Kohfeldt: "Haben eine sehr gute Basis gelegt"

Der Werder-Trainer sprach am Samstagabend im "aktuellen sportstudio" über die Sorgen des Abstiegskampfes, skeptische Spieler und seine Vision mit Werder Bremen.

Werder-Trainer Kohfeldt klatscht am Spielfeldrand in die Hände.
Auf Erfolgskurs: Florian Kohfeldt übernahm Ende Oktober 2017 das Traineramt und blieb in allen Heimspielen ungeschlagen. Bild: Imago | Jan Huebner

Die Saison endete am späten Samstagabend für Florian Kohfeldt mit einer Niederlage – an der Torwand. Der Werder-Trainer war zu Gast im "aktuellen sportstudio" und nahm den kleinen Rückschlag im Torwand-Duell nach dem Sieg gegen Mainz zum Saisonabschluss mit Humor. Zum Ausklang seiner ersten Saison als Bundesligatrainer sprach Kohfeldt über die Sorgen des Abstiegskampfes, skeptische Spieler und seine Vision mit Werder.

Florian Kohfeldt über...

... die Qualen des Abstiegskampfes:

"Es ist unheimlich anstrengend, weil man nie loslassen kann. Selbst an freien Tagen hat man das immer im Blick und überlegt, was zu tun ist. Und es ist dann doch noch etwas mehr, als nur Sieg oder Niederlage: Es geht letztendlich um Existenzen in den Vereinen. Das ist etwas, das mir immer besonders nahe geht. Denn es geht ja nicht nur um uns, sondern auch um Jobs. Und dieser Verantwortung muss man sich stellen, das ist nicht so einfach.

... den erreichten Klassenerhalt:

"Nach dem Dortmund-Spiel war schon etwas Erleichterung da. Wir sind ja sozusagen auf der Couch gerettet gewesen, das hat man gar nicht so wahrgenommen. Zlatko Junuzovic kam mir im Teamhotel im Aufzug entgegen und sagte: 'Glückwunsch, Trainer.' Und ich sagte: 'Ja, dir auch.' Das war alles an dem Tag. Aber nach dem Spiel war dann schon die Freude da."

... einen Sieg zum Saisonabschluss:

"Der war unheimlich wichtig. Erstens gewinne ich ganz gerne, das ist immer gut. Zweitens fand ich, dass wir uns das einfach verdient hatten nach der Rückrunde, mit einem guten Gefühl in die Sommerpause zu gehen. Ein bisschen haben wir auch an das TV-Geld gedacht, von daher war es nochmal ein wichtiges Spiel."

... das Feiern des Klassenerhalts:

"Nein, richtig gefeiert haben wir eigentlich nicht. Es war eine ganz komische Rettung, auf der Couch. Dann war unser Spiel ein Sonntagsspiel, und es bot sich irgendwie nicht danach an, und wir wollten weitermachen. Die Jungs müssen am Sonntag noch ein Freundschaftsspiel machen und danach haben sie drei Tage frei, da sollen sie feiern. Sie fahren wohl nach Mallorca, aber da bin ich nicht weisungsbefugt und auf keinen Fall dabei."

... die anfängliche Skepsis seiner Spieler ihm gegenüber:

Max Kruse gibt mit ausgebreiteten Armen auf dem Spielfeld Anweisungen.
Max Kruse ist Werders Führungsspieler und wichtige Vertrauensperson von Florian Kohfeldt. Bild: Imago | Hartenfelser

"Ich habe mir gedacht, dass eine gewisse Skepsis da ist. Das ist als junger Trainer natürlich auch nicht die leichteste Aufgabe direkt Max Kruse als Spieler zu bekommen. Aber an das Gespräch mit Max kann ich mich sehr gut erinnern, er ist für mich über diese Zeit zu einer extremen Vertrauensperson geworden. Und in dieser ersten Woche haben wir dafür die Basis gelegt. Ich habe ihm relativ direkt gesagt: 'Ich glaube, du bist skeptisch. Warum?' Und dann haben wir darüber geredet und angefangen, etwas zu entwickeln. Ich habe meine Ideen reingebracht. Die Jungs sind dann dankenswerterweise gefolgt. Und da gehörte aus meiner Sicht eine Menge Mut dazu, denn wir haben versucht, es spielerisch zu lösen. Und das ist in der Situation nicht unbedingt der normale Weg."

... die Art, wie er Werder wieder auf Kurs gebracht hat:

"Es klingt zwar etwas nach Phrase, aber ich habe ihnen anfangs gesagt: 'Mut mit Ball und keine Angst vor Ballverlusten.' Wenn man schon Angst hat, nach vorne zu spielen, dann wird man auch keine Lösungen finden. Dementsprechend haben wir viel daran gearbeitet, wie wir uns den Ball direkt wiederholen. Aber auch immer wieder andere Möglichkeiten gesucht, um das Spiel nach vorne zu tragen. Das ging dann auch über den Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette. Das haben die Jungs bis zum letzten Tag überragend umgesetzt. Großen Dank dafür."

... die Tatsache, dass er die Spieler mal um Rat fragt:

"Ich war selber kein Profi auf diesem Niveau. Da bricht mir kein Zacken aus der Krone, wenn ich die Jungs ab und zu mal frage, wie sie die Situation einschätzen. Gerade die erfahrenen Spieler wie Niklas Moisander, Thomas Delaney, Philipp Bargfrede, Zlatko Junuzovic, natürlich Max Kruse. Da haben wir schon das ein oder andere Gespräch gehabt. Klar ist auch: Ich frage sie um eine Meinung. Ich entscheide am Ende selber. Aber es ist gut, sich als Trainer immer wieder zu überprüfen."

... sein Saisonfazit:

Die Werder-Profis feiern nach dem Sieg gegen Mainz auf dem Rasen und tanzen.
Nach dem Abpfiff in Mainz feierten und tanzten die Werder-Profis ausgelassen auf dem Spielfeld. Bild: Andreas Gumz

"Ich finde, wir haben eine sehr gute Basis gelegt. Nicht nur mit dem Klassenerhalt, sondern mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Darauf wollen wir aufbauen. Und ich glaube, dass es für unseren Verein extrem wichtig ist, dass wir nicht in die Saison starten und sagen: 'Wir wollen den nächsten Schritt machen.' Oder: 'Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben oder mal gut starten.' Das ist nicht unsere Denkweise. Wir wollen etwas entwickeln. Wir wollen weiter nach oben kommen. Wenn man immer schon negativ da reingeht, wird das nichts. Ich bin voller Freude auf das, was da kommen wird und bin mir absolut sicher, dass es funktionieren wird."

... seine Werder-Vision:

"Werder soll in gewissen Bereichen für etwas stehen. Das ist das Fußballerische, was wir durch alle Mannschaften haben wollen. Und da ist die Neuverpflichtung von Thomas Schaaf ein ganz wichtiger Baustein. Dass wir für einen attraktiven Offensivfußball stehen wollen, der auch mutig und risikobereit ist. Das wird auch mal schiefgehen, aber das Risiko gehört dazu und soll uns auszeichnen."

Aufgezeichnet von Petra Philippsen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 13. Mai 2018, 19:30 Uhr