Kommentar

"Ein Trainerwechsel bietet Gewissheit, alles versucht zu haben"

Werder hält weiter an Florian Kohfeldt fest. Doch der Punkt könnte kommen, an dem man ihn ziehen lassen muss, meint Hörfunk-Sportchef Henry Vogt.

Sportblitz-Redakteur Henry Vogt vor einem Bild von Florian Kohfeldt

Man mag ihn nicht wirklich hart anpacken, diesen Menschen Florian Kohfeldt, weil er aufrichtig und sympathisch ist. Er hat die natürliche Frische, das freundliche Wesen und eine verbindliche Haltung.

Kohfeldt bereichert mit seiner Sprachgewandtheit jede Fernsehsendung, er analysiert messerscharf, hört geduldig zu und redet nicht nur, um etwas zu sagen. Darüber hinaus ist er bemüht, die Öffentlichkeit immer auch ein Stück am Innenleben der Mannschaft teilhaben zu lassen, ohne sie dabei direkt mit in die Kabine nehmen zu müssen.

Die ganze Liga beneidet Werder um diesen außergewöhnlichen Mann.

Henry Vogt, Hörfunk-Sportchef

Die Liga beneidet Werder um Kohfeldt, aber nicht um den Tabellenplatz. Und genau darin liegt die Crux. Sicher: Kohfeldt kann Bundesliga, er war Trainer des Jahres 2018, hat Träume geweckt, war nah dran Werder zum Europapokalanwärter zu machen.

Die Mannschaft bleibt in ihrer Angst gefangen

Nun aber kann er schon seit Wochen nicht mehr Werders bedrohliche Krise managen. Egal, was er auch anstellt: den Ton verschärfen, seinen Spielstil gegen Köln über Bord werfen oder freie Tage streichen, es ändert sich nichts. Die Mannschaft bleibt in ihrer Angst gefangen.

Ein Trainerwechsel bietet keine Garantien, aber Gewissheit alles versucht zu haben.

Henry Vogt, Hörfunk-Sportchef

Ich kann mir gut vorstellen, wie Kohfeldt mit der ihm eigenen Akribie versucht, bei seinen Spielern neue Reize zu setzen. Aber je mehr er das macht, desto stärker verkrampft seine Mannschaft. Vielleicht wäre weniger mehr.

Von Werder-Boss Filbry hören wir nichts, von Baumann und Bode dafür Durchhalteparolen, Treueschwüre. Aber wer gut zuhört, spürt zwischen den Zeilen, wie sehr die beiden mit ihrer Entscheidung um Kohfeldt ringen. Sie möchten ihn um alles in der Welt halten, aber wie lange geht das noch gut?

Hält der Absturz an, sollten sie ihn in Kürze schweren Herzens ziehen lassen. Ein Trainerwechsel bietet keine Garantien, aber Chancen und die Gewissheit, alles probiert zu haben, damit die großen Scheinwerfer auch in der nächsten Saison noch auf das Weserstadion gerichtet sind.

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Februar 2020, 18:06 Uhr