Interview

Kohfeldt zu Kruses Abgang: "Um uns muss sich keiner Sorgen machen"

Werder verliert seinen besten Spieler. Doch Trainer Florian Kohfeldt sieht im Abgang von Max Kruse keinen Weltuntergang – und hat schon einige Ideen für die Zukunft.

Max Kruse bekommt Anweisungen von Florian Kohfeldt
Der Trainer und sein Kapitän: Florian Kohfeldt (rechts) machte Max Kruse am Beginn der Saison zum Anführer. Bild: Imago | Michael Weber
Florian Kohfeldt, wann haben Sie von Max Kruses Entscheidung erfahren, Werder Bremen zu verlassen – und wie haben Sie reagiert?
Er hat mich am Donnerstag informiert, dass er den Verein verlassen wird. Persönlich finde ich es sehr schade, dass Max geht, weil wir immer ein sehr gutes Verhältnis zueinander hatten. Er hat auch in diesem Jahr als mein Kapitän den Erfolg mit auf den Weg gebracht. Ich respektiere es aber absolut, dass Max noch einmal etwas Neues machen möchte – das ist sein gutes Recht. Wir sollten eine große Portion Dankbarkeit Max gegenüber haben, gar nicht so sehr für dieses Jahr, denn das würde der gesamten Mannschaft nicht gerecht werden. Aber was er vor drei Jahren gemacht hat, sollten wir alle nicht vergessen: Er ist als Top-Spieler zu Werder gekommen, als es noch sehr viele gute Argumente für Spieler dieser Qualität gab, nicht nach Bremen zu kommen. Jetzt bleibt uns nur noch, ihm alles Gute zu wünschen – und das tue ich von ganzem Herzen.
Wie hat die Mannschaft reagiert?
Das ist kein großes Thema. Natürlich ist der eine oder andere traurig. Aber niemand ist in Tränen ausgebrochen und hat gesagt: "Jetzt geht es nicht mehr weiter." Wir haben so viele Leistungsträger, die unser Spiel tragen. Alle sind der festen Überzeugung, dass wir weiter Erfolg haben werden. Die ganze Mannschaft hat auch nicht monatelang darauf gewartet, ob Max nun ja oder nein sagt. Wir sind Profis, mit so etwas muss man leben. Ich bin genauso traurig darüber, dass ich Aron Jóhannsson hier nicht mehr jeden Tag sehen werde.
Florian Kohfeld und Max Kruse beim Training
Co-Trainer und Neuzugang: Florian Kohfeldt und Max Kruse im August 2016 Bild: Imago | Ewert
Max Kruse hat 21 Scorerpunkte in der laufenden Saison beigesteuert – wie soll das aufgefangen werden?
Wir habe eine Menge Ideen. Zum einen sind eine Menge Spieler da, die Tore schießen können und in der Lage sind, diese Lücke zu füllen. Und zum anderen bekommen wir mit Niclas Füllkrug jemanden dazu, der für viele Tore steht, der deutlich jünger ist und schon an die Tür der Nationalmannschaft geklopft hat. Darüber hinaus haben wir noch die eine oder andere Idee, wer noch dazu kommen kann. Jeder kann sich sicher sein, dass wir vorbereitet sind. Wir sind gut gerüstet, wir werden einen guten Kader haben. Es muss sich keiner um uns Sorgen machen. Ich war immer sehr froh, dass Max in meiner Mannschaft spielt, aber wir sind nicht abhängig von ihm. Sein Abgang ist nichts, was uns dramatisch zurückwirft.
Sie haben immer gesagt, dass Max Kruse hier etwas mit aufbauen kann – aber er geht trotzdem...
Das war immer ein Argument in den Gesprächen mit Max, dass er hier eine Rolle hat, die woanders schwer zu bekommen ist. Er hätte ein Gesicht sein können von etwas, das aus unserer Sicht gerade erst beginnt. Wir sehen diese Saison zwar als sehr gute Saison – aber wir arbeiten daran, dass das wieder dauerhaft zur Normalität wird. Max hat dieses Argument für sich nicht als so wichtig gesehen. Das müssen wir akzeptieren. Der Fußball ist noch schnelllebiger geworden, ich erwarte immer nur ein Bekenntnis für eine Saison – das hat Max getan. Er war ein Kapitän vom ersten bis zum letzten Tag. Jetzt wird ein neuer Kapitän kommen und es wird weitergehen.
Wer wird das sein?
Wir haben eine Menge Spieler, die das Potenzial haben, Kapitän zu sein – aber vielleicht wird es ja auch ein Neuzugang, der direkt in diese Rolle schlüpft. Aber ich wäre verrückt, wenn ich mich da jetzt schon festlegen würde.
Wird Max Kruse vor dem Spiel gegen Leipzig verabschiedet?
Max wird vor dem Spiel im Stadion verabschiedet. Das war sein Wunsch und ich finde es gut. Niemand sollte vergessen, was Max für uns geleistet hat – auch bei einer gewissen Enttäuschung, die ich verstehen kann. Ich hoffe, dass er den Abschied bekommt, den er verdient hat. Meiner Meinung nach ist das ein Moment, in dem sich das Weserstadion erheben sollte.

Kruse verlässt Werder Bremen doch

Max Kruse mit umgedrehter Baseball-Kappe auf dem Kopf vor dem Weser-Stadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. Mai 2019, 18:06 Uhr