"Die Kritik ging an die Substanz"

Die Lateinformation des TSZ Velbert stellt ein Bild bei ihrer Choreografie "No Limit".
Wieder nur Zweiter: Schon vor einem Jahr bei der DM musste sich Velbert den Bremern knapp geschlagen geben. Bild: Imago | Nordphoto

Die Bremer Tänzerinnen und Tänzer aber lagen sich in den Armen und schrien ihre Freude heraus. Und auch bei Albanese löste sich nun endlich die Anspannung. Der Mann, der seit Jahren das Maß der Dinge in der Lateinformation ist, hatte es allen wieder gezeigt. Nach den schmerzlichen Pfiffen bei der vergangenen Deutschen Meisterschaft und dem Rückschlag mit der vorigen Choreografie "This is me" hatte sich Albanese nun mit "Music is the key" eindrucksvoll zurückgemeldet.

Der Titel bedeutet ganz, ganz viel. Ich glaube, das ist der schönste Meistertitel, den wir in den letzten Jahren bekommen konnten. Wir haben so viel Kritik bekommen und trotzdem abgeliefert. Irgendwann geht das auch an die Substanz, wenn man immer wieder auch als Person etwas abkriegt. Es war einfach schön, wie die Mannschaft alles in das neue Thema reingeworfen hat. Das war mega.

Roberto Albanese am Rande des Saisonturniers in Bremerhaven im Gespräch mit dem Sportblitz.
Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese bei buten un binnen

"Music is the key" war der Schlüssel zum Erfolg

Die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs wirft bei einer Figur eine Tänzerin im Spagat in die Höhe.
Hoch hinaus: Beim Einmarsch bot Grün-Gold sogar Akrobatik bei ihrer Choreografie auf – gewertet wird der Teil allerdings nicht. Bild: Imago | Nordphoto

Doch die Bremer mussten im Finale der vier besten Lateinformationen als Erste ran – Hauptkonkurrent TSZ Velbert, das die Bundesliga gewann, tanzte erst am Schluss. Banges Warten und ungeduldiges Zittern mussten sie durchstehen, bis sie endlich wussten, dass es wieder gereicht hatte. "Diese Warterei ist fürchterlich und ich hoffe, das das abgeschafft wird", meinte Albanese: "Wir tanzen sechs Minuten und müssen dann 20 Minuten dort ohne Getränke stehen und lächeln – das macht mich raschelig."

Mit der Leistung seiner Mannschaft war der ehrgeizige Coach jedoch mehr als zufrieden. Mit "Music is the key" hatte Albanese nicht nur eine Hommage an die Disco-Songs der 60er und 70er Jahre geschaffen, sondern die Choreografie auch wie gewohnt mit Höchstschwierigkeiten gespickt. Bei den zwölf Wertungsrichtern, die in vier Kategorien die Formationen bewerten, hatte Grün-Gold jedoch eher mäßig abgeschnitten. Vor einem Jahr waren die Bremer mit einer Wertung von 34,25 Punkten Deutscher Meister geworden. Damals war Velbert ebenfalls mit hauchdünnem Rückstand Zweiter geworden und hatte nun im Frühjahr die Bremer mit dem Sieg der Bundesliga mächtig geärgert.

Velbert überrascht mit neuen Elementen

Die Lateinformation aus Bremerhaven bei einem Bild ihrer Choreografie "The Wall", bei dem die Tänzerinnen die Arme weit empor strecken.
Knapp das Treppchen verpasst: Die TSG Bremerhaven wurde mit "The Wall" Vierter bei der DM. Bild: Imago | Nordphoto

Die Formation von Astrid Kallrath imponierte mit der Choreografie "No Limit" mit viel Dynamik und überraschte mit neuen Elementen. Beispielsweise wechselten beim "Potstirrer" während des Drehens die Tänzer um eine Position oder beim "Wind" standen jeweils zwei Tänzer Rücken an Rücken, während sie ihre Tänzerin vor ihnen drehten. Kallrath überzeugte wieder einmal mit Innovation, ihr junges Team vermochte nur nicht alles perfekt umzusetzen. Doch bei der WM in Bremen gibt es die Chance zur schnellen Revanche – auch Albanese ist gewappnet für die nächste Runde im Formationsduell.

Wir haben jetzt noch drei Wochen Zeit bis zur WM und wir werden in Bremen noch eine Schippe drauflegen. Wir haben ein junges Team, aber heute ist eine neue Grün-Gold-Ära mit einem neuen, großen Team entstanden.

Grün-Gold-Trainer Roberto Albanese bei buten un binnen

Das ist die neue Kür "Music is the key" in voller Länge

Strahlende Pose der Lateinformation des Grün-Gold-Clubs bei der Deutschen Meisterschaft.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 9. November 2019, 19:30 Uhr