Kommentar

Baumanns Treue zu Kohfeldt führt Werder schnurstracks in die 2. Liga

Mit Kohfeldt als Cheftrainer werden die Bremer den Klassenerhalt nicht mehr schaffen, meint Redakteur Karsten Lübben. Sportchef Baumann müsse daher endlich reagieren.

Florian Kohfeldt sitzt neben dem nachdenklichen Frank Baumann bei einer Pressekonferenz.
Je länger Werder-Sportchef Frank Baumann noch an Florian Kohfeldt festhält, desto geringer werden die Chancen auf den Klassenerhalt, vermutet unser Kommentator. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch die Hoffnung auf einen Bremer Klassenerhalt unter Trainer Florian Kohfeldt ist spätestens am Montagabend im Weser-Stadion gestorben. Glatt mit 1:4 verloren die Bremer im ersten Spiel nach der Corona-Pause gegen Bayer Leverkusen. Die erhoffte Kehrtwende blieb also aus. Mal wieder.

Denn so war es schon im Dezember, als Werder vor Weihnachten noch die 20 Punkte vollgemacht haben wollte. So war es auch nach der Winterpause, als der erhoffte Effekt des Mallorca-Trainingslagers ausblieb. Und so war es im Februar, als nach dem Coup im Pokal gegen Borussia Dortmund in der Bundesliga direkt wieder die Tristesse einkehrte.

Wie der Trainer einer B-Jugend

Zu beneiden war Kohfeldt daher nicht, als er nach dem Leverkusen-Spiel die Gründe für die Pleite erklären sollte und zugleich weiterhin Zuversicht ausstrahlen musste. Der Bremer Trainer griff dabei zu den üblichen Plattitüden. Ja, gute Ansätze habe er bei seiner Mannschaft gesehen. Klar, für das Spiel am Samstag in Freiburg sei er optimistisch. Und hey, selbst gegen ein Team wie die Leverkusener habe sich seine Mannschaft ein paar Chancen herausgespielt.

Kohfeldt klang dabei wie der Trainer einer B-Jugend, die ein Testspiel gegen die 1. Herren bestreiten durfte und von dieser anschließend zum Grillen eingeladen wurde. Dabei hatte sein Team kurz zuvor ein Bundesliga-Spiel bestritten. Eines, in dem Werder mal wieder drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt verpasste.

Kein Vorwurf an Kohfeldt

Dem Bremer Trainer ist dabei prinzipiell kein Vorwurf zu machen. Einen Rücktritt hat er stets ausgeschlossen. Kohfeldt ist eng mit Werder verwurzelt und möchte das sinkende Schiff vor dem Kentern retten. Nach außen muss er da natürlich weiterhin die totale Überzeugung verkörpern. Zugleich geht es neben monetären Aspekten auch um seine persönliche Zukunft. Gemeinsam mit Julian Nagelsmann war Kohfeldt nach Jürgen Klopp im vergangenen Jahr der gehypteste Trainer in Deutschland. Nachvollziehbar, dass in ihm weiterhin die Hoffnung schlummert, mit einem tiefblauen Auge noch den Klassenerhalt klarzumachen – und dann in der nächsten Saison wieder anzugreifen und seinen Ruf aufzupolieren.

Aber für Werder ist das Risiko einfach zu groß. Trotzdem geht Sportchef Frank Baumann diesen Ritt auf der Rasierklinge ein. Und seine Nibelungentreue zu Kohfeldt kostet Werder am Ende wohl nach die 40 Jahren die Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga. Baumann hat dabei bisher alle Warnsignale mutwillig übersehen. Auch am Dienstag erneuerte er nochmal sein Treuebekenntnis zu Kohfeldt. Dabei wäre es noch nicht zu spät, die Reißleine zu ziehen. Denn der Klassenerhalt ist immer noch möglich. Zumindest über die Relegation. Die auf Rang 16 liegenden Düsseldorfer besitzen gewiss nicht mehr Qualität in ihrem Kader.

Labbadia macht es Werder vor

Ihr Mehr an Können bringen die Bremer unter Kohfeldt aber nicht auf den Platz. Und weshalb sollte sich das in den letzten neun Spielen ums Überleben in dieser Saison plötzlich ändern? Klar, ein Trainerwechsel ist dabei im Fußball gewiss kein Allheilmittel. Für Werder ist es aber das letzte Mittel, um in der kommenden Saison vielleicht doch weiterhin in der Bundesliga zu spielen.

Welchen Effekt ein solcher haben kann, bewies am vergangenen Wochenende erst Bruno Labbadia. Einer der Kandidaten, die immer wieder als mögliche "Retter" an der Weser gehandelt wurden. Mit der zuvor taumelnden Hertha aus Berlin gelang dem Ex-Stürmer der Bremer zum Auftakt direkt ein überzeugender 3:0-Sieg in Hoffenheim. Von solch überzeugenden Auftritten kann in Bremen aktuell nur geträumt werden. Damit sich das wieder ändert, müsste als Erster aber Sportchef Baumann aufwachen.

Der Abstieg rückt näher: Werder verliert Geisterspiel gegen Leverkusen

Video vom 19. Mai 2020
Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt während einer Pressekonferenz.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. Mai 2020, 18:06 Uhr