Für Werder geht's kaum noch schlimmer

Es ist die historisch schlechteste Hinrunde für Werder und der maue Auftritt in Köln weckte wenig Hoffnung auf Besserung. Wir zeigen die 5 Schwachstellen der Bremer.

Milot Rashica zieht sich nach der Niederlage frustriert das Trikot über den Kopf.
Zum Verkriechen: Milot Rashica (links) würde sich wohl angesichts der schlechtesten Werder-Hinrunde aller Zeiten am liebsten unsichtbar machen. Bild: Imago | Nordphoto

1 Werder so schlecht wie nie

Das 0:1 in Köln war die vierte Pleite in Folge für die Bremer. Nur einen Sieg holte die Mannschaft von Florian Kohfeldt aus den vergangenen 13 Spielen. So steht Werder nach 17 Spieltagen mit mageren 14 Punkten da und hat die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte hingelegt. Besonders bitter: Rechnet man nach der Drei-Punkte-Regel hatten die Grün-Weißen sogar in der Abstiegssaison 1979/80 mehr Zähler als jetzt auf dem Konto – 21. Werder überwintert bestenfalls auf dem Relegationsplatz, könnte am Sonntag aber noch von Fortuna Düsseldorf überholt werden und so auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen.

Es war auch statistische eine der schlechtesten Hinrunden, die Werder je gespielt hat in der Bundesliga. 14 Punkte sagen eigentlich alles aus.

Werders Aufsichtsratschef Marco Bode

2 Kohfeldt ist angezählt

Florian Kohfeldt schaut bei einer Pressekonferenz nachdenklich nach unten und stützt sein Gesicht auf seine Hände.
Nachdenklich: Werder-Trainer Florian Kohfeldt verlor erstmals in seiner Amtszeit vier Spiele in Folge. Bild: Imago | Nordphoto

Den Rückhalt der Chefetage genießt Florian Kohfeldt weiterhin, sein Job ist zumindest in der Winterpause noch sicher. Doch der Werder-Coach ist nach den teils desaströsen Auftritten der vergangenen Wochen angezählt. Zudem wird gemunkelt, dass es Kohfeldt einige Spieler übel genommen haben, dass er sich zuletzt nicht mehr schützend vor die Mannschaft gestellt hatte. "Das war eine wirklich schlechte Hinrunde. Aber: Wir werden kämpfen und nicht absteigen", meinte Kohfeldt. Die Frage ist nur, inwieweit seine Spieler im Trainingslager auf Mallorca mitziehen werden und ob es dem jungen Coach gelingt, seine geliebte Offensivspielweise auf Abstiegskampf umzustellen.

Ich bin sehr froh, dass wir jetzt Pause haben. Wir müssen uns berappeln und die Rückrunde angehen. Ich glaube grundsätzlich an die Mannschaft. Und ich glaube daran, dass, wenn die Verletzten zurückkommen, wir einen Rhythmus kriegen werden. Ich glaube auch an mich und den Zusammenhalt, den wir hier haben.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

3 Schon wieder Verletzte

Die Verletzungssorgen ziehen sich wie ein Roter Faden durch die Saison, auch in Köln erwischte es gleich drei Spieler. Milos Veljkovic musste erst an der blutigen Lippe genäht werden, dann machte der rechte Oberschenkel schlapp. Hier gab Werder am Sonntag zwar Entwarnung: "Die muskulären Probleme aus der Partie in Köln haben sich als nicht gravierend herausgestellt". Allerdings musste Philipp Bargfrede in der Partei leicht angeschlagen in der 79. Minute raus. Besonders bitter war jedoch die Verletzung von Ludwig Augustinsson, der erst seit vier Wochen nach viermonatiger Zwangspause (Knie-OP) wieder zurückgekehrt war. Werder bleibt das Pech treu.

Wir hatten heute die Verletzungen 21 bis 23, das muss man erwähnen. Ich hoffe, dass es bei Ludde und Bargi nicht allzu schlimm ist. Bei Ludde sah es nicht gut aus. Er hat Probleme am hinteren Oberschenkel und wird morgen untersucht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

4 Nichts will helfen

Jiri Pavlenka sitzt nach dem Gegentreffer enttäuscht vor seinem Tor und Milos Veljokovic steht resigniert neben ihm.
Nichts zu machen für Keeper Jiri Pavlenka (rechts). Doch Milos Veljokvic hatte beim Gegentreffer ebenso schlecht ausgesehen wie Niklas Moisander. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kohfeldt hatte wenig Möglichkeiten, personell etwas zu ändern – er brachte Benjamin Goller als Stürmer, nahm Nuri Sahin und Michael Lang aus der Startelf. Der große Wurf sieht anders aus, doch besser ist seine Bremer Bank einfach nicht besetzt. Der Coach setzte wieder auf die Fünferkette, die Abwehr blieb aber gewohnt wackelig. Nach vorne ging dafür lange nichts. Den ersten Bremer Torschuss gab es in der 54. Minute durch Milot Rashica. Die erste Halbzeit war ein mutloser, blutleerer Auftritt der Grün-Weißen, aber Kohfeldt wechselte nach der Pause nicht direkt, um ein Zeichen zu setzen. Erst sehr spät in der Partie ging Kohfeldt auf volle Offensive. Und der Lattentreffer von Rashica kurz vor Schluss bewies, dass Werder nicht die Mittel hat, einen Sieg oder wenigstens ein Unentschieden zu erzwingen.

Im Moment herrscht absolute Leere, das muss man ehrlich sagen. Das war die letzte Möglichkeit nochmal wichtige Punkte zu sammeln in diesem Jahr und das haben wir nicht geschafft. Wir schleppen im Moment viel mit uns herum, bei uns strotzt keiner vor Selbstvertrauen. Es war ein bisschen Not gegen Elend. Bei uns spielt der Kopf einfach eine riesige Rolle.

Werder-Profi Fin Bartels

5 Völlige Verunsicherung

Claudio Pizarro hatte nach der Blamage gegen Mainz von "Schande" gesprochen und eine Reaktion versprochen. Sie kam nicht wirklich. Werder begann die Partie in Köln mit zehn Prozent Ballbesitz und einer miesen Zweikampfquote, die sich erst am Ende ein wenig relativierte (45 Prozent). Doch Aggressivität, Mut und Wille, die gefordert waren, sehen anders aus. Die Bremer brachten es sogar auf 74 Sprints weniger als Köln, die Offensive fand im Grunde nur 15 Minuten lang statt und jede Aktion war von völliger Verunsicherung geprägt. Sinnbildlich für die blanken Nerven war der Patzer von Kapitän Niklas Moisander vor dem Gegentreffer.

Wir sind brutal enttäuscht. In der ersten Halbzeit waren wir nach den zwei schlechten Spielen total unsicher. Die zweite Halbzeit war viel besser, aber es hat nicht gereicht. Diesen Spirit und Kampf müssen wir immer zeigen.

Werder-Kapitän und Abwehrchef Niklas Moisander

Doch 75 Minuten lang war es mehr Krampf als Kampf. Und es ist schon bedenklich, wenn der 41 Jahre alte Pizarro, der seinen Zenit ja lange überschritten hat, bei seinem Kurzauftritt mehr Energie und Engagement versprüht, als der Rest der Mannschaft.

Tristesse bei Werder vor dem Schickssalsspiel in Köln

Florian Kohfeldt schaut ernst seinen Spieler beim Warmmachen zu.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 21. Dezember 2019, 18:45 Uhr