Kommentar

Endlich wieder Fußball: Was bitte soll die Kritik an Geisterspielen?

Der Bundesliga-Ball rollt wieder, ohne Publikum in den Stadien. Richtig so, meint Radio Bremen-Redakteur Andreas Neumann in seinem Kommentar für die ARD-Tagesthemen.

Leere Ränge im Weser-Stadion
Die Ränge bleiben leer, wenn im Weser-Stadion wieder gekickt wird. Viele kritisieren die Geisterspiele, aber nicht jeder. Bild: DPA | Oliver Baumgart

Ich gehöre zu denen, die sich freuen, dass die Bundesliga wieder losgeht. Ja, ich finde es gut, dass das Wochenende wieder Fußball, Unterhaltung und Ablenkung im Angebot hat. In anderen Bereichen der Gesellschaft, sei es in der Gastronomie, den Geschäften oder dem Tourismus werden die Beschränkungen doch auch nach und nach zurückgenommen. Sofern ein schlüssiges Schutz- und Hygienekonzept vorliegt.

Und ein solches haben die Bundesligavereine für ihren Betrieb entwickelt. Behörden und Virologen haben es geprüft und grünes Licht gegeben. Warum sollten die Vereine, die letztlich auch nur Wirtschaftsunternehmen sind, jetzt darauf verzichten? Darauf verzichten, mit einem Spielbetrieb und Fernsehgeldern einen Weg aus der finanziellen Krise zu suchen.

Dabei geht es mir gar nicht um die hoch bezahlten Spieler und Manager. Am Betrieb der Bundesliga hängen zehntausende normal verdienende Mitarbeitende, Lieferanten, Dienstleister. Auch deren Existenzen sind bedroht. Und wer findet, dass Spiele ohne Publikum mit Fußball nichts zu tun haben, der muss sie sich ja nicht anschauen.

Es geht um Emotionen

Das Risiko, dass die Fans sich für Geisterspiele nicht interessieren, trägt die Liga selbst. Ebenso wie das Risiko, dass es nicht klappt mit dem Konzept und die Liga wieder abgebrochen werden muss. Nein, die vorgebrachten Argumente der Spiel-Gegner überzeugen mich nicht. Aber es geht ja auch gar nicht um Argumente.

Es geht um Emotionen: Die Menschen sind enttäuscht und verärgert darüber, wie Vereine, Funktionäre und Spieler in den vergangenen Jahren die Seele des Fußballs angegriffen haben. Mit völlig übertriebenen Gehältern, zur Schau gestelltem Reichtum und mit Überheblichkeit hat sich die Bundesliga seit Jahren so unsympathisch aufgestellt, dass viele Menschen, ihr jetzt gar nichts mehr gönnen. Darüber solltet ihr mal nachdenken, liebe Funktionäre – und die jetzige Krise zum Anlass nehmen, wieder zurückzukehren zu fairem Sport, zu Nahbarkeit und zu mehr Bescheidenheit.

Aber jetzt erstmal: Ein Bundesliga-Wochenende steht bevor – endlich wieder mitfiebern – und hoffentlich drei Punkte für meinen Verein.

Andreas Neumann kommentiert die Kritik an Geisterspielen

Video vom 15. Mai 2020
Andreas Neumann vor blauem Hintergund

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Autor

  • Andreas Neumann

Dieses Thema im Programm: ARD, tagesthemen, 15. Mai 2020, 22 Uhr