Kommentar

Blutleer und wehrlos: Werder im fußballerischen Notstand

Elf Gegentore in zwei Spielen, dazu ein fußballerisch katastrophales Spiel gegen Mainz: Werder Bremen muss jetzt handeln, meint Radio-Bremen-Kommentator Henry Vogt.

Milor Rashica steht bedröppelt auf dem Rasen
Von Europa geträumt, im Tabellenkeller gelandet: Unser Kommentator nennt das fußballerischen Notstand. Bild: Imago | Claus Bergmann

Nach diesem desaströsen Abend bleibt Werder nur noch eins, den fußballerischen Notstand auszurufen. Und wenn die Führungsspitze es nicht schon gestern bis tief in die Nacht getan haben sollte, so muss sie sich spätestens heute zur Krisensitzung treffen. Lösungen müssen her, damit die verfahrene Situation nicht vollends außer Kontrolle gerät. Sehenden Auges darf der Klub nicht ins Bodenlose stürzen, die Bundesligazugehörigkeit in Gefahr bringen.

Werder glaubte gegen München schon den Tiefpunkt erreicht zu haben, Mainz hat gezeigt: Es geht noch tiefer. Und das quälende Ende ist unter diesen Voraussetzungen noch nicht erreicht. Wer glaubt wirklich daran, dass im Jahresschluss-Spiel in Köln eine derzeit völlig niedergeschlagene und taumelnde Bremer Mannschaft plötzlich wieder mentale Kraft und Mut aufbringt? Wer soll diese Tugenden implementieren? Kohfeldt ist mit seinen Versuchen gescheitert. Wie er es auch drehte, mal "wütend zu sein" , oder wie zuletzt seine Leute aufzufordern "um ihr Leben zu kämpfen". Die pathetischen Appelle prallten an seinen Spielern ab.

Die Fans straften die Mannschaft ab

Diese Werder Mannschaft ist blutleer und wehrlos, sie glaubt nicht mehr an sich, vertraut nicht mehr den eigenen Fähigkeiten. Die Situation gegen Mainz erinnerte fatal an Tage, als die Trainer an der Weser noch Dutt, Nouri oder Skripnik hießen. Sie durften so lange die Verantwortung tragen, bis sich neben Erfolglosigkeit erste Auflösungserscheinungen zeigten. Dann war Schluss! Und genau diese Auflösungserscheinungen sind nun nach langer Zeit wieder offen zu Tage getreten. Das Publikum strafte die Mannschaft mit Pfiffen und wandte sich beschämt ab. Macht Werder so weiter, dann ist der Verein im Begriff, das höchste Gut aus den Händen zu geben: die ungebrochene Liebe der Fans.

Autor

  • Henry Vogt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 17. Dezember 2019, 21 Uhr